Glossar der Fachbegriffe zur Trauma-Arbeit
Viele
Interessierte verfolgen die Arbeit von medica mondiale über
die Medien, als direkte Unterstützerinnen, in den Veröffentlichungen
von medica mondiale und als interessierte Expertinnen. Ihnen allen möchten
wir das genaue Verständis unseres Konzepts ermöglichen. Deshalb
finden Sie im Anschluss Erklärungen für verwendete Fachbegriffe
aus der medizinischen und psychotherapeutischen und psychosozialen Arbeit.
Burn-Out Syndrom
Das Burn-Out-Syndrom (burn-out engl.: "Ausgebranntsein") ist ein andauernder
Erschöpfungszustand mit sowohl psychischen als auch physischen Beschwerden,
der durch Überforderung und Abgrenzungsschwierigkeiten entsteht. Betroffen
sind meist Angehörige sozialer Berufe. Vorbeugend sollten gefährdete Personen
ihr Privatleben pflegen, um Belastungen im Beruf besser ausgleichen zu
können. Das Erlernen von Konfliktstrategien und der Fähigkeit, sich rechtzeitig
gegen Überforderung zu wehren, können dem Burn-Out-Syndrom ebenfalls vorbeugen.
Counselling groups
(engl. Beratungsgruppen), in denen der Austausch zu verschiedenen Themen
in der Gruppe unter fachlicher Begleitung zum gegenseitigen Lernen und
zum Wohl der Klientinnen beiträgt: verschiedene Aspekte eines Themas,
einer Reaktion, einer Erfahrung können bereichernd für alle beteiligten
Beraterinnen und ihre Klientinnen sein.
Dissoziation
(= Abspaltung, Trennung) hat im Zusammenhang mit Traumatisierung viele
Erscheinungsformen. Erinnerungen können aus dem Bewusstsein abgespalten
und Gefühle von der Erinnerung getrennt werden. Es kann eine teilweise
Lähmung von Empfindungen, Absonderung oder Abspaltung von Wahrnehmungen,
Gefühlen und Empfindungen auftreten. Oft kommt es auch gleichzeitig
zu Gefühlen der Selbstentfremdung und Abspaltung von Persönlichkeitsaspekten.
EMDR
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) ist eine von Dr. Francine Shapiro entwickelte traumabearbeitende Psychotherapiemethode. Besonders ist für EMDR der Einsatz von bilateraler (doppelseitiger) Stimulation (z.B. Augenbewegungen, Fingerberührungen oder akustische Signale) während des Prozesses des Wiedererinnerns.
Flashbacks
(= Erinnerungsblitze) sind Sinneseindrücke (Bilder, Gedanken, Gerüche, Gefühle) aus früher erlebten traumatischen Ereignissen, die sich plötzlich aus einer völlig anderen Situation heraus aufdrängen und so intensiv erlebt werden, als geschähen sie in der Gegenwart. Sie sind daher mit großer Angst und Panik verbunden
Interdisziplinäre Arbeit
Hier arbeiten mehrere Fachrichtungen zusammen, in medica-Projekten Mitarbeiterinnen aus der Medizin, der Psychotherapie, der Sozialarbeit, und Juristinnen. Vorteil dieser Arbeitsweise ist der direkte Austausch der Mitarbeiterinnen mehrerer Fachbereiche, der in der Zusammenführung verschiedener Beobachtungen aus der jeweiligen Begleitung der Klientin ein umfassenderes Bild und eine gezieltere Unterstützung auf mehreren Ebenen ermöglicht.
Interventionen
sind therapeutische Aktionen/Reaktionen verschiedener Art: ein gedanklicher Impuls, der Vorschlag, in den Körper hinein zu fühlen, eine Gedankenreise zu machen, oder eine Vision zu entwickeln, eine konkrete Aktion zu versuchen und Weiteres.
PTSD Posttraumatic Stress Disorder
deutsch: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) Symptome einer durch ein oder mehrere traumatische Ereignisse verursachte PTSD sind unter anderem: wiederkehrende und plötzliche auftretende Erinnerungen an das traumatische Ereignis Alpträume, Panikattacken, die erlebt werden, als ob das Ereignis gleich wieder eintreten würde. Vermeiden von Reizen die an das Ereignis erinnern: wie Gerüche, Orte, Geräusche; Personen und Aktivitäten, Erinnerungslücken, Abgestumpftsein, stark eingeschränkte Aufmerksamkeit, Übererregung, die z.B. in Schlafstörungen, übermäßiger Wachsamkeit, Konzentrationsstörungen, Wutausbrüchen zum Ausdruck kommt.
Retraumatisierung
erneute Traumatisierung durch Situationen, in denen die extreme Hilflosigkeit und emotionale Bedrängnis des traumatischen Ereignisses in einer anderen Umgebung erneut erlebt wird: zum Beispiel durch eine unsensible Anhörung bei Besatzungstruppen, durch Abschiebung und Ablehnung des Asylantrags usw. Um Psychotraumata zu bearbeiten, bedarf es geschützter Erfahrungsräume und einer sicheren Existenzgrundlage, ansonsten ist die Gefahr der Retraumatisierung groß.
Stellvertretende Traumatisierung (Sekundärtraumatisierung)
Bei HelferInnen und Angehörigen, die einen intensiven und empathischen Bezug zu traumatisierten Menschen haben, kann es zu einer sog. Stellvertretenden Traumatisierung oder auch Sekundärtraumatisierung kommen. Durch die fortgesetzte Konfrontation mit dem Leid der Opfer und ihren intensiven Reaktionen darauf erleben sie sich als ohnmächtig oder unfähig und sie beginnen, den Glauben an den Sinn und Erfolg ihres Tuns zu verlieren. Ihr Selbst- und Weltbild wird verändert und erschüttert und sie können selbst Traumasymptome entwickeln.
Psychotrauma
(Trauma, griechisch: "Wunde, Verletzung".) Ein Psychotrauma ist die seelische Verletzung durch eine lebens- und identitätsbedrohende Erfahrung, durch die die normalen seelischen Verarbeitungsmöglichkeiten gesprengt werden. Angst, extreme Hilflosigkeit, Kontrollverlust stehen im Kern dieser Erfahrung. Das Erlebte wird als bedrohlich für die körperliche und psychische Unversehrtheit wahrgenommen und stellt eine extreme Konfrontation mit dem Tod dar. Ein traumatisches Ereignis hinterlässt Spuren in der Seele und auch im Körper eines Menschen, die sich in einer Vielzahl von lebensbeeinträchtigenden Symptomen äußern können.
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© medica mondiale e.V. · 11.10.2006



Krieg und Trauma