Zurück zur Übersicht
14. Oktober 2010

Friedensaktivistinnen fordern umfassende politische Veränderungen

Kurswechseln – Mit Frauen in die Zukunft! So lautete das Motto des internationalen Forums, das medica mondiale gemeinsam mit dem Internationalen Frauenzentrum Bonn (ifz) am 16. September in Bonn ausrichtete. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Internationalen Konferenz „kursWECHSELN!“ zum 30-jährigen Bestehen des Alternativen Nobelpreises statt. Namhafte Preisträgerinnen aus Indien, Kroatien, Malaysia und Schweden folgten der Einladung zu diesem einzigartigen Frauenforum. Gemeinsam mit über fünfzig Teilnehmerinnen aus Forschung, Politik und Entwicklungszusammenarbeit diskutierten sie intensiv, wie die Situation von Frauen weltweit verbessert werden kann und wie AkteurInnen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft dazu beitragen können.

Monika Hauser, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2008 und Gründerin von medica mondiale, begrüßte die couragierten Friedensaktivistinnen und Frauenrechtlerinnen. Gemeinsam mit über fünfzig Teilnehmerinnen aus Forschung, Politik und Entwicklungszusammenarbeit diskutierten sie intensiv, wie die Situation von Frauen weltweit verbessert werden kann und wie AkteurInnen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft dazu beitragen können. 

Frauen in Kriegen und Friedensprozessen

Angesichts der grassierenden sexualisierten Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo verlangte Monika Hauser, die Bundesregierung solle sich stärker dafür einsetzen, dass die Vergewaltigungen sofort beendet und die Täter strafrechtlich verfolgt werden. Sie forderte: „Sexualisierte Kriegsgewalt gehört auf die politische Agenda.“

Auch Christina Hagner, die 2002 den Alternativen Nobelpreises erhielt, will klare politische Stellungnahmen gegen sexualisierte Gewalt. Als Leiterin der schwedischen Frauenorganisation Kvinna till Kvinna kritisierte sie: „Viele Gesellschaften sind durch Kriege militarisiert. Nach dem offiziellen Kriegsende wird die Gewalt gegen Frauen oft bagatellisiert.“ Umso wichtiger sind politische Gegenstrategien lokaler Frauen. Hagner mahnte auch europäische PolitikerInnen zu mehr Engagement: „Sie können auf diplomatischem Wege zur Anerkennung lokaler Frauenorganisationen beitragen. Das stärkt deren Verhandlungsmacht.“ Schließlich fördertenn sie demokratische Entwicklungen und soziale Gerechtigkeit.

Von langfristigen Kriegsfolgen berichtete die kroatische Friedensforscherin Vesna Terselic, die 1998 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Sie hob hervor: „für die Aufarbeitung von Kriegsgräueln ist es bedeutend, die Misshandlungen von Frauen zu beachten.“ In den 1990er Jahren leitete Vesna Terselic eine Anti-Kriegskoalition und prangerte die Gewalt gegen Frauen an. Heute erforscht sie die Kriegsverbrechen und arbeitet an friedlichen Konfliktlösungen. Sie erklärte: „Wichtig sind Informationen und Diskussionen in Schulen. Hierdurch wollen wir die Übertragung von Gewaltmustern auf Jugendliche verhindern.“ Versna Terselic gab zu bedenken, dass es oft am politischen Willen zur Finanzierung solcher Programme mangele.

Frauenrechte umsetzen – Gewalt und Ausbeutung überwinden

Diese Probleme belasten auch die National Federation of Dalit Women (NFDW) in Indien. Ihrer Leiterin Ruth Manorama wurde 2006 der Alternative Nobelpreis verliehen. Sie unterstrich: „Die Grundlage unserer Arbeit sind die internationalen Menschenrechte und die Gleichheitsgrundlagen in der indischen Verfassung.“ Trotz rechtlicher Vorgaben würden Dalit-Frauen, auch Unberührbare oder Kastenlose genannt, in vieler Hinsicht diskriminiert. Ruth Manorama war überzeugt: „Rechtsreformen und die Stärkung des Selbstbewusstseins sind die Schlüssel zur Veränderung“. Beharrlich arbeitet sie daran, Frauen unterschiedlicher Herkunft zu vernetzen.

Übergreifende Allianzen sind auch das Ziel von Namrati Bali, Repräsentantin der Self Employed Women’s Association (SEWA), der größten Gewerkschaft Indiens. Sie erhielt 1984 den Alternativen Nobelpreis. SEWA vertritt Fabrikarbeiterinnen, Straßenhändlerinnen und Heimarbeiterinnen. „Vielerorts werden ihnen jegliche Arbeitrechte verweigert. Ausbeutung ist an der Tagesordnung,“ kritisierte Namrati Bali. Die engagierte Textilgewerkschaftlerin baut auf die politische und rechtliche Lobbyarbeit: „Deshalb wirkt SEWA seit 2006 im internationalen Gewerkschaftsbund mit.“

„Internationale Vernetzung hilft der Durchsetzung von Frauenrechten,“ meinte auch Irene Fernandez, Direktorin der malaysischen Organisation Tenaganita. Sie setzt sich für die Rechte von Gastarbeiterinnen aus anderen asiatischen Ländern ein. Vor allem junge Frauen sind von Gewalt in Bordellen, Fabriken und privaten Haushalten betroffen. Weil sie diese Missstände offen legt, wird Irene Fernandez angefeindet. Ihre Auszeichnung mit dem Alternativen Nobelpreis 2005 wurde zum Politikum. Sie hob hervor: „Die internationale Aufmerksamkeit ist sehr hilfreich.“ Alle Preisträgerinnen waren sich einig: Die von medica mondiale organisierte Konferenz hat wichtige Anstöße für ihre Arbeit gegeben.

Die Veranstaltung wurde von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz) unterstützt. 

Weitere Informationen zur Veranstaltung "kursWECHSELN!" zum 30-jährigen Jubiläum des Right Livlihood Award finden Sie hier