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27. April 2013

medica mondiale feiert ihr 20stes Jubiläum in Köln

„Am Anfang war die Wut – 20 Jahre im Einsatz für traumatisierte Frauen" lautete der Titel einer Podiumsveranstaltung, mit der medica mondiale am 9. April 2013 das 20-jährige Bestehen der Organisation in Köln gefeiert hat. Gründungsfrauen aus Köln und Bosnien blickten gemeinsam zurück auf die Anfangszeit und berichteten über Erfolge und Herausforderungen ihrer Arbeit. Knapp 200 Gäste waren – zur großen Freude der Mitarbeiterinnen – der Einladung gefolgt, darunter etliche UnterstützerInnen, die medica mondiale seit vielen Jahren tatkräftig und hochmotiviert zur Seite stehen.

Durch den Abend führte Helga Kirchner, Journalistin und ehemalige Chefredakteurin des WDR. Auf dem Podium begrüßte sie die Gründerinnen von medica mondiale Monika Hauser und Gabriela Mischkowski sowie Sabiha Husić, die sich seit 1993 für Medica Zenica engagiert. 2007 übernahm Husić die Leitung der heute unabhängigen bosnischen Frauenrechtsorganisation.

Monika Hauser sprach über die Anfänge ihres Engagements in Bosnien und erklärte die Grundprinzipien von medica mondiale: "Frauen auf Augenhöhe zu begegnen und sie so zu stärken, dass sie die Regie über ihr Leben wieder erlangen, sind Werte, die medica mondiale bis heute prägen."

Sabiha Husić wies darauf hin, wie wichtig langfristige Unterstützung für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt ist: "Es gibt noch immer tausende Frauen, die Hilfe benötigen, viele wenden sich erst jetzt an uns, weil sie merken, dass sich ihr Trauma bis in die nachfolgende Generation überträgt."

Gabriela Mischkowski, Expertin zur Geschichte und Strafverfolgung sexualisierter Kriegsgewalt, plädierte für eine "differenzierte Betrachtung und Analyse der Ursachen geschlechtsspezifischer Gewalt in Kriegen, die vor allem das individuelle Leid der Opfer in den Blick nehmen."

Mit Fragen und Kommentaren seitens des Publikums endete die Gesprächsrunde: Trägt die Arbeit von medica mondiale zur Stärkung der gesellschaftlichen Stellung von Frauen in ihren Ländern bei? Was tun die Frauenaktivistinnen, um selbst stabil zu bleiben? Wie schützen sie sich vor Burnout? Viele Gäste brachten außerdem ihre tiefe Verbundenheit mit medica mondiale zum Ausdruck. Etliche nutzen im Anschluss an die Debatte die Zeit für regen Austausch und intensive Gespräche mit anderen UnterstützerInnen und den Mitarbeiterinnen von medica mondiale.

Mit der Veranstaltung bedankte sich medica mondiale insbesondere bei den unzähligen UnterstützerInnen, die das Fortbestehen der Organisation in den vergangenen 20 Jahren mit gesichert haben. Von 1993 bis 2012 haben diese mit rund 1.800 Unterstützungsaktionen die Arbeit für Frauen in Krieges- und Konfliktgebieten mit Spenden und Öffentlichkeitsarbeit möglich gemacht. Im selben Zeitraum spendeten etwa 51.600 Privatpersonen, Vereine und Institutionen insgesamt rund 30 Millionen Euro.

Noch am Vortag der Veranstaltung war die Aufregung groß gewesen. Denn das Forum der Volkshochschule Köln im Rautenstrauch-Joest-Museum hatte wegen Sicherheitsmängeln kurzfristig geschlossen. Deshalb konnte das Podiumsgespräch dort nicht wie geplant stattfinden. Binnen 24 Stunden musste eine Lösung her und die fand sich im nahe gelegenen Atrium der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), einer Tochter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). In dem modernen Gebäude sorgten die dortigen MitarbeiterInnen innerhalb kürzester Zeit für die nötige Technik, bauten Stühle auf, arrangierten Stehtische, richteten das Podium. Ihnen gilt ebenso ein herzliches Dankschön wie der Stadtsparkasse Köln-Bonn, die mit einer Spende von 2.000 Euro die Jubiläums-Veranstaltung unterstützt hat.