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12. März 2015

Medica Liberia Vorstand: „Es gibt keine körperliche Gesundheit ohne seelische Heilung.“

Mit der ausklingenden Ebola-Krise tritt die Zerstörungsgewalt dieser Seuche zutage: Ebola-Überlebende werden stigmatisiert und verstoßen, die kriegsähnlichen Zustände haben zu einer Retraumatisierung der Gesellschaft geführt. Trauerbewältigung und trauma-sensible Beratung sind mehr denn je dringend notwendig. Dieser Herausforderung tritt Medica Liberia – kurz vor der Ebola-Krise als liberianische Organisation ins Register eingetragen – mit ihrem neu gewählten Vorstand entgegen. Wir stellen diese sechs Aktivistinnen und Frauenrechtlerinnen vor und fragen nach ihren Zielen.

Cerue Konah Garlo ist Friedensaktivistin und einer der führenden Köpfe in der Frauenrechtsbewegung Liberias. Sie ist derzeit als Senior-Programmleiterin bei IREX tätig, einer weltweit agierenden Nichtregierungsorganisation, die sich für Bildung, Bürgerbeteiligung, Konfliktprävention und Geschlechtergerechtigkeit einsetzt. An der Durchsetzung des Anti-Vergewaltigungsgesetzes (2005) und der Anpassung des Erbschaftsrechts zugunsten der Frauen war sie maßgeblich beteiligt. Auf Gemeindeebene hat sie zahlreiche Gewaltpräventionskurse mit Frauen durchgeführt. Sie begrüßt den ganzheitlichen Ansatz von medica mondiale: „Es gibt keine körperliche Gesundheit ohne seelische Heilung. Deshalb bieten wir medizinische und psychosoziale Beratung, helfen den Frauen, sich ein eigenes Einkommen zu sichern, stärken sie in ihren Fähigkeiten und setzen uns für Frauenrechte ein.“

Ruth Caesar: „Um das Wohlergehen von Frauen und Mädchen zu sichern, müssen sie Einfluss nehmen können auf Regeln und Gesetze.“

Ruth Caesar ist eine erfahrene Entwicklungsökonomin mit Schwerpunkten auf Genderfragen, gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und Konfliktlösungsstrategien: „In Liberia ist es absolut notwendig, dass die gläserne Wand durchbrochen wird, die Frauen bislang den Zugang zu politischen Ämtern verwehrt! Um das Wohlergehen von Frauen und Mädchen zu sichern, müssen sie Einfluss nehmen können auf Regeln und Gesetze.“ Die Friedensaktivistin engagiert sich in einem liberianischen Frauen-Friedensnetzwerk (Mano River Women’s Peace Network, Marwopnet).

Abla Gedegbekou Williams: „Alle, die etwas zu sagen haben, müssen über die Rechte der Frauen aufgeklärt werden.“

Abla Gedegbekou Williams (Vorstandsvorsitzende Medica Liberia) ist ehemalige Polizistin, Expertin in Sicherheitsfragen und Anwältin mit Schwerpunkt auf Frauenrechten. Sie war die erste Frau in einer leitenden Position in der Einwanderungsbehörde in Liberia und ist seit kurzem Geschäftsführerin des liberianischen Flüchtlingsrats. Zu ihren Zielen sagt sie: „Die Dorfältesten, die Polizei und alle, die etwas zu sagen haben, müssen über die Rechte der Frauen und das Unrecht, das ihnen täglich geschieht, aufgeklärt werden.“

Weitere Vorstandsfrauen von Medica Liberia:

Asatu Bah Kenneth war 25 Jahre lang Polizistin. Sie ist Präsidentin einer liberianischen Frauenrechtsorganisation (Liberia Female Law Enforcement Association) und war in der liberianischen Friedensbewegung aktiv. Nach Kriegsende wurde sie als erste Frau zur stellvertretenden Polizeidirektorin ernannt und engagierte sich besonders für die Erhöhung des Frauenanteils im Sicherheitssektor. Vor kurzem wurde sie zur stellvertretenden Kommissarin für Einwanderungsfragen befördert.

Edna Johnny ist Ökonomin, Forscherin und Wissenschaftlerin an der University of Liberia, wo sie die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät leitet. Derzeit macht sie gerade ihren Doktor in Agrarwissenschaften an der University of Nairobi. In der Vergangenheit hat sie schon als wissenschaftliche Beraterin für medica mondiale Liberia gearbeitet.

Lena Cummings arbeitet als Beraterin für den Dachverband der Frauen-Nichtregierungsorganisationen (WONGOSOL) in den Bereichen Organisationsentwicklung, Fortbildung und Sicherheit für Frauen. Sie war an zahlreichen Studien zur liberianischen Gesellschaft beteiligt: über die Beteiligung von Frauen am Friedensprozess, über geschlechtsspezifische Gewalt und zum Stand der Gleichberechtigung. Außerdem hat sie sehr viele Trainings beispielsweise zur Gewaltprävention auf Gemeindeebene und für lokale RegierungsvertreterInnen durchgeführt.