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22. April 2016

Medica Afghanistan: Direktorin Humaira Rasuli fordert in Berlin weitere Unterstützung durch die Bundesregierung

Am 12. und 13. April 2016 reiste Humaira Rasuli, Direktorin von Medica Afghanistan, nach Berlin, um über die aktuelle Lage vor Ort sowie das künftige Engagement Deutschlands zu sprechen. Afghanistan befindet sich am Scheideweg. Die Sicherheitslage ist desaströs. Frauenrechtsverteidigerinnen werden massiv unter Druck gesetzt. In Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten, dem Auswärtigen Amt sowie Entwicklungsministerium forderte Frau Rasuli die Bundesregierung auf, sich politisch für einen Friedensprozess einzusetzen, der die Rechte aller AfghanInnen wahrt.

Seit dem Sturz der Taliban 2001 hat sich für Frauen und Mädchen in Afghanistan einiges verändert. Die afghanische Regierung hat sich in ihrer Verfassung zur Verwirklichung von Frauenrechten verpflichtet. In den Bereichen Bildung, Gesundheitsversorgung und politische Teilhabe lassen sich Verbesserungen für Frauen und Mädchen verzeichnen. Andererseits sind sie in hohem Maße von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Laut der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission (AIHRC) war 2015 das tödlichste Jahr für Frauen und Mädchen. Steinigungen, Vergewaltigungen und Auspeitschungen sind Realität in Afghanistan.

Politische und ökonomische Krisen bringen die Frauenrechte in Afghanistan in Gefahr

Afghanistan ist gebeutelt durch anhaltende politische und ökonomische Krisen sowie das Erstarken fundamentalistischer Kräfte, die ihre Interessen mit Gewalt durchsetzen. Angesichts dieser Entwicklungen läuft alles darauf hinaus, dass auch in Sachen Frauenrechte das Rad zurückgedreht wird. Umso wichtiger ist es, dass sich die internationale Gemeinschaft – und gerade auch die Bundesregierung – für eine politische Lösung des Konfliktes in Afghanistan einsetzt. „Frauenrechte dürfen dabei nicht geopfert werden. Nachhaltiger Frieden ist nur möglich, wenn alle AfghanInnen gewaltfrei leben und am Wiederaufbau des Landes teilhaben können“ – so Humaira Rasuli.

Deutschland trägt politische Verantwortung in Afghanistan. Nach dem Rückzug der internationalen Truppen aus Afghanistan muss die Bundesregierung dieser Verantwortung gerecht werden. „Es ist wichtig, dass wir jetzt nicht unser Engagement für Afghanistan zurückfahren, sondern unsere gegebenen Verpflichtungen erfüllen und erreichte Erfolge sichern“ – so Bundestagsabgeordnete Gabi Weber im Gespräch mit Frau Rasuli. Medica Afghanistan und medica mondiale fordern die Bundesregierung nachdrücklich auf, sich konsequent für Frieden und Entwicklung in Afghanistan einzusetzen.

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