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14. Dezember 2010

Bosnien: Entschädigung für im Krieg vergewaltigte Frauen

Seit Oktober 2006 haben im Krieg vergewaltigte Frauen in Bosnien gesetzlichen Anspruch auf eine monatliche Invalidinnenrente. Dieser Akt der Entschädigung und gesellschaftlichen Anerkennung von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt ist weltweit einzigartig. Vorausgegangen war eine mehrjährige Kampagne eines Netzwerkes bosnischer Frauenorganisationen – federführend dabei auch das Frauentherapiezentrum Medica Zenica.

Je nach Grad der Schwere ihrer körperlichen und psychischen Verletzung erhalten die Frauen eine geringfügige monatliche Grundsicherung. Trotz der relativ geringen Renten sind die monatlichen Zahlungen für viele Frauen, die durch Vergewaltigung und Folter zu Invalidinnen geworden sind, unverzichtbar.

Bevor die Frauen ihren Anspruch auf Rente gelten machen können, müssen sie zunächst nachweisen, dass sie tatsächlich Opfer einer Kriegsvergewaltigung oder anderer sexualisierter Kriegsgewalt waren. Das Antragsverfahren ist sehr streng und kann für manche Frau unerträglich werden, da sie an die schrecklichen Erlebnisse erinnert wird. Die Mitarbeiterinnen von Medica Zenica unterstützen die Frauen bei den Formalitäten. Sie stellen auch wichtige Beweisdokumente zur Verfügung. Denn Medica Zenica hat während des Krieges und danach hunderte Fälle von Vergewaltigungen im Krieg dokumentiert. Die archivierten Aussagen, medizinischen Gutachten und Polizeiberichte dienen den Frauen jetzt als wichtige Belege.

Dass in Bosnien als erstem Nachkriegsgebiet weltweit sexueller Missbrauch nun auch offiziell als Kriegsverbrechen anerkannt wird, ist es ein wichtiges Zeichen gegen das Verschweigen, Vergessen und vor allem die Ausgrenzung der Frauen.