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02. Mai 2017

Frauenrechte-Konferenz: Den Schmerz der Frauen im Kosovo anerkennen. Endlich.

„Jetzt Frauen stärken! – Für eine Kultur der Anerkennung und Versöhnung im Kosovo“ – so lautet der Titel einer Konferenz am 11. und 12. Mai 2017 in Gjakova im Südwesten des Landes. Eingeladen haben die beiden Frauenrechtsorganisationen Medica Gjakova und medica mondiale. Mit ihrer Tagung möchten sie dazu beitragen, dass Überlebende sexualisierter Gewalt endlich von dem 2014 verabschiedeten Gesetz über den Status der zivilen Opfer des Krieges profitieren und die damit verbundene Rente beantragen können.

Anerkennung, Heilung, Versöhnung

„In den nächsten Monaten ist das uneingeschränkte Engagement aller politischen Akteure gefragt, damit die betroffenen Frauen zu ihrem Recht kommen“, fordert Linda Sada, Direktorin von Medica Gjakova, unserer Partnerorganisation im Kosovo. Die Konferenz soll das stress- und traumasensible Antragsverfahren für die Rente bekannt machen und das Netzwerk kosovarischer Frauenorganisationen stärken. „Überlebende sexualisierter Gewalt müssen als zivile Kriegsopfer anerkannt, rehabilitiert und der Versöhnungsprozess in der kosovarischen Gesellschaft auf den Weg gebracht werden“, erläutert Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale. „Nur so sind kollektive Heilungsprozesse möglich und nur so können Traumata über die Generationen hinweg verhindert werden."

Netzwerk aus Politik und Frauenorganisationen

Prominente Gäste der Konferenz sind Atifete Jahjaga, ehemalige Präsidentin des Kosovo, Arban Abrashi, Minister für Arbeit und Soziales, Justizministerin Dhurata Hoxha und Mimoza Kusari-Lila, Bürgermeisterin von Gjakova. Außerdem bereichern Vertreterinnen des kosovarischen Frauennetzwerks, des Rehabilitationszentrums für Folteropfer, der Gender Agency Kosovo, Vertreterinnen unserer Partnerorganisation Medica Zenica aus Bosnien und Herzegowina und kroatischer Frauenorganisationen den Austausch. Die Konferenz findet im Hotel Pashtriku in Gjakova unter der Schirmherrschaft der österreichischen Botschaft im Kosovo statt.

 

Hintergründe zum Gesetz über den Status der zivilen Opfer des Krieges

Im März 2014 genehmigte das kosovarische Parlament die Änderung des Gesetzes Nr. 04 / L-054 über den „Status der Rechte der Märtyrer, Invaliden, Veteranen, Mitglieder der Befreiungsarmee (KLA), zivilen Opfer des Krieges und ihrer Familien". Damit steht auch den zirka 20.000 im Krieg 1998/1999 vergewaltigten Frauen endlich eine monatliche Rente zu. Ebenfalls 2014 berief die ehemalige Präsidentin Atifete Jahjaga ein nationales Beratungsgremium für Überlebende sexualisierter Gewalt. Es schuf die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen für die Beantragung der Rente.

Woran es hapert? Am politischen Willen der kosovarischen Regierung und am nötigen Geld, um das Gesetz umzusetzen.