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18. November 2010

Kritischer Blick auf UN-Resolution 1325

„Krisen bewältigen – Bewaffnete Konflikte beenden“ – unter diesem Titel fand in Berlin auf Einladung des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung Ende Oktober eine Konferenz zur UN-Resolution 1325 statt. Anlass war der 10. Jahrestag der Verabschiedung der Resolution, die alle Mitgliedsstaaten und die internationale Gemeinschaft verpflichtet, sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen bei Prävention, Bewältigung und Beilegung von Konflikten einzusetzen. FriedensaktivistInnen und WissenschaftlerInnen aus allen Kontinenten kamen zusammen, um Bilanz zu ziehen und einen kritischen Blick auf die Umsetzung der Resolution zu werfen.

Zu den Gästen zählte neben der Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser, auch der renommierte britische Militärsoziologe Paul Higate. Er war einer der ersten Wissenschaftler, die sexuelles Fehlverhalten von UN-Blauhelmeinsoldaten in der Demokratischen Republik Kongo aufdeckten. Vor mehr als hundert TeilnehmerInnen der Konferenz durchleuchteten Paul Higate und Monika Hauser die Verflechtungen zwischen militärischer Männlichkeit und der Gewalt gegen Frauen. Auch aktuelle Männlichkeitsforschungen nahmen sie unter die Lupe. Monika Hauser unterstrich: „Das Ziel der Männerforschung muss sein, Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Sie muss auf die Reduzierung der Gewalt abzielen.“ Diese Einschätzung war im Sinne der Veranstalterinnen, die Friedenspotenziale von Frauen und Männern differenziert betrachten wollten.

Eingeladen war mit der Liberianerin Rebecca Stubblefield auch eine Expertin, die von der praktischen Umsetzung der UN-Resolution in einem Nachkriegsland berichten konnte. In ihrer Funktion als Projektmanagerin von medica mondiale in Liberia betonte sie:: „Die UN-Resolution 1325 ist ein Instrument im Kampf gegen die Gewalt an Frauen. In Liberia hat vor allem das Gender-Ministerium viel für die Umsetzung der Resolution getan. medica mondiale führt unter anderem regelmäßig Bewusstseins- und Aufklärungskampagnen und gezielte Bildungsprogramme für Frauen in abgelegenen Provinzen durch.“

Während der Konferenz fanden parallele Arbeitsgruppen zur Umsetzung der Resolution 1325 in Afghanistan, im Kaukasus, Israel/Palästina und im Irak statt. Couragierte Friedensaktivistinnen aus diesen Regionen illustrierten, wie mühsam ihre politische Lobbyarbeit für die Situationsverbesserung von Frauen ist. Sie kritisierten RegierungsvertreterInnen, die ihre Versprechen und Absichtserklärungen nicht einhalten. Insbesondere mit Blick auf Afghanistan verlangten etliche Konferenzteilnehmerinnen, die internationale Gemeinschaft sollte massiveren Druck auf die dortige Regierung ausüben.

Die komplexe Situation in Israel und Palästina schilderten die Frauenrechtlerinnen Anat Saragusti und Zahira Kamal. Anat Saragusti stellte fest: „Zwar hat die israelische Regierung die Resolution 1325 in die nationale Gesetzgebung integriert, es hapert jedoch an der Umsetzung.“ Skeptisch beurteilt sie die viel gepriesenen Frauenquoten: „Die politischen Entscheidungsträger sind frühere Generäle, deshalb verändert die größere Repräsentation von Frauen nichts.“ Wie sehr weibliche Handlungsspielräume durch die politischen Rahmenbedingungen in Konfliktgebieten geprägt sind, veranschaulichte auch Zahira Kamal: „Die Alltagsprobleme der palästinensischen Frauen können nicht ohne die israelische Politik, die Behinderungen durch die Grenzposten und den Mauerbau verstanden werden“.

Das Fazit vieler KonferenzteilnehmerInnen lautete, es sei wichtig, regionale und nationale Besonderheiten zu beachten. „für die Bundesregierung bedeutet das, endlich einen nationalen Aktionsplan zur UN-Resolution 1325 zu verabschieden“, verlangte Gitti Hentschel vom Gunda-Werner-Institut, die diese Konferenz geplant hatte. Das zehnjährige Jubiläum der UN-Resolution 1325 bot also einen Anlass, die Dringlichkeit gezielter politischer Forderungen zu unterstreichen. Nur mit politischem Willen können Frauen vor Gewalt geschützt und in Friedensprozessen gestärkt werden.

Mehr zur Konferenz finden Sie hier