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31. Januar 2017

Burundi: Der Gewalt trotzen

Nach zehn weitestgehend ruhigen Jahren hat sich die Sicherheitslage im Nachkriegsland Burundi 2015 drastisch verschlechtert. Politische Krisen wirken sich meist negativ auf die Frauenrechte aus. Wie können Frauenrechtsorganisationen den Frauen und Mädchen dennoch Hoffnung auf ein besseres Leben geben? Unsere Mitarbeiterin Karen Knipp-Rentrop besuchte kürzlich das ostafrikanische Land und traf dabei die Psychologin Bertille Bumwe. Die junge Burunderin trotzt den Entwicklungen in ihrem Land und kämpft weiter beharrlich für bessere Frauenrechte.

„Die Stimmung auf Burundis Straßen ist sehr bedrückend. Es fühlt sich seltsam an. Es gibt keine offenen Schießereien aber, wenn man länger mit den Menschen hier spricht, merkt man schnell, dass es nur an der Oberfläche ruhig ist. Viele berichten von verschwundenen Menschen und willkürlichen Verhaftungen “, erzählt Karen Knipp-Rentrop, Referentin bei medica mondiale für die Region Große Seen.

 

Folgen für Frauenrechte in Burundi

Nachdem der burundische Machthaber Pierre Nkurunziza sich unter Protest der Opposition für eine umstrittene dritte Amtszeit wählen ließ, hat sich die Situation drastisch verschlechtert. Mehr als 300.000 Menschen sind aus Angst vor Repression und Unsicherheit in Nachbarländer geflüchtet. Um seine Macht für die umstrittene dritte Amtszeit zu festigen, übt Präsident Nkurunziza zunehmend Druck auf die Bevölkerung aus. Der Handlungsspielraum nichtstaatlicher Organisationen wird kleiner, Gewalt häufiger. Darunter leiden, wie bei fast allen Krisenregion, die Frauenrechte.

Mehr Vergewaltigungen aber weniger Frauen, die darüber sprechen

Das beobachtet auch Bertille Bumwe, Psychologin bei unserer burundischen Partnerorganisation „Solidarität der burundischen Frauen im Kampf gegen AIDS und Malaria“ (SFBLSP): „Eine Konsequenz aus der aktuellen Krise: Es gibt mehr Vergewaltigungen, aber weniger Frauen, die darüber sprechen.“ Bertille Bumwe setzt sich trotzdem weiterhin für die Rechte von Frauen und Mädchen in Burundi ein. Nach ihrer Motivation gefragt sagt sie: „Viele Mädchen können immer noch nicht zur Schule gehen und ich möchte ihnen helfen. Ich möchte Frauen unterstützen, wieder eine Perspektive zu bekommen, ich möchte sie repräsentieren und ihnen eine Stimme geben. Wenn ich den Frauen zuhöre, kann ich sie unterstützen, ihr Leben fortzusetzten. Es ist für mich eine Ehre, die Frauen zu unterstützen.“

Erlebte Geschichten: Ihre Nachbarn staunen über Diane*

Viele Geschichten, die Bertille und ihren Kolleginnen bei der Arbeit begegnen, sind sehr traurig. Doch immer wieder können sie das Leben einzelner Frauen nachhaltig verbessern. Das gibt allen Hoffnung: Diane* ist mit ihren vier Kindern auf sich alleine gestellt. Ihr Mann gibt das Geld der Familie aus, um sich zu vergnügen, statt es für das Schuldgeld der Kinder zurückzulegen. Als Diane sich einer Frauengruppe von SFBLSP anschließen will, versucht er sie abzuhalten. Doch ermutigt von der Solidarität der anderen Frauen geht Diane trotzdem zu den Treffen. Jetzt nimmt sie an einem Alphabetisierungskurs teil und hat einen Mikro-Kredit bekommen. Mit der finanziellen Unterstützung kann sie einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb aufbauen und ein Stück Unabhängigkeit für ihr Leben erarbeiten. Selbst ihre Nachbarn sind erstaunt über ihre Entwicklung, erzählt die junge Frau. Eine Psychosoziale Beraterin von SFBLSP unterstützt Diane auch bei den Eheproblemen mit ihrem Mann. Ihr Mann ist ruhiger geworden und sie führt ein selbstbestimmteres Leben. „Ich schaue positiver in die Zukunft“ erzählt sie den Frauen unserer Partnerorganisation.

Jede einzelne Frau mit neuer Zuversicht ist es wert

Die Geschichte zeigt, dass das Leben in einem Krisengebiet auch mit Unterstützung eine Herausforderung bleibt. Gesellschaftliche Veränderung geschieht langsam und in kleinen Schritten. Doch genau darum geht es Frauen wie Bertille, die die Verhaltensweisen verändern möchte und deswegen Psychologie studiert hat. Es sind bemerkenswerte Frauen wie Bertille und Diane, die beharrlich sind und Ausdauer haben, um einen Unterschied in der Gesellschaft zu machen in diesen schwierigen Zeiten.

 

 

*Den Namen haben wir aus Schutz der Person geändert.