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15. März 2013

Burundi: Menschenrechtsbeboachter-innen sind stolz auf ihre Erfolge

Seit 2012 fördert medica mondiale die Frauenrechtsorganisation "SOS Frauen in Not" im ostafrikanischen Staat Burundi. Die lokale Organisation bildet Menschenrechts­beobachte­rinnen, sogenannte para-juristes aus. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen erhalten eine Grundausbildung zu sexualisierter Gewalt und zur Rechtssituation. Außerdem lernen sie die wichtigsten Anlaufstellen für Überlebende sexualisierter Gewalt kennen, um betroffene Frauen an zuständige Stellen weiterverweisen und grundlegend beraten zu können.

SOS Frauen in Not (SOS Femmes en Détresse / SOS FED) ist eine Dachorganisation mit Sitz in der Hauptstadt Bujumbura, die sich aus 36 kleineren Organisationen und Initiativen aus allen burundischen Provinzen zusammensetzt. Die von medica mondiale geförderte Ausbildung von Menschenrechtsbeo­bachterinnen ist ein Projekt, das ehrenamtliche Helferinnen aus den unterschied­lichsten Gebieten des Landes miteinander verbindet: „Anfangs waren wir schüchtern und haben uns teilweise geschämt, diese Themen und Probleme anzusprechen. Doch nun können wir frei sprechen und Frauen und Männer um uns herum dazu bewegen, es uns gleichzutun. Wir sind stolz, zum Schutz der Rechte beizutragen. Alle Menschen sind Multiplikatoren und können die Gesellschaft verändern", fasst eine der para-juristes ihre Erfahrungen der letzten Monate zusammen.

Motoren einer gesellschaftlichen Veränderung

Annika Kunze, zuständige Projektreferentin bei medica mondiale, reiste Ende 2012 nach Burundi, um sich ein Bild vom Projektverlauf und der ersten Zwischenbilanz zu machen. Im Rahmen ihres Besuchs konnte sie eine Gruppendiskussion mit 15 para-juristes durchführen: „Es war für mich beeindruckend, Frauen aus ganz Burundi kennenzulernen, die sich in teils sehr abgeschiedenen Gebieten und unter schwierigen Bedingungen ehrenamtlich und mit großem Engagement dafür einsetzen, dass Frauen und Mädchen ihre Rechte kennen und einfordern. Sie stehen von Gewalt betroffenen Frauen als direkte Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Das Gespräch mit den para-juristes zeigte mir, dass ihr Einsatz nicht nur für andere Frauen und Mädchen vor Ort von Bedeutung ist, sondern auch ihnen selbst Kraft und Selbstbewusstsein gibt. Die Frauen sehen sich als Motoren einer gesellschaftlichen Veränderung und sind sehr stolz darauf, diese Rolle einzunehmen.

"Zitat einer Menschenrechtsbeobachterin von „SOS Frauen in Not" aus Burundi:

„Ängste und Sorgen einzelner Frauen können in der Gemeinschaft überwunden werden. Die gegenseitige Hilfe unter den Frauen und das ‚Aufgefangenwerden‘ gibt Betroffenen die nötige Kraft, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und zu verändern."

Der Gewalt die Hoffnung auf Veränderung entgegenstellen

Die Hauptprobleme, mit denen die Menschenrechtsbeobachterinnen zu tun haben, sind die abfälligen Kommentare und Anfeindungen durch Männer betroffener Frauen. Dazu kommen die mangelnde Finanzierung von Transport und Kommunikationsmöglichkeiten. Sie halten es beispielsweise für besonders wichtig, dass eine Art Notruftelefon eingerichtet wird, sodass schnell und unkompliziert ein Anwalt oder eine Anwältin kontaktiert werden kann. Laut den Mitarbeitern von SOS Frauen in Not herrscht in der Bevölkerung eine große Ignoranz gegenüber sexualisierter Gewalt. Überlebende würden teilweise stärker gesellschaftlich verurteilt und isoliert als die Täter. Darüber hinaus sind im Grenzgebiet zum benachbarten Kongo nach wie vor zahlreiche bewaffnete Gruppen aktiv, die für viele Vergewaltigungen und Übergriffe verantwortlich sind. Vor diesem Hintergrund hat die Organisation in ihrer Halbjahresbilanz 2012 des Projekts beachtliche Erfolge aufzuweisen: 65 Überlebende sexualisierter Gewalt wurden beraten. Für das Thema konnten zahlreiche MultiplikatorInnen sensibilisiert werden: 51 Führungspersonen auf Kommunalebene, 25 PolizistInnen und 16 Mitglieder anderer Frauenorganisationen. Das einjährige Projekt wird von medica mondiale mit insgesamt 8.500 Euro unterstützt.

Fotos: © Annika Kunze/medica mondiale

Erschienen im Newsletter März 2013