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17. Februar 2015

Interview mit Angeles Martinez, Leiterin des medica mondiale Regionalbüros Burundi: „Ziel ist es, starke Allianzen zu gründen, um effektiver zu arbeiten.“

Angeles Martinez arbeitet seit 1993 in der Entwicklungsarbeit mit Schwerpunkt Frauenrechte. Ende Januar 2015 ist sie nach Bujumbara, der Hauptstadt Burundis, gereist, um dort ein Büro für medica mondiale einzurichten. Schon im März wird sie mit ihrer Arbeit beginnen. Sie wird Kontakt zu den Partnerorganisationen in Burundi, in der Demokratischen Republik Kongo und in Ruanda aufnehmen und neue Kontakte knüpfen.

Warum hat medica mondiale entschieden, ein Büro in Burundi zu eröffnen?

Wir möchten eine Basis haben, von der aus wir die Region und die Partnerorganisationen von medica mondiale in ihrer Arbeit gegen sexualisierte Gewalt besser unterstützen können. Burundi ist von Ländern umgeben, in denen wir uns engagieren und in denen der sexualisierten Gewalt etwas entgegengesetzt werden muss. Burundi liegt also zentral, ist jedoch gleichzeitig verhältnismäßig sicher.

Was motiviert Sie, diese Aufgabe zu übernehmen?

Meine persönlichen Beweggründe sind mein humanitärer und feministischer Hintergrund und meine Grundsätze. Und ganz sicher sind es auch meine bisherigen Erfahrungen mit medica mondiale. Die Visionen und Prinzipien von medica mondiale, die Basis ihrer Arbeit, stimmen mit meinen Prinzipien überein. Zudem ist es eine interessante Herausforderung, die Aktivitäten in verschiedenen Ländern zu koordinieren und dabei eine globale Vision zu haben: Eine Vision nicht nur für ein Land oder eine Region, sondern darüber hinaus. Vielleicht werde ich in einem zweiten Schritt fähig sein, die Mechanismen patriarchaler Motive für sexualisierte Gewalt besser zu analysieren. Davon könnte auch medica mondiale profitieren.

Welche Unterstützung wird den Partnerorganisationen in der Region der Großen Seen Afrikas durch das Büro ermöglicht?

Zunächst werden wir die Situation und die aktuellen Bedürfnisse der Partnerorganisationen in den Blick nehmen. Wir analysieren ihre Kompetenzen und Möglichkeiten. So können wir Wege finden, sie besser zu unterstützen. Wir wollen nach Möglichkeiten suchen, trauma-sensible Beratung, psychosoziale Begleitung und andere Angebote, die medica mondiale zur Unterstützung von Überlebenden sexualisierter Gewalt entwickelt hat, zu fördern. In einem späteren Schritt werden wir uns auch mit politischer Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen.

Sind Kooperationen mit anderen Organisationen geplant?

Wir möchten mit anderen AkteurInnen aus unserem Arbeitsfeld kooperieren, die verschiedenen Netzwerke und die existierenden Strukturen stärken. Ziel ist es, starke Allianzen zu gründen, um effektiver zu arbeiten. Unsere Arbeit ist keine improvisierte Einzelintervention, sondern baut auf dem auf, was vor Ort existiert.

Was wünschen Sie sich von unseren UnterstützerInnen und SpenderInnen?

Ich möchte ihnen einen Einblick in die allgemeine Situation in der Region der Großen Seen Afrikas bieten und in die besondere Situation von Frauen. Das Leben der Frauen ist geprägt von sexualisierter Gewalt und anderen geschlechtsspezifischen Aspekten. So können die UnterstützerInnen die Arbeit von medica mondiale und die Ziele in den unterschiedlichen Ländern der Region der Großen Seen besser verstehen. In den Medien wird darüber nicht mehr viel berichtet, daher ist es vielleicht schwer oder weniger naheliegend, die Bedürfnisse wahrzunehmen. Ich wünsche mir, dass die UnterstützerInnen sich in die Bedürfnisse der Frauen einfühlen können und die Region der Großen Seen Afrikas nicht vergessen. Denn es gibt dort einen andauernden Konflikt. Es ist noch viel Arbeit zu tun. Unterstützung ist entscheidend für den Erfolg dieser Arbeit.

Ich lade die SpenderInnen ein, mehr über unser Ziel, den Grund unserer Präsenz in der Region zu erfahren. Ich lade sie ein, mit ihren Fragen auf uns zu zukommen. Ich werde sehr gern weitere Informationen zur Verfügung stellen.