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04. April 2014

Humaira Rasuli über aktuelle Herausforderungen für Medica Afghanistan

Seit 2002 arbeitet medica mondiale in Afghanistan, seit 2010 ist Medica Afghanistan eine selbständige Frauenorganisation. Heute steht diese junge Organisation vor großen Herausforderungen. Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berichtete Humaira Rasuli, Direktorin von Medica Afghanistan, im März in Berlin über die aktuelle Situation.

Durch die Präsidentschaftswahlen und den bevorstehenden Truppenabzug ist die politische Situation sehr angespannt. Anschläge und Bedrohungen nehmen zu. Auch Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan werden aufgefordert, ihre Arbeit einzustellen. "Die Einschüchterungsversuche reichen von Beschimpfungen über Drohungen bis hin zu physischer Gewalt. Beispielsweise wurden Frauenrechtlerinnen nach einer Fernsehdebatte zum Gesetz zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (EVAW-Law) auf dem Weg aus dem Fernsehstudio mit Wasserflaschen beworfen", so Humaira Rasuli.

Trotzdem werden die Kolleginnen in Afghanistan weiterarbeiten. "Die Stärkung der Rechte von Frauen und der Schutz der Überlebenden vor erneuter Gewalt bleiben unsere Aufgabe", machte die Direktorin von Medica Afghanistan bei ihrem Besuch in Deutschland deutlich. Dazu forderte sie von der deutschen Regierung Unterstützung für die Arbeit von Frauen- und Menschenrechtsverteidigerinnen. Zudem müsse die afghanische Regierung besonders auch in der Zeit des Umbruchs dazu gedrängt werden, Frauenrechte zu schützen.

Nach dem Sturz der Taliban sind die Frauenrechte gestärkt worden. Frauen haben das Recht auf Bildung und sie haben wichtige Positionen z.B. als Ministerin oder Polizeiführung übernommen. In der aktuellen Umbruchphase sind diese Entwicklungen in Gefahr. Es geht deshalb darum, Frauenrechte zu sichern und in der Gesellschaft zu verankern.

"2014 wird kein leichtes Jahr", so Humaira Rasuli. Keiner der Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen habe Strategien vorgestellt, die Hoffnung auf grundlegende Veränderungen durch eine neue Regierung machten. Medica Afghanistan hoffe daher mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen sehr darauf, dass das Sicherheitsabkommen mit den USA zustande komme und die Internationale Gemeinschaft ihre Unterstützung weiterführe. Wichtig und eine große Ermutigung, so Humaira Rasuli, sei für sie auch die Solidarität und Aufmerksamkeit vieler Menschen in Deutschland.