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22. Juni 2011

Medica Kosova: Juristische Unterstützung

In Kosovo garantiert das Gesetz Frauen und Männern gleiche Rechte – in der praktischen Rechtsprechung werden Frauen jedoch noch immer stark diskriminiert. Besonders auf dem Land, wo das Denken der Bevölkerung durch das jahrhundertealte Stammesrecht "Kanun" geprägt ist, beeinflussen patriarchale Überzeugungen weiterhin die Auslegungen und Anwendung der Gesetze.

Um Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen, bietet Medica Kosova den Frauen sowohl im Frauenzentrum der Organisation als auch auf den Dörfern juristischen Beistand an. Eine Anwältin klärt die Frauen über ihre Rechte auf, vor allem über neue Verordnungen zum Schutz der Frau oder Verbesserungen im Erbrecht für Witwen. Sie berät die Frauen individuell in rechtlichen Angelegenheiten und vertritt sie gegebenenfalls vor Gericht. Rund 60 Frauen ließen sich in 2007 vor allem in Sorgerechts- und Unterhaltsfragen beraten, etwa 90 Frauen nahmen an juristischen Gruppengesprächen teil.

Neben Scheidungsangelegenheiten gehören auch eigentumsrechtliche Fragen und Erbschaften zu den brisanten Themen. Viele Frauen leben in Großfamilien und obwohl die Gesetze es anders wollen, geht der Besitz des Mannes auf ihre Brüder über. Die Frauen gehen leer aus. Möchten sie zum Beispiel ein Stück Land verkaufen, können sie das nur mit Zustimmung der angeheirateten Familie tun. Ein selbst bestimmtes Leben ist für die Frauen so nicht möglich.

Ein wichtiger Bestandteil des Rechtshilfeprojekts ist daher der massive Einsatz zu Gunsten von Frauen vor Gericht. So hat Medica Kosova unter anderem erreicht, dass ihren meist einkommensschwachen Klientinnen die Scheidungsgebühren in Höhe von 120-150 Euro erlassen werden – ein großer Erfolg in einem Land, in dem Scheidungen gesellschaftlich stark geächtet sind.