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18. Mai 2017

Interview mit Sybille Fezer: das erste halbe Jahr im Amt

1999 sieht Sybille Fezer im Fernsehen, wie Tausende Menschen aus dem Kosovo fliehen, hört von Ermordungen und Vergewaltigungen. Die Kampfjets der Nato über ihrer Wohnung verstärken das Gefühl: Sie möchte etwas dagegen tun. Als medica mondiale 2001 eine Stelle für den Kosovo ausschreibt, ergreift sie die Chance.

Seit November 2016 ist Sybille Fezer neben Monika Hauser und Elke Ebert eine von drei Geschäftsführerinnen bei medica mondiale. Im Gespräch berichtet die 47-Jährige über ihre Arbeit:

Was hat Sie damals bewogen, sich bei medica mondiale zu bewerben?

Die Entstehungsgeschichte hat mich überzeugt: Wie sich Monika Hauser aus einem wütenden, aber auch solidarischen Engagement heraus für die vergewaltigten Frauen eingesetzt hat. Ich war gerade aus Brasilien zurück, wo ich bei der Arbeit in den Favelas vielen gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen begegnet war. medica mondiale befand sich damals noch im Aufbau, da konnte ich vieles mitgestalten.

In welchen Regionen waren Sie tätig?

Ich bin von Konflikt- zu Konfliktgebiet gewandert: vom Kosovo und Albanien nach Afghanistan, über die Demokratische Republik Kongo bis nach Liberia. Zuletzt war ich Regionalreferentin für Irak und Syrien. Es reizt mich, dass wir für jede Region neue Lösungen finden müssen:Wie erreichen wir die Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben? Wie gestalten wir die Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen vor Ort?

Wie sieht Ihre neue Aufgabe als Geschäftsführerin aus?

Einmal bin ich zuständig für die strategische Ausrichtung unserer Programme – Auslandsarbeit, Kommunikation, Traumaarbeit. Ich möchte, dass wir noch stärker als bisher in feministischen Netzwerken arbeiten und neue MitstreiterInnen für unsere Aufklärungs- und Menschenrechtsarbeit finden. Hinzu kommen interne Aufgaben wie Wissensmanagement und Gremienarbeit.

Was sind Ihre Schwerpunkte für 2017?

Ein Fokus wird sein, Synergien zwischen unseren Fachabteilungen zu stärken. Dazu müssen wir den Austausch und die Dokumentation verbessern. Es existiert so viel Wissen und Erfahrung bei Kolleginnen im In- und Ausland, das noch nicht optimal genutzt wird. Wichtig ist zudem, neue Förderquellen für unsere wachsende Arbeit zu erschließen. Außerdem möchten wir unser Konzept einer Achtsamen Feministischen Organisationskultur fertigstellen. Nicht zuletzt entwickeln wir derzeit eine Strategie für eine noch gezieltere politische Arbeit.

Das Interview mit Sybille Fezer ist im memo (Mai 2017) erschienen.