Zurück zur Übersicht
08. Dezember 2016

Liberia: neue Schutznetzwerke für Frauen in Monrovia

Unsere Partnerinnen von Medica Liberia weiten ihre Arbeit auf die Hauptstadtregion um Monrovia aus. Bisher war die liberianische Frauenrechtsorganisation nur im südlichen Teil des Landes im Einsatz. Dort unterstützt Medica Liberia Frauen in Dörfern und Gemeinden. Vor kurzem haben sie im Rahmen eines dreijährigen Projektes mit dem Aufbau von Schutznetzwerken für Frauen in und um Monrovia begonnen.

Besserer Schutz für Frauen nun auch rund um die liberianische Hauptstadt

„Das Projekt besteht aus verschiedenen Maßnahmen, die zusammen einen besseren Schutz für Frauen in der Region ermöglichen sollen“ erklärt Lena Reul, Projektreferentin für Liberia bei medica mondiale. Koordiniert werden die einzelnen Schritte vom neuen Projektbüro von Medica Liberia in Monrovia. Bisher nutzten die Mitarbeiterinnen das Hauptstadtbüro ausschließlich für Vernetzungsarbeit und Unterstützung der Standorte im südlichen Teil von Liberia. „Während der Ebola-Krise hat Medica Liberia bereits mit lokalen Gemeinschaften in der Hauptstadtregion gearbeitet und genießt dort eine große Anerkennung und Akzeptanz“ berichtet Lena Reul. Die Schutznetzwerke bestehen aus Frauensolidaritätsgruppen und Mädchen-Clubs. Außerdem werden verschiedene Mitglieder der Gesellschaft zum Thema Gewalt gegen Frauen sensibilisiert: Sogenannte Watch-Groups, Frauenbeauftragte, Dorfälteste, Polizei und Justiz, sowie Gesundheitspersonal.

Solidargruppen: Solidarität unter Frauen stärken

Die Solidargruppen funktionieren als Anlaufstellen für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Außerdem betreiben die Gruppen Aufklärungsarbeit zu geschlechtsspezifischer Gewalt. Die 12 Gruppen bestehen jeweils aus fünf Frauen, die von Medica Liberia in stress- und traumasensibler Beratung geschult werden. Bei regelmäßigen Besuchen sollen sich die Mitglieder der Gruppen untereinander über Erfahrungen und gelungene Maßnahmen austauschen. Innerhalb ihrer Gemeinde treten sie vor allem als Ansprechpersonen auf. Für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, ist es einfacher, sich an eine Person vor Ort zu wenden, die sie kennen, und die sie schnell und niedrigschwellig ansprechen können. Nach der ersten Beratung überlegen die Frauen gemeinsam, wie es weitergeht. Dafür lernen sie in Schulungen, wann sie eine Frau an Medica Liberia, ein Krankenhaus oder die Polizei überweisen müssen.

Mädchen-Clubs: Aufklärung und Anlaufstelle für junge Zielgruppen

Die Mädchen-Clubs an Schulen und in Sportclubs sind ebenfalls ein bewährtes Konzept von Medica Liberia. Die Frauenrechtsorganisation schult Mädchen, die sich freiwillig engagieren, damit sie in ihren Gruppen über sexuelle und reproduktive Gesundheit aufklären können. Bei den monatlichen Gruppentreffen können sich gleichaltrige Mädchen in Ruhe über Probleme und Erfahrungen austauschen. Die Mädchengruppen sind ein sehr nachhaltiger Teil des Schutznetzwerkes.

 

 

Watch-Groups: geschulte Mitstreiter für mehr Sicherheit vor Gewalt

In vielen Gemeinden bestehen bereits Männergruppen, die sich wegen mangelnder Polizeipräsenz für die Sicherheit in ihrer Gemeinschaft einsetzten. Die Mitarbeiterinnen von Medica Liberia sensibilisieren diese Mitglieder im Rahmen des neuen Projekts zum Thema Gewalt gegen Frauen. So soll verhindert werden, dass sie selbst Täter werden und stattdessen zu Mitstreitern gegen sexualisierte Gewalt. Da Gewalt meist mitten in der Gemeinschaft, in Form von sogenannter häuslicher Gewalt innerhalb von Familien oder sexualisierter Übergriffe gegen Frauen in Bars und im öffentlichen Raum geschieht, ist die Zusammenarbeit mit den Watch-Groups wichtiger Bestandteil des Projekts. Medica Liberia unterstützt die Gruppen zunächst dabei, über Gewalt, Machtmissbrauch und Geschlechterrollen nachzudenken um frauenfeindliche Situationen besser wahrnehmen zu können. Zusätzlich zu den Watch-Groups nehmen sogenannte „Frauenbeauftragte“ eine entscheidende Rolle in den Schutznetzwerken ein. Es sind Männer, die ein hohes Ansehen in den Gemeinden haben und als Vorbildcharaktere neue Werte vorleben. So sollen patriarchale Strukturen langfristig aufgebrochen und neue, alternative Rollenbilder geprägt werden. Außerdem sollen Dorfälteste, die traditionell für kleinere Streitigkeiten innerhalb einer Gemeinde schlichten, einbezogen werden.

Hintergrundinformation: Finanzierung des Projektes in der Region Monrovia

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert das Projekt zu 90 Prozent in einem Umfang von 1,1 Millionen. Die restlichen zehn Prozent stammen aus Spenden von UnterstützerInnen von medica mondiale.