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29. April 2016

Irak: Frauenzentrum in Halabja stärkt geflüchtete Frauen – unterstützt von medica mondiale

Vor dem Krieg in Syrien und den Angriffen der Terrormiliz "Islamischer Staat" haben seit 2014 mehr als 1,2 Millionen Syrerinnen und irakische Binnenvertriebene Zuflucht in der Autonomen Region Kurdistan gefunden. Viele der geflüchteten Frauen und Mädchen haben sexuelle Gewalt erlebt und sind weiter von Gewalt bedroht. Im kurdischen Halabja, nahe der iranischen Grenze, setzt sich die Organisation NWE (Organization for Environmental Protection and Defense of Women’s' Rights) für die geflüchteten Frauen ein. medica mondiale fördert dieses Engagement seit Dezember 2015.

Schutz, Ruhe und Austausch für syrische und irakische Frauen auf der Flucht vor Gewalt

NWE betreibt in Halabja ein großes Frauenzentrum und bietet Frauen damit einen Ort, an dem sie sich treffen, miteinander sprechen und den Tag verbringen können. Für viele Frauen, die sich sonst mit ihren Kindern ausschließlich zuhause aufhalten, ist allein das eine große Unterstützung. Zudem werden im Frauenzentrum medizinische Behandlung, psycho-soziale Beratung, Traumatherapie und Bildung angeboten. In geschützten Gruppen, die von einer Psychologin geleitet werden, haben Frauen die Möglichkeit, über erfahrene Gewalt zu sprechen. Da sexualisierte Gewalt tabuisiert ist, können die Frauen sich sonst kaum jemandem anvertrauen. Bildungsangebote wie Nähkurse, Englischunterricht und Computer-Training schenken den Frauen Selbstvertrauen und unterstützen sie darin, selbständig zu leben.

Geflüchtete helfen Geflohenen: Die selbst erlebte Gewalt ermöglicht Empathie

Einige Fachfrauen, die sich im Frauenzentrum von Halabja engagieren, haben eigene Erfahrungen als Geflüchtete. Am 16. März 1988, während des Krieges zwischen dem Iran und dem Irak, wurde ihre Stadt von Saddam Husseins Armee mit chemischen Waffen bombardiert. 3000 bis 5000 Menschen starben, über 7000 Menschen wurden verletzt. Die überlebenden BewohnerInnen flohen vor dem Giftgas. Erst nach Jahren konnten sie in ihre Stadt zurückkehren. Anfang der 90er Jahre wurde das Frauenzentrum in Halabja gegründet, um die zurückkehrenden Frauen langfristig zu stärken. Das Ziel war die Verbesserung der sozialen und ökonomischen Situation sowie der Bildungsmöglichkeiten von Frauen. Die Bewohnerinnen von Halabja hatten dadurch die Chance, ihre Erfahrungen zu verarbeiten und ein neues Leben aufzubauen.

medica mondiale ermöglicht Ausbau des Angebots an Beratung und Unterstützung für Frauen und Mädchen

Durch die Förderung von medica mondiale kann die kurdische Organisation NWE ihre Angebote ausweiten. Neben Rückkehrerinnen und ortsansässigen Frauen können dadurch auch viele nach Halabja geflüchtete Frauen und Mädchen unterstützt werden. Traumatherapie, gynäkologische Beratung, Selbsthilfegruppen, Nähkurse und die Sensibilisierung für Frauenrechte werden ermöglicht. medica mondiale möchte durch die Förderung von NWE und anderer Frauenorganisationen die Unterstützungsangebote für Frauen und Mädchen in der Region Syrien/Irak langfristig und nachhaltig stärken und verbessern.