Zurück zur Übersicht
24. April 2017

Frauenrechts-Heldin Helene Batemona-Abeke: Empowerment aus Köln

Es gibt keine gute deutsche Übersetzung für das englische Wort „empowerment“. Ähnlich geht es dem Begriff „Girl Power“, den die Spice Girls als feministisches Bekenntnis Mitte der 90er Jahre in die Welt schrien. Damals kam Helene Batemona-Abeke aus Kenia nach Deutschland. Mittelpunkt ihres beruflichen Lebens ist die interkulturelle Zusammenarbeit: Sie stärkt und ermutigt – so würden wir "empowerment" umschreiben – andere Frauen, die in Deutschland ankommen.

Frauenrechte in Kenia und Deutschland

Helenes Geschichte beginnt in Kenia. Dort wächst die 46-jährige Kölnerin auf. "Schon als Kind war mir bewusst, dass Frauen benachteiligt werden." Ihr Vater unterstützt sie; deshalb kann sie trotz der patriarchalen Strukturen ihren Weg gehen und studieren. 1995 nimmt sie an der UN-Weltfrauenkonferenz in Peking teil. Nach ihrem Uni-Abschluss vor 20 Jahren kommt sie nach Deutschland.

"Ich habe erlebt, was viele Menschen, die neu ankommen erleben: Notunterkunft, Sozialhilfe, spießroutenmäßige Behörden-Gänge, Gewalt. Von der Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland habe ich nichts gemerkt."

Erst über die damals frisch gegründete "Kein-Mensch-ist-Illegal"-Initiative lernt sie das Kölner Allerweltshaus kennen und wird politisch und interkulturell aktiv.

Aktivistin für geflüchtete Frauen

In dieser Zeit wird Helene zur Aktivistin, demonstriert vor dem Landtag in Düsseldorf, obwohl sie noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus hatte. "Leicht war es nicht", sagt Helene rückblickend, "doch ich kam in neue Netzwerke, lernte neue Menschen kennen, das hat mich gestärkt." In Göttingen studiert sie Soziale Arbeit mit dem Ziel, andere Frauen zu unterstützen.

Heute ist die lebensfrohe Kölnerin selbstständige Trainerin und Beraterin. Sie schult MitarbeiterInnen der Kölner Verkehrsbetriebe oder des Ordnungsamtes im Umgang mit geflüchteten Menschen, arbeitet als Diversity Managerin und trainiert JuristInnen. Sie arbeitet auch direkt mit Frauen, die nach Deutschland flüchten. Viele von ihnen, erzählt sie, können in Deutschland nicht gleichberechtigt leben:

"Die Frauen kommen mit nichts hier an, ohne Aufenthaltstitel, bedroht von Schleppern oder Familienmitgliedern, oft mit kleinen Kindern, manche aus Vergewaltigungen geboren."

Die oft stark verunsicherten, eingeschüchterten Frauen nehmen Helenes niedrigschwelliges Gesprächsangebot gerne an. Empowerment kann die Situation der Frauen verbessern, auch wenn sie unter Druck gesetzt werden: "Frauen lernen NEIN zu sagen. Ich ermuntere sie, sich beruflich zu entwickeln, selbstbestimmt zu leben, neue Menschen kennen zu lernen, ein eigenes Sozialleben zu pflegen", erklärt Helene und berichtet von einer Frau:

"Ihr wurde angedroht, ihre Familie im Herkunftsland werde gefoltert, wenn sie sich nicht beugt. Diese Frau habe ich gestärkt. Irgendwann konnte sie aufstehen und 'NEIN!' sagen. Sie hat sich widersetzt und von da an hatte sie eine neue Perspektive für ihr Leben. Sie hat jetzt eine Ausbildungsstelle und ihren Kindern geht es gut."

Empowerment: Kräfte aktivieren für ein selbstbestimmtes Leben

Wenn Helene über die Frauen und ihre Arbeit spricht, versteht man, was mit Empowerment gemeint ist: Menschen zu stärken, zu motivieren und die eigene Kraft zu aktivieren, das Leben in die Hand zu nehmen. Als eine Mischung aus guter Freundin, Motivationscoach und Vorbild schafft sie es, dass Frauen an sich selber glauben und Wege aus schwierigen Situation suchen. Weil sie daran glauben, dass sie es schaffen.

Männer nehmen Helene manchmal als Bedrohung war. "Manche wollen nicht, dass ich mit ihren Frauen spreche. Ich wecke die Frauen auf und ihre Männer wollen lieber, dass sie weiterschlafen", sagt sie. Es gibt aber auch andere Männer. Die kommen auf Helene zu und bitten sie, mit ihren Frauen zu sprechen und sie zu unterstützen.

Gleichberechtigung in der Familie

Auch sie und ihr Lebensgefährte leben dieses moderne Familienbild: Wenn Helene Seminare gibt, betreut ihr Mann die Kinder. Nach der Schwangerschaft des letzten Kindes nahm er Elternzeit. "Du hast unser Kind neun Monate getragen, jetzt trage ich es neun Monate", sagte er. Die Veränderung beginnt mit der Erziehung von Söhnen und Töchtern", erklärt Helene. "Woher kommen denn die Machos?"

Ihr Teenager-Sohn fragte sie: "Mama, bist Du jetzt Feministin?", als Helene anfing, für medica mondiale zu arbeiten. "Ich habe ihm das Youtube-Video von  Chimamanda Ngozi Adiche gezeigt, das hat alle seine Fragen beantwortet", sagt sie lachend.

Für die Zukunft hat Helene noch viel vor: "Die freien Kirchen spielen für die Integration eine große Rolle. Die Gemeinden geben vielen Geflüchteten neue Hoffnung und Halt." Ihre Mission: "Die Pastoren müssen für Gleichberechtigung und einen respektvollen Umgang werben."

 

Hintergrund der medica mondiale Serie "Frauenrechts-HeldInnen im Fokus"

Echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern steht bis heute aus – überall auf der Welt. Ohne sie kann es kein Ende sexualisierter Kriegsgewalt und keinen Frieden geben – nirgends auf der Welt. Im Laufe des Jahres stellen wir bemerkenswerte Frauen und Männer aus aller Welt vor, die sich für die Rechte von Frauen eingesetzt haben oder es noch tun. Damit würdigen wir deren persönlichen Einsatz und erinnern zugleich daran, dass es weiterhin viel Engagement braucht, um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen und sexualisierte Gewalt zu beenden.

Verwandte Themen

 Frauenrechts-Heldin im März: Therese Dunbar, psychosoziale Beraterin bei Medica Liberia