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Traumakonzept

Das Konzept zur Trauma-Arbeit von medica mondiale

Eine Frau hält einer anderen Frau unterstützend die Hand"medica mondiale ist ein sehr menschenfreundliches Projekt, das zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gekommen ist. Es ist eine Arbeit, die einen Platz in unserer Geschichte haben wird. Das ist wie den Blinden Augen zu geben, den Tauben Ohren und den Stummen die Sprache. Ich hoffe, dass dieses Projekt ein langes Leben in unserem Land haben wird." (eine kosovarische Mitarbeiterin von mm)

Sexualisierte Gewalt ist ein Angriff auf das intimste Selbst. Viele Faktoren wie Tabuisierung, Ausgrenzung oder gar Bedrohung durch die Familie, die Gesellschaft und sensationslüsterne Presseberichte führen dazu, dass die Frauen nie über das Erlebte sprechen können und ein Leben lang an den seelischen und körperlichen Verletzungen tragen. medica mondiale hat aus jahrelanger Arbeit mit diesen Frauen ein -> ganzheitliches Konzept entwickelt, das den Frauen die Bewältigung ihrer Alltagsexistenz, ein schrittweises Herangehen an die traumatischen Erfahrungen und deren Bearbeitung im geschützten Raum ermöglichen will.

Dazu gehören im Wesentlichen:

Voraussetzungen für wirksame Trauma-Arbeit

Seit 1993 hat medica mondiale drei -> Beratungs- und Therapiezentren in Albanien, Bosnien und Kosova aufgebaut. Die Bedingungen für die Entwicklung der Arbeitskonzepte für die Trauma-Arbeit waren höchst unterschiedlich, gemeinsam war ihnen die Vorraussetzung, den Frauen auf niedrigschwelliger Basis Zugang zu den breit angelegten Angeboten zu ermöglichen, damit sie überhaupt Hilfe in Anspruch nehmen konnten. Je nach Land und Gesellschaftsstruktur sind die sozialen und psychischen Folgen sexueller Traumatisierung anders und damit die Chancen ihrer therapeutischen Bearbeitung und Integration.

Bosnische Frauen warten auf eine Behandlung an der mobilen gynäkologischen AmbulanzEinrichtung eines breiten Hilfsangebots

Für die traumatisierten Frauen aus den patriarchal strukturierten Ländern in Kosova und Albanien war dies viel schwieriger als für die bosnischen Frauen, die sehr schnell dazu bereit waren, das Verbrechen öffentlich anzuklagen. Während die Bosnierinnen die Angebote von Medica Zenica von Beginn an intensiv nutzten, musste Medica Kosova den Frauen über das Schweigen und das Tabu hinweg erst einmal den Zugang zu Hilfen und Hilfsangeboten öffnen. Kochkurse und juristische Beratung weckten Vertrauen bei den betroffenen Frauen und Mädchen, bis sie selbst psychisch stabiler wurden und die inneren Barrieren bewältigt hatten, um vor Außenstehenden psychische Verletzungen auch nur anzudeuten. Heute ist das Thema in Bosnien-Herzegowina mehr in der Öffentlichkeit.

Schaffen von Sicherheit in einer zerstörten Lebenswelt

"Erst, wenn die Klientinnen eine Chance haben, ihr Leben wieder selbst zu kontrollieren und zu steuern", so Ingeborg Joachim, Körperpsychotherapeutin und Mitarbeiterin von Medica Kosova, "ist eine Grundvoraussetzung für intensive Trauma-Arbeit erfüllt. Ein erster Erfolg ist es, wenn es den Beraterinnen gelingt, den Klientinnen inmitten der vielfach widrigen Lebensumstände durch materielle Unterstützung, gesundheitliche Versorgung und achtsame Gespräche ein wenig mehr Sicherheit zu vermitteln und ihre soziale Isolation aufzuheben."

Kosovarische Frauen sitzen auf der Wiese neben der zweiten mobilen AmbulanzViel Geduld und Verzicht auf schnelle Ergebnisse

Bei den Klientinnen von Medica Kosova stand lange Zeit zunächst die Bearbeitung der Trauer über vermisste oder getötete Angehörige im Vordergrund. Erst dann war es Frauen möglichen, mit den Beraterinnen vorsichtig über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt zu sprechen. Manche betroffenen Frauen suchen erst jetzt den Kontakt zu den Beraterinnen, nachdem die kosovarische Öffentlichkeit für das Thema empfänglicher geworden ist. Verstärkt wurde diese Entwicklung auch durch die wachsende Sicherheit der – teilweise selbst traumatisierten – kosovarischen Beraterinnen, die über mehrere Jahre eine intensive berufsbegleitende Ausbildung erhalten haben.

 

 

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© medica mondiale e.V. ·  11.10.2006