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20. Juni 2012

Interview: „Sich für Frauenrechte stark zu machen, wurde mir in die Wiege gelegt“

Mit Vorfreude besuchte die Ghanaerin Joana Foster vor wenigen Wochen das Büro von medica mondiale in Köln. Die erfahrene Frauenrechtsexpertin ist seit Anfang 2012 die Landesdirektorin von medica mondiale Liberia. Während ihres Aufenthalts in Deutschland erzählte sie von ihren Erfahrungen, Vorstellungen und Zielen.

Welche Stationen waren in Ihrem Leben für Sie wichtig?

Bereits als 17-Jährige war ich in der englischen Frauenbewegung aktiv. Vor allem ging es um die Gleichberechtigung bei den Gehaltszahlungen an Frauen und Männern in gleichen Positionen. Sich für Frauenrechte stark zu machen, wurde mir in die Wiege gelegt; meine Mutter war in Ghana in der Menschenrechtsbewegung sehr aktiv.

Als junge Frau war ich dann als Anwältin in England tätig. Schon in frühen Jahren habe ich Frauenorganisationen in rechtlichen Fragen beraten. Danach ging ich zurück nach Ghana und begann in den frühen 1990er Jahren für Menschenrechtsorganisationen in Ghana zu arbeiten, 1996 dann das erste Mal für eine Frauenorganisation als Geschäftsführerin der Organisation Women in Law and Development in Africa. Diese Organisation ist keine ausdrücklich feministische Organisation, aber ich sah mein Engagement dort als Feministin. Und ich stellte klar, dass feministische Theorien ein Bestandteil aller Aktivitäten sein sollten. Ich verließ die Organisation im Jahr 2000, um gemeinsam mit zwei Mitstreiterinnen den African Women's Development Fund zu gründen. Mit dem Fonds werden feministische Bewegungen unterstützt. Ich gehöre heute noch zum Vorstand dieses Fonds.

Von 2004 bis 2008 arbeitete ich als Genderberaterin der UN-Friedensmission in Liberia. Ich lernte die Gewalt in Liberia vor, während und nach dem Krieg kennen. Sexualisierte Gewalt gab und gibt es in allen dieser Phasen.

Seitdem arbeite ich häufig in beratender Funktion. Am Herzen liegt mir noch mein Engagement für eine Stiftung in Ghana. Wir übernehmen für Mädchen die Schulgebühren und geben ihnen finanzielle Unterstützung für ihren Lebensunterhalt. Im Moment werden jedes Jahr 25 Mädchen unterstützt. Eine Studie hat gezeigt, dass die Förderung von Mädchen anstelle von Jungen mehr Erfolge zeigt, wenn man die Armut in einer Familie reduzieren will. Wir unterstützen Mädchen, deren Eltern kein Geld haben oder die es bevorzugen, ihre Söhne zur Schule zu schicken.

Wie haben Sie medica mondiale kennengelernt?

Ich habe vor Ort in Liberia das erste Mal etwas von medica mondiale gehört. Als 2006 die Organisation begann, ihr Projekt im Südosten des Landes vorzubereiten, war klar, dass es schwierig war, in diese abgelegene Region zu gelangen. Ich hatte Kontakte in dieser Gegend und versuchte zu helfen, soweit es mir möglich war. Ich fand das wichtig, da medica mondiale sich für Frauen einsetzt und dort sonst niemand war. Keine Nichtregierungsorganisation (NRO) ging dort hin und für mich selbst war es mir in meiner damaligen Position als Genderberaterin für die UN nicht möglich. Somit war das einzige, was ich tun konnte, behilflich zu sein. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich selbst einmal für medica mondiale arbeiten werde.

Wie stellen Sie sich die Arbeit mit medica mondiale Liberia vor?

Vor allem freue ich mich darauf. Ich finde die Arbeit in Liberia sehr interessant, aufgrund der vielfältigen Aufgaben. Es muss mehr Menschenrechtsarbeit geleistet werden, damit es ein Teil des Denkens von jedem und jeder wird. Es ist auch wichtig zu wissen, was die Regierung in dieser Hinsicht tut und welche Pläne es seitens der lokalen Behörden gibt. Diese Arbeit ist ein sehr verantwortungsvoller Job. Ich hoffe, den Frauen in Liberia durch meine Kontakte in der Regierung und zu NRO helfen zu können und auch, dass das Projekt mit meiner Unterstützung in Zukunft unter liberianischer Verantwortung weiterlaufen kann.