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23. März 2010

Medica Kosova: Unterstützung für Minderheiten

Frauen, die einer ethnischen Minderheit angehören, haben es in Kosovo doppelt schwer. Roma, Sinti oder Askahli sind fast überall im Land Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt. Die meisten dieser Frauen leben zudem in bitterer Armut und unter schwierigen sozialen Bedingungen. In ihren Siedlungen herrscht oftmals ein Klima der Gewalt, von dem Frauen besonders hart betroffen sind. Während des Krieges gab es regelrechte Pogrome gegenüber den ethnischen Minderheiten, in deren Verlauf etliche Familien ihre Dörfer verlassen und fliehen mussten. Zwar stehen Angehörige ethnischer Minderheiten heutzutage offiziell unter dem Schutz der Vereinten Nationen – die Realität zwingt sie jedoch weiterhin an den Rand der Gesellschaft. Seit Ende des Krieges unterstützt Medica Kosova Minderheiten-Frauen in Kosovo mit medizinischer und psychosozialer Beratung.

Medizinische Versorgung in den Dörfern und Siedlungen

In vielen Gemeinden ethnischer Minderheiten herrschen katastrophale soziale und gesundheitliche Bedingungen. Die Kindersterblichkeit ist hoch und Früh- und Fehlgeburten sind an der Tagesordnung. Auch sind Erkrankungen und Infektionen aufgrund mangelnder Hygiene weit verbreitet.

Aus Furcht vor Übergriffen verlassen die Familien nur selten ihre Siedlungen. Daher besucht das medizinische Team von Medica Kosova die Frauen und Kinder regelmäßig in ihren Dörfern und Siedlungen. Die Medica-Ärztinnen stellen nicht nur die medizinische Basisversorgung der Frauen sicher – sie bieten auch gynäkologische Untersuchungen und verschiedene Früherkennungstests und Vorsorgemaßnahmen an. Ist eine Frau sehr krank ist, hat sie die Möglichkeit, sich im Medica Kosova-Zentrum ärztlich behandeln zu lassen. Die meisten Frauen haben während vieler Jahre keinen Arzt gesehen – manche von ihnen noch nie.

Gesundheitsaufklärung

Viele Krankheiten sind auf fehlendes Gesundheitswissen zurückzuführen. In Gruppengesprächen vermitteln die Beraterinnen von Medica Kosova den Frauen Grundkenntnisse in Gesundheitsfragen wie Hygiene, Infektionskrankheiten und Kindesimpfungen. Auch Informationen zu Familienplanung und Empfängnisverhütung sind wichtig. Darüber hinaus sprechen die Beraterinnen mit den Frauen über sexuelle Selbstbestimmung, Gewalt in der Ehe und in der Familie.

Psychosoziale Beratung

Neben der medizinischen Versorgung benötigt ein großer Teil der Frauen psychosoziale und therapeutische Unterstützung. Viele Frauen leiden infolge der Gewalt in den Familien und in ihren Siedlungen unter Angstzuständen, Schlaflosigkeit und Depressionen. In Einzelgesprächen oder in der Gruppe helfen die Medica-Beraterinnen den Frauen bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse und der Bewältigung des Alltags.

medica Kosova hat 2007 rund 326 Frauen und Mädchen von Minderheiten medizinisch und psychosozial beraten und unterstützt.