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08. April 2015

Liberia Blog zur Ebola-Krise: Caroline Bowah Brown berichtet aktuell

Die Direktorin der Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale Liberia, Caroline Bowah Brown, berichtet in unserem Blog regelmäßig über die aktuelle Situation vor Ort: Wie beeinträchtigt die Ebola-Krise die tägliche Arbeit? Auf welche Weise helfen die Mitarbeiterinnen, die Seuche zu überwinden? Wie können die Beraterinnen sich selbst schützen?

Mittwoch, 8. April 2015

2014: Was für ein schreckliches Ebola-Jahr!

Es war Anfang letzten Jahres, als die Neuigkeit sich verbreitete: Das Ebolavirus grassiert im Westen Afrikas. Diese Nachricht bedeutete damals nicht viel für uns, da wir kaum etwas über die Erkrankung wussten. Wir gingen alle zu unserem normalen Alltagsgeschäft über, selbst nachdem es einige Todesfälle in Liberia gegeben hatte.

Was wir zu dieser Zeit noch nicht wussten, war, wie stark das Ebolavirus uns befallen würde. Der Name „Ebola“ war komisch. Manche Menschen fingen an, lustige Namen wie „Deborah“ dafür zu verwenden. Das war der spaßige Teil, der schlimmste Teil sollte jetzt erst beginnen.

Ebola: Unsere Herzen wurden durchbohrt, unsere Wurzeln herausgerissen und alle normalen Dinge wurden anormal

Allmählich entfaltete sich der Albtraum vor unseren Augen. Das Ebolafieber warf uns aus der Spur. Manchmal denke ich, es gibt keine Worte um zu beschreiben, was passierte. Es war schrecklich… schrecklicher als man sich vorstellen kann. Unsere Herzen wurden durchbohrt, unsere Wurzeln herausgerissen und alle normalen Dinge wurden anormal. Wir konnten nicht mehr leben, wie wir es zuvor gekannt hatten. Freunde und Familie wurden zu Fremden, vergnügliche Orte wurden zu Geisterstädten, nirgends war es sicher. Zu viele Leben wurden verloren – wie in den Jahren des Krieges.

Irgendwie machten wir weiter. Unser Land wurde durch einen langanhaltenden Bürgerkrieg schwer verwüstet und nun auch noch von einer Gesundheitskrise erfasst.

Inmitten all des Terrors, der Angst und der Qual, blieben wir stark. Ich erinnere mich, wie ich während der schlimmsten Phase der Ebola-Epidemie bei einer Freundin saß. Es war so traurig und ich fragte: „Woher nehmen wir die Kraft und das Durchhaltevermögen, um jeden Tag aufzustehen und dem neuen Tag die Stirn zu bieten?“

Ein neues Jahr ist angebrochen und es gibt positive Entwicklungen in Hinblick auf die Ebola-Krankheit. Wir hoffen, dass sie sehr bald eingedämmt ist. Ich glaube, wir kehren zurück in ein normales Leben!

 

 

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Freitag, 27. Februar 2015

Ebola-Präventions-Maßnahmen von medica mondiale an liberianischen Schulen: „Bitte kommen Sie zu unserer Schule!“

Frau Yah Parwon, Leiterin eines Ebola Schutz-Teams von medica mondiale Liberia, erhielt einen Anruf eines Schuldirektors: „Wir haben erfahren, dass Sie Ebola-Aufklärungsarbeit machen und an kleine Schulen Thermometer und andere Hilfsmittel verteilen. Wir brauchen diese Unterstützung. Bitte kommen Sie, kommen Sie zu unserer Schule!“

Jetzt, wo sich die gesundheitliche Lage im Land langsam bessert, ist das Ministerium wieder verstärkt darauf aus, dass wirklich alle Schulen geöffnet werden. Es werden weniger Ebola-Fälle festgestellt, die Suche nach einem Gegenmittel geht weiter und auch wir sind optimistisch, dass die Testergebnisse positiv sein werden. Leider besteht die Regierung auf der Wiedereröffnung aller Schulen, obwohl viele nach wie vor nicht in der Lage sind, die nötigen Ebola-Präventionsmaßnahmen durchzuführen.

“medica mondiale Liberia ist die erste und einzige Organisation, die uns in der Ebola-Krise unterstützt hat.“

Die Grace Gospel Schule ist wirklich eine kleine Schule. Der desolate Zustand des Schulgebäudes zeigt, dass sie mit einem geringen finanziellen Budget auskommen muss. Freiwillige Helferinnen von medica mondiale Liberia informieren die Schulangestellten über Ebola-Präventionsmaßnahmen, die Aufklärungskampagne „Sicher zurück zur Schule“ und über das Maßnahmen-Protokoll „Sichere Schulumgebung in Liberia“ des Bildungsministeriums. Am Ende der Schulung wurden Hygiene-Utensilien und Thermometer verteilt.

Während der Veranstaltung betonte der Schuldirektor, Mr. Harris: „medica mondiale Liberia ist die erste und einzige Organisation, die uns in der Ebola-Krise unterstützt hat.“ Er ergänzte: “Die Utensilien und die Aufklärung waren wirklich notwendig und werden von uns hoch geschätzt! Bisher gingen die Schüler immer einfach so ein und aus. Wir waren nicht entsprechend ausgestattet, um ihre Temperaturen messen zu können.“

Beim Kampf gegen Ebola mitwirken – durch kleine, aber bedeutsame Beiträge

Vor unserem Engagement an der Grace Gospel Schule haben sie sich Sorgen gemacht: Sie hatten Angst, den Erfordernissen einer sicheren Schulwiedereröffnung nicht gewachsen zu sein. Jetzt sind sie optimistisch und freuen sich auf ein erfolgreiches und sicheres Schuljahr. Täglich geben wir kleinen Schulen mehr Zuversicht und hoffen, dass sie die Sicherheitsvorschriften befolgen und das Schulumfeld sicher halten.

Nach und nach werden wir Ebola besiegen. EBOLA MUSS VERSCHWINDEN! Und medica mondiale Liberia ist froh, sich durch kleine aber bedeutsame Beiträge an diesem Kampf gegen Ebola zu beteiligen.

 

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Mittwoch, 11. Februar 2015

medica mondiale Liberia: Unterstützung für von Ebola betroffene Kinder

1304 Kinder (612 Jungen und 692 Mädchen) sind von der Ebola-Krise betroffen. Als unser Team entschied, die Ebola-Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, dachten wir zunächst nicht an die betroffenen Kinder. Dabei war ihre Situation schon vor Ausbruch des Virus schwierig genug.

Im November 2014, als wir Medikamente, Essen und Hygieneartikel in die Rockhill Gemeinde in Paynesville brachten, fanden wir zwei Haushalte vor, in denen nur noch zwei Kinder lebten – ihre Eltern waren erkrankt und zur Behandlung in eine Ebola-Station (ETU Ebola Treatment Unit) gebracht worden. Um diese Kinder während der Quarantänezeit zu beaufsichtigen, traf unser Team verschiedene Vorkehrungen. Zum Beispiel verabredeten wir regelmäßige Telefonate und stellten so sicher, dass es ihnen gut geht.

Ebola: Viele Menschen starben und ließen ihre Kinder zurück

Im Laufe der letzten Monate sind viele Leute an Ebola gestorben. Einige von ihnen haben Kinder zurückgelassen. Um diese Lücke zu schließen, hat das Gesundheitsministerium zusammen mit anderen Partnern das Konzept der Übergangsheime (ICC Interim Care Center) entwickelt. Sie gewähren Ebola-Waisen und unbeaufsichtigten Kindern Schutz, während ihre Eltern in Behandlungszentren versorgt werden.

Das Ebola-Schutz-Team von medica mondiale Liberia hat zwei Übergangsheime besucht und Spielsachen, Schulmaterialien, Kleidung und kleine Geschenke verteilt. Sie sollen den Kindern ein „Zuhause-Gefühl“ vermitteln. Vor der Verteilung meinte eine unserer freiwilligen Helferinnen: „Aber wir müssen auch den Kindern etwas geben, die besonders betroffen sind ...manche haben keine Mutter, keinen Vater mehr.“ Und Yah Parwon, Leiterin des Ebola-Schutz-Teams, ergänzte: „Wenn ich mir den Gesichtsausdruck dieser Kinder anschaue, kann ich nur sagen: Wir sind froh darüber, den Kindern, deren Eltern und nahe Verwandte nicht bei ihnen sein können, ein Lächeln auf die Gesichter zu zaubern.“

Bei der Gelegenheit konnten wir noch mehr Kinder ausfindig machen, die Hilfe brauchen. Ich fühle mich an die Worte des verstorbenen Nelson Mandela erinnert: „Die Seele einer Gesellschaft offenbart sich nirgendwo deutlicher als in der Art und Weise, wie sie mit ihren Kindern umgeht.“ Mögen wir alle durch diese Worte daran erinnert werden, alles für das Wohl dieser Kinder zu tun.

 

 

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Montag, 26. Januar 2015

Sicher zurück zur Schule: Die Schulen sollen im Februar "frei von Ebola" geöffnet werden

Jetzt steht das Datum fest, die Schulen sollen Anfang Februar geöffnet werden, so hat es die Regierung verkündet. „Wir müssen etwas tun“, sagt Yah Parwon, die Leiterin des Ebola-Schutz-Teams von medica mondiale Liberia in Monrovia.

Unsere Ebola-Aufklärungskampagne „Sicher zurück zur Schule“ zielt darauf ab, die Regierung in ihren Bemühungen zu unterstützen, die Schulen frei von Ebola zu halten. Das Maßnahmen-Protokoll „Sichere Schulumgebung in Liberia“ des Bildungsministeriums sieht vor, dass bestimmte Vorkehrungen vor den Schuleröffnungen und im laufenden Schulbetrieb getroffen werden müssen, um die Verbreitung von Ebola zu verhindern. Diese Maßnahmen umfassen unter anderem Temperaturmessungen, das Aufstellen von Handwaschstationen und die Einrichtung von Ebola-Schulausschüssen.

medica mondiale Liberia Stichproben: In über 75% der untersuchten Schulen fehlen Materialien, um die Verbreitung von Ebola zu verhindern

Nachdem wir das Protokoll besprochen hatten, begannen wir mit der professionellen Einschätzung von einigen Schulen in der Nähe unseres Büros. Im Verlauf der letzten Woche wurden zwölf Schulen bewertet. Alarmierend ist, dass der Beurteilungsbericht gezeigt hat, dass in über 75% der Schulen grundlegende Kontrollen und Material zur Vorbeugung fehlt, wie zum Beispiel Thermometer, Eimer zum Händewaschen und Sanitätsmaterial.

Initiative von medica mondiale Liberia: Schulpersonal begrüßt es, in Präventionsmaßnahmen ausgebildet zu werden

Zur Beseitigung einiger der Probleme startete unser Ebola-Schutz-Team eine Initiative, um den Schulen benötigtes Material für die Ebola-Prävention zu liefern. Außerdem veranstalteten wir Trainings, um die Mitarbeitenden an den Schulen über das Protokoll, die Vorbeugung von Ebola, den Gebrauch von Thermometern und vieles mehr zu unterrichten. Die Pakete für die Schulen beinhalten Eimer, Chlorax, Chlor, Handseife, Thermometer und eine Kopie des Protokolls des Bildungsministeriums.

Direkt nach unserer ersten Schulung sagte ein Lehrer: „Das ist sehr gut und hilfreich. Wir sind jetzt dazu fähig, die Waschlösung für die Kinder vorzubereiten, wenn sie nächsten Monat kommen. Wir können sogar ihre Temperatur messen und kontrollieren.“. In einer anderen Schule, mit der wir zusammen arbeiteten, erklärte der Schulleiter: „Das Training kommt zur richtigen Zeit, so dass wir wissen, was wir tun müssen, wenn die Kinder wieder zurück in die Klassen kommen.“

Hoffentlich werden sie zurück zur Schule kommen und sicher sein.

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Mittwoch, 14. Januar 2015

Ebola-Krise: Den Zeitpunkt zur Wiedereröffnung der Schulen überdenken

Die Schulausbildung in Liberia war stark vom Bürgerkrieg beeinträchtigt und leidet weiterhin an geringer finanzieller Unterstützung durch den Staatshaushalt. Die gegenwärtige Gesundheitskrise hat den Bildungsbereich noch einmal getroffen.

Ein Elternteil sagt: “Seit mehr als 6 Monaten gehen unsere Kinder nicht zur Schule. Wir wollen zwar, dass sie wieder in die Schule gehen, sie sollen gleichzeitig aber auch in Sicherheit sein.”

Ende November 2014 verzeichnete Liberia einen erheblichen Rückgang der Ebola-Fälle und die Menschen fingen schon an zu feiern. Wir waren sehr bewegt davon, dass der Alptraum langsam aufhörte. Einige Wochen später im Dezember kamen wieder neue Fälle von Ebola auf. Gleich nach der Feierstimmung waren das keine guten Nachrichten. Ich denke, die Menschen waren erleichtert und fingen an, nicht mehr aufmerksam genug auf die Hygienevorschriften zu achten. Durch den Ausbruch von Ebola habe ich unter anderem Folgendes gelernt: Es ist nicht die Anzahl der Fälle, die zählt, sondern die Qualität der Versorgung und des Fallmanagements.

In der Schule breitet sich eine Erkältung wie ein Lauffeuer aus. Wie ist es dann mit Ebola?

Direkt nach den Senatswahlen im Dezember hat Präsidentin Sirleaf die Wiedereröffnung der Schulen angekündigt. Wir begrüßen die Ankündigung, jedoch nicht den Zeitpunkt. “Das ist eine gute Nachricht, eine wirklich gute Nachricht, aber wie sicher werden unsere Kinder sein?” fragt meine Mitarbeiterin. Wir machen uns wirklich Sorgen. Wir wissen, wie es mit Kindern in der Schule aussieht. Wenn sich beispielsweise ein Kind erkältet, breitet sich die Erkältung wie ein Lauffeuer aus. Ein anderes Elternteil erklärt: “Vom ersten Schultag an werden unsere Kinder herumspringen und ihre Freunde begrüßen, sich umarmen wegen der langen Zeit, die sie getrennt waren – getrennt durch Ebola. Wir sind uns über den Gesundheitszustand anderer Kinder nicht im Klaren. Wir können uns nicht sicher sein, dass unsere Kinder in der Schule gut aufgehoben sind.”

Obgleich wir Bildung für unsere Kinder wollen, bin ich gleichzeitig davon überzeugt, dass der Zeitpunkt zur Wiedereröffnung der Schulen auf den März/April 2015 verschoben werden sollte, vorzugsweise bis die Weltgesundheitsorganisation Liberia offiziell frei von Ebola erklärt. In der Zwischenzeit müssen wir unsere ganze Aufmerksamkeit auf Ersatzaktivitäten für unsere Kinder richten.

 

 

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Freitag, 05. Dezember 2014

Wahlen in diesen Ebola-Krisenzeiten? Das macht mir Angst!

Wahlen sind gut, denn sie bieten den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihrem politischen Willen Ausdruck zu verleihen. Dennoch sollte die Sicherheit der WählerInnen für den Staat an erster Stelle stehen. In meinen Augen ist dies nicht für die Wahl am 16. Dezember, bei der 15 Senatoren gewählt werden sollen, gegeben. Die Entscheidung, diese Wahl abzuhalten, bringt 3,4 Millionen Menschen in Gefahr.

Im Vorfeld wurde viel debattiert: Ist es legal diese Wahlen abzuhalten? PolitikerInnen werden mit einem schnellen "Ja" antworten, während rational denkende Menschen "Nein" sagen würden. Was würde passieren, wenn wir diese 15 Senatoren nicht genau jetzt wählten? Würden die Regierungsgeschäfte und -strukturen kollabieren? Gibt es die Möglichkeit, eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zu ersuchen, die eine Verschiebung der Wahlen erlauben würde? Dann hätten wir Zeit, die Gesundheitskrise in unserem Land in den Griff zu bekommen.

Liberianische Präsidentin Sirleaf: Wahlen dürfen nicht zu Wiederanstieg der Ebola-Infektionen führen

Am 19. November erklärte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf in ihrer Rede an das Volk: "Diese Wahlen sind wichtig, sie werden aber unter sehr schwierigen Umständen stattfinden. Noch immer existiert das tödliche Ebola Virus in unserem Land und bei unseren Nachbarn in Guinea und Sierra Leone. Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass die politischen Aktivitäten während des Wahlkampfs und der Wahlen nicht zu einem Wiederanstieg der Ebola-Infektionen führen." Woher kommt dann der Druck, die Wahlen auszurichten, wenn die Situation sich noch nicht endgültig verbessert hat?

Wahlkampf = Umarmungen, Schweiß, Hitze = Ebola-Gefahr

Als die wichtigste Oppositionspartei ihre Kampagne startete, bekamen einige Leute Bedenken: So viele Umarmungen, Schweiß, die Hitze. Alles gefährlich, wenn es um die Vermeidung von Ebola-Infektionen geht. Ich bete dafür, dass die Weltgesundheitsorganisation schon bald erklären wird, dass wir im Moment diese Wahlen nicht abhalten können. Wir benötigen eine Regierung, die sich für die Gesundheit ihrer BürgerInnen einsetzt. Die uns Ressourcen, Möglichkeiten und genug Zeit gibt, um uns von diesem Albtraum zu erholen und unsere Herzen zu heilen.

 

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Montag, 01. Dezember 2014

Treffen in Monrovia mit Walter Lindner, Ebola-Sonderbeauftragter der deutschen Bundesregierung

Vor etwa zwei Wochen erhielt ich eine E-Mail von der medica mondiale-Geschäftsstelle in Köln. Darin wurde der Besuch Walter Lindners in der deutschen Botschaft in Liberia angekündigt. Er ist Sonderbeauftragter der deutschen Regierung im Kampf gegen die Ebola-Epidemie und will sich auch mit uns treffen. Wir freuen uns sehr und sind gespannt auf diese Begegnung.

Seinen Worten treubleibend trifft er sich am letzten Tag seines Liberia-Aufenthalts mit uns. Es ist ein Termin am frühen Morgen und wir wollen nicht zu spät kommen. Als wir das Büro erreichen, ist sein Auto direkt hinter uns. Nachdem wir uns vorgestellt haben, präsentieren wir die Punkte von denen wir denken, dass sie in der aktuellen Situation in Liberia am wichtigsten sind.

Austausch über die Ebola-Krise und die Gesundheitssituation in Liberia

Ein Kernaspekt ist die langfristige Unterstützung, die generell für die Entwicklung des Gesundheitssystems in Liberia und speziell für die Frauengesundheit benötigt wird. Ich erläutere ihm: „Stellen Sie sich vor, wir haben in Zentral-Liberia nur eine öffentliche Einrichtung, die auf Frauengesundheit spezialisiert ist. Sie ist vier Stunden Autofahrt von der Hauptstadt entfernt und viele Menschen können sich den Luxus nicht leisten, für Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen ins Ausland zu fliegen. Unser Gesundheitssystem muss generalüberholt werden.“

Meiner Meinung nach zeigt der Ebola-Virus nur die Probleme dieses Landes auf – von Gesundheit über Bildung bis hin zu schlechten sanitären Anlagen – es ist einfach nur schrecklich.

Der zweite Aspekt, auf den wir hinweisen, ist das Bildungssystem. Ein Hauptgrund, warum es Zweifel und Mythen über den Ebola-Virus gibt, ist der niedrige Bildungsstand. Botschafter Lindner zeigte sich sehr beeindruckt und stellte Fragen über unsere Arbeit. Er betonte Deutschlands Interesse daran, Liberia zu unterstützen.

Wir hoffen, dass Liberia durch die Ebola-Krise einige Dinge verändern kann. Es gibt so viel Unterstützung. Dies ist eine weitere Chance für Liberia. Ich hoffe, wir können das Beste daraus machen.

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Mittwoch, 26. November 2014

Ebola-Überlebende: Zuerst kämpfen wir um unser Leben, dann gegen die Stigmatisierung

Mein Telefon klingelt. Es ist der Direktor von ELWA II, einer Ebola Behandlungseinrichtung in Monrovia. „Ach“, sagt er, „wir haben gute Neuigkeiten. Heute entlassen wir elf Ebola-Überlebende und würden uns freuen, wenn dein Team dabei ist, denn ihr habt die Einrichtung mit Medikamenten und anderem Zubehör unterstützt.“

Seit dem Ebola-Ausbruch in Liberia schwankt die Sterblichkeitsrate meist zwischen 50 und 60 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg um 10 Prozent im Vergleich zu früheren Ausbrüchen der Krankheit. Werden Erkrankte behandelt und als geheilt entlassen, ist eine der Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert werden, die Stigmatisierung. Eine der Überlebenden erklärt: „Zuerst müssen wir um unser Leben kämpfen, das Trauma und die Angst vor dem Tod aushalten. Und jetzt müssen wir uns damit auseinandersetzen, ob wir von unseren Gemeinschaften akzeptiert werden. Das ist zu viel für uns.“

Vor drei Wochen, während unserer Exkursion in den Südwesten von Liberia, stießen wir auf eine Überlebende im Einzugsgebiet von River Gee. Tetee ist glücklich, dass sie die Krankheit überlebt hat, benötigt aber weitere Unterstützung. Momentan lebt sie wieder in ihrer Dorfgemeinschaft in Kanweaken, River Gee. Dort steht ihr das Team von medica mondiale Liberia zur Seite und betreut sie psychologisch.

 

Ebola-Überlebende: Es ist ein Wunder, am Leben zu sein!

Gestern nahm eine unserer Mitarbeiterinnen an der Entlassungsfeier der ELWA Ebola Behandlungseinrichtung teil. Drei Frauen, zwei Mädchen und sechs Männer verließen geheilt die Station. Es war eine berührende Szene, als sie vor den Eingang traten und ihre Familien und Freunde trafen, die gekommen waren, um sie zu empfangen. Was für ein Wunder, am Leben zu sein! Diese Einrichtung steht inzwischen so viel besser da als noch vor ein paar Wochen. Keine kranken Menschen warten mehr vergebens davor, um aufgenommen zu werden. Unser letzter Besuch war ein schreckliches Schauspiel: Zwei Frauen kamen in einem Taxi an und es gab keinen Platz, um sie aufzunehmen. Wir weinten, konnten aber keine Hilfe anbieten. Wir fühlten uns hilflos.

Emily Frank, unsere Kontroll- und Evalutionsbeauftragte, sprach zu den Überlebenden und ermutigte sie. Beraterinnen von medica mondiale werden ihre Arbeit mit ihnen fortführen und sie mit Solidaritätspaketen versorgen.

 

Die Überlebenden* sprechen:

Tamba: „Ich bin den MitarbeiterInnen des Krankenhauses sehr dankbar. Sie haben unermüdlich gearbeitet um sicherzustellen, dass wir uns von der Krankheit erholen.“

John: „Ich bin den Ärzten, die sich um uns gekümmert haben, und Gott, der uns geholfen hat, sehr dankbar. Ich bin glücklich, in die Gesellschaft zurückkehren zu können.“

Mary: „Zuallererst bin ich Gott dankbar, dass er uns gerettet hat. Auch den Ärzten bin ich dankbar, sie haben gut gearbeitet.“

*Namen geändert

Kontinuierliche Bildung und Aufklärung zentraler Teile der Gesellschaft sind notwendig, um die Stigmatisierung dieser Menschen zu beenden. 

 

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Freitag, 14. November 2014

Liberia: Frauen tragen die Hauptlast der derzeitigen Gesundheitssituation in der Ebola-Krise

 

Vor zwei Monaten wurde eine Frau vom Benson Krankenhaus für eine Operation, zu der ihr der Arzt riet, aufgrund von Geldmangel abgelehnt (400,00 US Dollar). Als sie nicht bezahlen konnte, wurde sie aus dem Krankenhaus gewiesen und gebar ihr Kind ein paar Häuserblocks vom Krankenhaus entfernt. Diese Geschichte produzierte große Schlagzeilen, aber es wurde nichts unternommen, um speziell die gesundheitliche Versorgung von Frauen während der Krise zu verbessern. Zur gleichen Zeit hörten wir, dass es in River Gee in den letzten zwei Wochen ähnliche Geschichten von Frauen gab, die auf der Straße ihre Kinder gebaren, weil Gesundheitszentren geschlossen waren.

Ein Kind gebären während der Ebola-Krise in Liberia: ein Kampf ums Leben

Als wir heute Morgen gegen 8 Uhr zur Arbeit fuhren, sahen wir eine Gruppe von Frauen mit ausgebreiteten Lappas (Anm. d. Red.: traditionelle Wickelröcke in Westafrika). Es sah aus, als würden sie etwas verdecken. Aus Neugierde hielten wir an und liefen hin um herauszufinden, was dort passierte. Bevor wir sehr nah an die Szene kamen, schwirrte mir der Kopf. Ich wusste, was dort geschah, als ich das "Schutzschild" sah, dass die Frauen mit ihren Händen und Lappas bildeten.

Oh nein, eine Frau lag auf der Wiese eines kleinen Parks und gebar ein Kind, ein paar Blöcke vom Ministerium für Gesundheit und soziale Wohlfahrt entfernt. Eine Hebamme mit Handschuhen und einem Rasiermesser war dabei. Diese Sachen waren die einzigen Werkzeuge, die sie zur Hand hatte. "Es geschah so schnell, ich packte einfach das Nötigste und rannte los, um dieser Frau zu helfen.", sagte sie. Die Nebenstehenden schauten zu, während die Frau um ihr Leben kämpfte. Mary hatte ihr Baby auf der mit Ameisen übersäten Wiese verloren - aber sie war am Leben. Es war eine Mitleid erregende Szene.

"Die medizinische Notfallversorgung ist sehr kritisch während dieser Zeit."

"Keine Frau sollte das in diesem modernen Zeitalter erleben." Ich war entsetzt über die Szene, sie machte mich krank und verwirrt. "Die medizinische Notfallversorgung für Frauen ist sehr kritisch während dieser Zeit.", sagte Korto Reeves Williams von Action Aid Liberia, als ich ihr die Geschichte am Telefon mitteilte.

Als der Ehemann der Frau ankommt, schaut er sehr verwirrt und besorgt. Wir besprechen uns mit ihm und beschließen, sie sofort in unser Auto zu tragen und Women Hope International anzurufen, die einzige private Frauenklinik in Liberia, geführt von Dr. Wilhelmina Jallah. Mittlerweile ist die Frau dort in Behandlung und uns wurde gesagt, dass sie darauf anspricht. Langsam sagt sie: "Ich kenne keine der Frauen die mir heute geholfen haben, auch nicht die Hebamme, aber ich bin ihr und den anderen Frauen, die mich bedeckt und mein Leben gerettet haben, dankbar. Ich danke auch den Frauen von medica mondiale, die gekommen sind, um mich zu retten." Dies ist Realität für viele Frauen. Wenn das in der Hauptstadt passiert, ist es nicht auszudenken, was in den ländlichen Gebieten mit begrenzter Gesundheitsversorgung geschieht.

Women Hope International Care Center - Hoffnung für Frauen während und nach Ebola

Vor ein paar Wochen haben wir von medica mondiale Liberia diese Art von Problemen, die die Frauen treffen könnten, schon kommen sehen und initiierten ein Treffen mit Dr. Jallah. Vor zwei Wochen erhielten wir die gute Neuigkeit von der medica mondiale Geschäftsstelle in Köln, dass finanzielle Mittel an dieses Frauenkrankenhaus gehen werden, um die vorhandenen Lücken zu füllen. Diese Neuigkeit beruhigt mich, etwas Hilfe kommt, es gibt die Hoffnung, dass mehr kommen kann. Langfristige Unterstützung für die Gesundheit von Frauen ist entscheidend für die Entwicklung des Landes, während und nach Ebola.

 

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Freitag, 07. November 2014

Kampf gegen Ebola: Besuch der abgelegenen Region Sinoe

Der Ebolavirus wütet in Monrovia und macht vor dem abgelegenen Südosten Liberias keineswegs Halt. medica mondiale Liberia ist seit 2006 in drei der fünf Regionen in Liberia tätig. Seit uns die Nachricht von ersten Ebola-Fällen in unserer Projektregion erreicht hat, sind wir sehr besorgt um diese Gegenden, deren Zufahrtsstraßen nur schwer zugänglich sind. Ich frage mich, wie unter diesen Umständen die Hilfsgüter die Ortschaften dort erreichen oder Blutproben für Tests nach Monrovia gelangen sollen?

Wir entschieden uns für eine Reise in die Provinz, um uns einen Überblick über die Lage vor Ort zu verschaffen und um über unsere derzeitigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie zu informieren. Ich begann meine Reise am 24. Oktober, begleitet von meinen beiden Kolleginnen Alice und Emily. Vor unserer Abreise waren unsere Familien sehr besorgt um unsere Sicherheit. Aber wir konnten sie beruhigen und die Reise beginnen.

Eine lange Reise mit unwegsamen Straßen und vielen Ebola-Kontrollpunkten

Wir wussten, dass der Trip von Monrovia über Buchanan ein langer werden würde, also hatten wir uns gut mit Essen, Medizin und Wasser eingedeckt. Oh, wie gut tat das frische Kokosnusswasser unterwegs! Auf der Fahrt über die schlechten Straßen wurden wir regelmäßig an „Ebola Kontrollpunkten“ angehalten, um unsere Körpertemperatur messen zu lassen und die Hände zu waschen. Es müssen fast 20 Straßensperren gewesen sein zwischen Monrovia und Greenville [Anm. d. Red.: Hauptstadt von Sinoe]. Mir gefiel, wie ernst diese Kontrollen genommen wurden. Kein Auto durfte passieren ohne sich der Kontrolle zu unterziehen.

Angekommen in Sinoe trafen wir uns mit dem County Health Team [Anm. d. Red.: Ein Zusammenschluss von Zuständigen aus verschiedenen Krankenstationen, das momentan in Zusammenarbeit mit der Regierung und WHO die Aktivitäten vor Ort koordiniert], um die Situation besser verstehen zu können und mit unserer Arbeit anzuknüpfen. Dr. Wilmot Frank, der Leiter des Teams sagte uns, dass er froh über unseren Besuch sei und dass medica mondiale Liberia eine der wenigen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) sei, die sie vor Ort in dieser Krisenzeit unterstützt hätten.

Umgehende Hilfe, spürbare Dankbarkeit

Danach besuchten wir ein Haus in einer Dorfgemeinschaft, das schon seit ein paar Tagen unter Quarantäne stand, aber nicht mit Lebensmitteln versorgt wurde. Wir reagierten sofort und organisierten Essen und Medikamente für die Bewohner. Ein Nachbar, der für die Familie sprach, sagte, „das Dorf ist sehr glücklich darüber, dass das medica mondiale Liberia Team den weiten Weg gekommen ist, um uns zu unterstützen.“ Tatsächlich hätten sie Angst gehabt, NGOs über Ebola-Infizierte in der Gemeinschaft zu informieren, da man fürchtete, es könne die Organisationen von Besuchen abschrecken. Durch medica mondiale Liberias Unterstützung haben sie nun verstanden, dass sie sich mit diesem Verhalten eher selbst geschadet haben. Diese Dorfgemeinschaft hat ihre Meinung dazu, wie NGOs in dieser Krise helfen können, sicher geändert.


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Montag, 20. Oktober 2014

Einen weiteren Tag überleben

Schon vor der Morgendämmerung bin ich hellwach und kann nicht mehr schlafen. Ich gehe im Kopf die Ereignisse des vorherigen Tages durch, die Berichte, die Anrufe von Freunden und wie der Virus sie und ihre Familien beeinflusst. Zur selben Zeit denke ich daran, was der neue Tag bringen wird. Ich hoffe, dass es positive Entwicklungen in der Krise gibt. Es ist schwer für mich, all die Erfahrungen des letzten Tages zu verarbeiten, während ich versuche, den Eilmeldungen von CNN, BBC, Al Jazeera und Sky News zuzuhören. Manchmal ist es seltsam sich durch die verschiedenen Kanäle zu klicken um zu sehen, welcher Sender die "größten Schlagzeilen" hat. Manchmal gibt es mehr, manchmal weniger Neuigkeiten. Doch zu viel um meinen Tag damit zu beginnen, ich konzentriere mich auf etwas anderes. Zeit, sich für die Arbeit fertig zu machen.

Ebola dominiert alles: Kleidung, Frühstück, Anrufe

Ich muss mir bewusst Gedanken über meine Kleidung machen. Darüber, dass mein Körper und meine Füße bedeckt sein müssen. Dann ist Frühstückszeit. Während des Anrichtens erinnere ich mich an den Gesundheitsvortrag eines Doktors während der Ebola-Besprechung, die täglich stattfindet. "Essen Sie gesund, um ihr Immunsystem möglichst fit zu halten". Ich nehme mir mehr Obst als normalerweise und nenne es "das Ebola-Frühstück". Es ist nicht das, was ich sonst esse. Danach ist es Zeit loszugehen.

Charlotte, unsere Fahrerin, kommt, um uns zur Arbeit zu bringen. Während der Fahrt unterhalten wir uns über die Nachrichten und Geschichten aus der Nachbarschaft. Die tägliche Routine beginnt: Familien und Freunde werden angerufen, um herauszufinden, ob es ihnen gut geht und um sie daran zu erinnern, dass sie sich an die Gesundheitsvorschriften halten sollen. Manchmal wird über einen Verlust berichtet. Wir trauern und fühlen am Telefon mit. Es ist ein nüchterner Prozess, ohne Herzlichkeit. Es ist nicht leicht.

Als wir unsere Arbeitsstelle erreicht haben, müssen wir uns zuerst die Hände am Eingang waschen. Das ist mittlerweile ein festes Ritual wenn man Büros, Wohnungen und Geschäfte betritt. Während ich meine Arbeitsaufgaben erledige, folgen wir den Berichten auf sozialen Netzwerken, in Zeitungen und anderen Quellen um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Ich tue, was ich während eines Tages tun kann.

Der Tag ist vorbei. Wir warten auf den nächsten. "Wir leben nicht mehr, wir überleben.", sagt ein Freund.