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12. Juni 2012

Burundi - medica mondiale unterstützt den mutigen Kampf von "SOS Frauen in Not"

Im ostafrikanischen Staat Burundi ist die Zahl der dokumentierten Vergewaltigungen auch nach Kriegsende im Jahr 2000 immer noch sehr hoch. Mutige lokale Frauenorganisationen stellen sich dem entgegen. Darunter SOS Femmes en Détresse (SOS FED) - "SOS Frauen in Not" - seit diesem Jahr Partnerorganisation von medica mondiale in Bujumbura, Burundi. Sie kämpft gegen frauendiskriminierende Gesellschaftsstrukturen und fordert ein Ende des Wegschauens sowie der Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt an Frauen.

Nur wenige Frauen erhalten in dem patriarchalen Land nach Gewalterfahrung rechtliche und medizinische Unterstützung - eine grobe Missachtung ihrer Rechte. Die Täter sind Zivilisten, aber auch Militärs und Angehörige der Polizei. Vergewaltigung ist in Burundi nach dem Gesetz zwar eine Straftat. Dies gilt allerdings nur auf dem Papier. Die Straflosigkeit ist erschreckend hoch, Korruption und schlechte Ausstattung legen das burundische Justizsystem faktisch lahm. Hinzu kommt, dass Frauen per Gesetz ökonomisch benachteiligt und damit finanziell abhängig von ihren Männern sind. Das hat weitreichende Folgen, wenn es zu sexualisierter Gewalt kommt. Überlebende sexualisierter Gewalt berichteten Amnesty International, dass sie es ablehnen, Strafanzeige zu erstatten, weil sie befürchten, damit die wirtschaftliche Unterstützung des Ehegatten und der Familie zu verlieren. Ihnen wird vorgeworfen, selbst Schuld an einer erlittenen Vergewaltigung zu tragen; viele werden von ihren Gemeinden und Familien stigmatisiert und verstoßen. Darüber hinaus zwingen burundische Traditionen die vergewaltigten Frauen und Mädchen häufig dazu, die Täter zu heiraten. Das dient offiziell als eine Art der Wiedergutmachung und Wiederherstellung der Würde der Frau. 

Mit Gesprächen vom Unrecht überzeugen

Um der Gewalt vorzubeugen und gegen die Straflosigkeit vorzugehen, setzt SOS FED auf die Ausbildung von Menschenrechtsbeobachterinnen und Rechtshelferinnen. 30 Fachfrauen sollen so Ansprechpartnerinnen in sogenannten Beobachtungsgruppen vor Ort sein und damit lebenswichtige Anlaufstellen für Frauen und Mädchen. Weiterhin informiert die Frauenorganisation die Öffentlichkeit, zum Beispiel durch Infostände bei Veranstaltungen, und spricht mit Militär- und PolizeivertreterInnen, um ihnen zu verdeutlichen, wie sexualisierte Gewalt die Menschenrechte verletzt. Bei den lokalen Gerichten geht die Partnerorganisation von medica mondiale ins Gespräch mit den JustizvertreterInnen. Das Ziel: die Gerichte zu überzeugen, die medizinischen Gutachten der Gemeinde-Gesundheitszentren als Beweismittel in Vergewaltigungsprozessen anzuerkennen. Für die einjährige Laufzeit des Projektes ist geplant, über 100 Überlebende sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Mindestens ebenso viele EntscheidungsträgerInnen aus Justiz, Militär, Polizei und Politik will SOS FED für die Themen sexualisierte Gewalt und Frauenrechte sensibilisieren. SOS FED wird 2012 von medica mondiale mit 8.500 Euro unterstützt.

Erschienen im Newsletter 1-2012