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07. Dezember 2017

Frauenrechts-Heldin Asha Haji Elmi: "Wir Frauen verlangen unseren rechtmäßigen Platz"

Als sich im Jahr 2000 die Vertreter der fünf somalischen Clans zusammen an den Tisch setzten, um über Frieden am Horn von Afrika zu sprechen, war keine einzige Frau dabei. In der patriarchalen Gesellschaft Somalias haben Frauen und Mädchen wenig Einfluss. Ihre Anliegen hatten die männlichen Clanvertreter bei den Friedensgesprächen in Djibouti deshalb auch nicht im Blick. Um das zu ändern, riefen Frauen ihren eigenen „Clan“, das Frauennetzwerk „Sixth Clan“ ins Leben.

Eine der Mitbegründerinnen dieser Initiative war Asha Haji Elmi. „Wir haben uns vehement gewehrt gegen diese Ungerechtigkeit und sind aufgestanden für unsere Rechte“, sagt die Aktivistin für Menschenrechte. Ein Einsatz, der sich auszahlte. Elmi und ihre Mitstreiterinnen vom Sechsten Clan holten die Frauen aus dem Abseits, mischten sich ein in den politischen Prozess und setzten eine Frauenquote für das neu zu wählende Parlament durch. „Die einzige Identität, die mir niemand nehmen konnte, ist meine Weiblichkeit, das Frausein“, beschreibt Elmi die Basis ihres Engagements. „Das ist mein Clan.”

Vor allem Frauen und Kinder waren Opfer von Kriegsverbrechen

Geboren wurde Asha Haji Elmi 1962. Anders als viele andere Mädchen zu der Zeit, durfte sie in die Schule gehen und später studieren. Ihre Eltern stammten aus der oberen Mittelschicht und legten Wert auf Bildung – auch für ihre Töchter. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften gründete Elmi die Organisation „Save Somali Women and Children“ (SSWC). „Als 1991 der Krieg in Somalia ausbrach, waren vor allem Frauen und Kinder die Opfer von Kriegsverbrechen. Das hat mich sehr bewegt“, berichtet Haji Elmi. SSWC setzt sich für Frauenrechte in Somalia ein, kämpft gegen sexualisierte Gewalt und die Beschneidung von Mädchen.

Würdevolle Unterstützung für Frauen und Mädchen in Flüchtlingslagern

Während des Bürgerkrieges und den immer wiederkehrenden Hungerkrisen kümmerten sich SSWC-Mitarbeiterinnen um Frauen und Mädchen in den vielen Flüchtlingslagern. Sie verteilten sogenannte „Dignity packs“. Diese „Pakete der Würde“ enthalten saubere Kleidung und Hygieneartikel. Mütter, Kleinkinder und Ältere bekommen zudem Nahrungsmittelpakete mit Milchpulver und nahrhaften Getreideflocken. „Keine Mutter sollte sich entscheiden müssen, welches Kind sterben muss und welches überleben darf, weil nicht für alle genug zu essen da ist. Das ist unbeschreiblich grausam“, erklärt Asha Haji Elmi.

Politischer Einsatz für Frieden in Somalia

Als im Jahr 2006 erneut schwere Kämpfe in Somalia ausbrachen, musste Elmi die Hauptstadt Mogadishu verlassen und zog mit ihrem Mann ins Nachbarland Kenia. Dennoch blieb sie eine treibende Kraft im politischen Leben ihres Heimatlandes, vermittelte zwischen verfeindeten Parteien und trat bei neuerlichen Friedensgesprächen für Frieden und Versöhnung ein. 2012 schließlich zog sie als Abgeordnete ins neugewählte somalische Parlament ein.

Internationale Anerkennung des Engagements für Frauenrechte, Frieden und Versöhnung

Ihr Engagement für Frauenrechte, für Frieden und Versöhnung brachte Asha Haji Elmi international viel Anerkennung ein. Unter anderem wurde sie 2005 von der Kampagne „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis“ für die renommierte Auszeichnung nominiert. Drei Jahre später erhielt sie den Right of Livelihood Award, den sogenannte Alternativen Nobelpreis.

„Wir Frauen verlangen unseren rechtmäßigen Platz im nationalen Versöhnungsprozess.“

Hintergrund der medica mondiale Serie "Frauenrechts-HeldInnen im Fokus"

Echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern steht bis heute aus – überall auf der Welt. Ohne sie kann es kein Ende sexualisierter Kriegsgewalt und keinen Frieden geben – nirgends auf der Welt. Im Laufe des Jahres stellen wir bemerkenswerte Frauen und Männer aus aller Welt vor, die sich für die Rechte von Frauen eingesetzt haben oder es noch tun. Damit würdigen wir deren persönlichen Einsatz und erinnern zugleich daran, dass es weiterhin viel Engagement braucht, um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen und sexualisierte Gewalt zu beenden.

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