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12. März 2015

Kosovo: Medica Gjakova fordert trauma-sensibles Antragsverfahren für staatliche Entschädigung

Bereits im Jahr 2014 hat die kosovarische Regierung im Krieg vergewaltigte Frauen und Mädchen per Gesetz als zivile Kriegsopfer anerkannt. Sie sollen eine entsprechende Rente sowie weitere Unterstützungsangebote erhalten. Der Kosovo ist nach Bosnien und Herzegowina (BuH) das zweite Land weltweit, das Überlebenden einen Kriegsversehrtenstatus zuspricht. Am 18. Februar 2015 trafen sich Mitarbeiterinnen von medica mondiale und Medica Gjakova mit Präsidentin Atifete Jahjaga in Priština, um über die konkrete Anwendung des Gesetzes zu sprechen.

Viele von sexualisierter Kriegsgewalt betroffene Frauen leben im Kosovo auch heute in prekären Verhältnissen. Sie sind aufgrund ihrer Gewalterfahrung gesundheitlich stark beeinträchtigt, leiden unter Armut und werden gesellschaftlich stigmatisiert. Die gesetzlicheAnerkennung Überlebender sexualisierter Kriegsgewalt als zivile Kriegsopfer ist daher ein wichtiges politisches Signal. Diese offizielle Anerkennung kann dazu beitragen, die Lebenssituation von Frauen zu verbessern. Seit Kurzem wird das Gesetz in konkrete gesetzliche Bestimmungen ausformuliert, so dass zeitnah die Anwendung erfolgen kann.

Die Antragsstellung für den Status „ziviles Kriegsopfer“: trauma-sensibel und ohne bürokratische Hürden!

Die Erfahrungen aus BuH zeigen, dass komplizierte und entwürdigende Verfahren der Antragstellung viele Überlebende abschrecken, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen. Laut Zahlen aus dem zuständigen Ministerium haben in BuH bis 2013 nur 779 Überlebende den Status „ziviles Kriegsopfer“ erhalten. Ein Erfolg aus dem letzten Jahr ist, dass nun auch Medica Zenica befugt ist, den zivilen Kriegsopferstatus zu zertifizieren. Das heißt ein trauma-sensibler Ablauf der Zertifizierung ist gewährleistet, die Hürde den Status zu beantragen ein wenig geringer. Überlebende berichten jedoch, dass sie gegenüber den zuständigen Auszahlungsbehörden jährlich ein medizinisches Gutachten über sich ergehen lassen müssen, um den Status tatsächlich zu behalten. Dies wird ohne gesetzliche Grundlage praktiziert. Es gibt also in der Praxis noch einiges nachzubessern und im Kosovo von Beginn an besser zu machen. Zu diesem Zweck fand kürzlich in Albanien ein Austauschtreffen zwischen bosnischen und kosovarischen AkteurInnen statt, die mit der Umsetzung des Gesetzes betraut sind, darunter auch Medica Zenica und Medica Gjakova.

Präsidentin Atifete Jahjaga unterstützt die Forderungen von medica mondiale und Medica Gjakova

Im Gespräch mit Präsidentin Jahjaga wurde diskutiert, wie zum Beispiel innerhalb des Verfahrens die Identität von Überlebenden geschützt und eine Retraumatisierung verhindert werden kann. Jahjaga begrüßt die Forderungen von medica mondiale und Medica Gjakova, dass das Antragsverfahren trauma-sensibel ablaufen soll und dabei die Würde der Frauen gewahrt bleibt. „Wir freuen uns außerordentlich, dass Präsidentin Jahjaga ihre volle Unterstützung zugesichert hat“, so Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale. Ein von Präsidentin Jahjaga im Jahr 2014 eingerichteter Nationaler Rat koordiniert die praktische Umsetzung des Gesetzes. Neben staatlichen Institutionen und VertreterInnen internationaler Organisationen ist auch Medica Gjakova im Rat vertreten. Mirlinda Sada, Direktorin von Medica Gjakova, erläutert: „Es geht jetzt darum, gemeinsam die psychosoziale Unterstützung und medizinische Versorgung, den Zugang zu trauma-sensibler Rechtsberatung sowie die wirtschaftliche Lage von Frauen zu verbessern.“