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25. September 2014

Medica Afghanistan: Unterstützung von Frauen und Mädchen ausgeweitet

Die Lage in Afghanistan war in der ersten Jahreshälfte 2014, aufgrund der Präsidentschaftswahlen im April und dem bevorstehenden Truppenabzug der NATO, sehr angespannt. Frauenrechtlerinnen wurden zunehmend angefeindet und eingeschüchtert. Dennoch gelang es Medica Afghanistan, die Unterstützung von Frauen und Mädchen fortzuführen und teils sogar auszuweiten sowie aktiv für Frauenrechte einzutreten. Die afghanischen Kolleginnen haben uns gesagt, welche Ermutigung unsere und Ihre Solidarität in dieser schwierigen Situation für sie ist.

Psychosoziales Beratungs-Programm: Eindrücke aus der ersten Jahreshälfte

  • 2014 weitete Medica Afghanistan ihr psychosoziales Angebot aus und bietet nun auch im Cure International Hospital in Kabul Beratungen an. Patientinnen, die an psychischen Folgen sexualisierter Gewalt wie Angst, Unruhe oder Depression leiden, haben so auch in diesem Krankenhaus die Möglichkeit der psychosozialen Beratung.
  • Von Januar bis Juli 2014 nahmen in Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif insgesamt 668 Frauen an regelmäßigen Gesprächsgruppen und an Einzelberatungen teil. 62 Frauen erhielten in Krankenhäusern der Region stationäre Notfall-Beratungen.

Rechtshilfe: eindrückliche aktuelle Kennzahlen aus den letzten Monaten

  • Von Januar bis Juli 2014 begleiteten die Anwältinnen von Medica Afghanistan insgesamt 481 Fälle. Dazu zählten 77 Zivilrechtsfälle (Scheidung, Sorgerecht, Alimente) sowie 209 rechtliche Beratungen. Von den 77 privatrechtlichen Fällen konnten 44 zugunsten der Klientinnen gelöst werden.
  • Die AnwältInnen von Medica Afghanistan unterstützten die Staatsanwaltschaft aktiv bei der Durchsetzung des EVAW-Laws zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Dank ihres Einsatzes wurde von April bis Juni in zehn Fällen die Verurteilung der Täter erreicht.
  • Eines der bedeutendsten Ergebnisse der Rechtsarbeit von Medica Afghanistan ist, dass die Frauen ihre Grundrechte kennen und besser verstehen. Eine Überlebende sexualisierter Gewalt erzählt: “Wenn ich nur gewusst hätte, dass eine Frau auch ihre eigenen Rechte im Gesetz hat! Warum hätte ich dann meinen Mann umbringen sollen? Ich hätte vor Gericht ziehen und meine Rechte einfordern können. Da ich meine Rechte zu der Zeit nicht kannte, habe ich ihn getötet und nun sitze ich im Gefängnis.“

Alphabetisierungskurse: „Von Tür zu Tür“ für die Bildung von Mädchen und Frauen

  • Bildung ist einer der effektivsten Wege, das Selbstbewusstsein von Frauen zu stärken. Sie hilft ihnen, ihre Rechte zu kennen. Im ersten Halbjahr 2014 konnte Medica Afghanistan in Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif insgesamt 16 Alphabetisierungskurse anbieten, an denen rund 570 Frauen teilnahmen.
  • Neben dem Erlernen von Lesen und Schreiben werden die Teilnehmerinnen über grundlegende Frauenrechte, sowie rechtliche und gesundheitliche Angelegenheiten aufgeklärt.
  • Die Hohe Zahl der Teilnehmerinnen an den Alphabetisierungskursen ist vor allem verantwortungsvollen LehrerInnen zu verdanken. Sie gingen von Tür zu Tür und überzeugten die Familien der Mädchen, sie an den Klassen teilnehmen zu lassen.

Lobbyarbeit für Frauenrechte: weltweite Kampagne „One Billion Rising“ als wichtige Plattform

  • Medica Afghanistan wirkte Anfang des Jahres aktiv mit an den Vorbereitungstreffen zu „One Billion Rising“, einer weltweiten Kampagne gegen Gewalt an Frauen. Zahlreiche Frauen und Mädchen wurden für die Kampagne mobilisiert. In Mazar-i-Sharif war Medica Afghanistan verantwortlich für die Durchführung der One Billion Rising-Veranstaltung. Zu den TeilnehmerInnen zählten StellvertreterInnen von 50 Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen.
  • Die Situation für Frauen in Afghanistan ist miserabel, vor allem in ländlichen Gegenden. Dort sind nur wenige Frauen gebildet und Zwangsehen verbreitet. Frauen, die vor einem gewalttätigen Ehemann fliehen, kommen oft aufgrund sogenannter moralischer Verbrechen ins Gefängnis. Medica Afghanistan nutzte den Aktionstag in Mazar-i-Sharif, um die TeilnehmerInnen über sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt, menschenrechtswidriges Handeln und Frauenrechte zu informieren.
  • Darüber hinaus waren die Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan aktiv in der Interessenvertretung für Frauenrechte durch die Mitarbeit in Netzwerken und Arbeitsgruppen. Sie erhoben ihre Stimme für Frauenrechte in Interviews und gegenüber den EntscheidungsträgerInnen im Land, um Änderungen bei der Gesetzgebung, in den Regierungsstrukturen und bezüglich der Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Frauen zu erreichen.