Trauma-Arbeit
"Ich
hatte keine Angst davor, umgebracht zu werden. Ich hatte Angst,
vergewaltigt zu werden!" so eine kosovarische Frau,
die 1999 während der kriegerischen Eskalation von serbischen
Milizionären vergewaltigt wurde.
Sexualisierte Gewalt, wie sie Frauen und Mädchen in allen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt erlebt haben, ist ein massiver Angriff auf die Persönlichkeit, auf das intimste Selbst der Seele. Viele tragen diese unsichtbaren Wunden lange Zeit mit sich. Nicht nur Frauen aus den aktuellen Kriegsgebieten unserer Zeit, sondern auch die älteren Frauen unter uns wissen: Der Krieg ist vorbei, aber der tiefe Riss an der Seele ist geblieben.
Sexualisierte Gewalt kommt für
Frauen als zusätzliches
Psychotrauma
zu anderen traumatischen Kriegserfahrungen hinzu: die Erfahrung des
körperlichen und emotionalen Ausgeliefertseins, der körperlichen
und seelischen Folter in einer Situation, die im Krieg alle "normalen"
Sicherheiten entzieht und die Psyche einer permanenten Bedrohung aussetzt.
Das Psychotrauma, die psychische Verletzung bleibt oft jenseits aller anderen
Verluste und körperlichen Verwundungen bestehen und wird noch verstärkt
durch soziale Stigmatisierung und Isolation.
Hilfe zum Überleben: Überlebende
von Krieg und Folter brauchen meist vielfältige und optimale Unterstützung,
um das Erlebte zu verarbeiten und in ein neues Leben zu integrieren.
medica mondiale begleitet Frauen und Mädchen in diesem Prozeß.
Dazu gehört die allgemeinmedizinische und gynäkologische Behandlung,
psychosoziale und therapeutische Unterstützung, aber auch Möglichkeiten
an Austausch und Ausbildung. Elementar ist auch die gesellschaftliche
Sensibilisierung für die Folgen von Traumatisierung und geschlechtsspezifischer
Gewalt.
Auf diesen Seiten möchte medica mondiale Interessierten und Expertinnen Informationen anbieten zum Thema Psychotrauma und sexualisierte Kriegsgewalt, Arbeitsansätze von medica mondiale vor Ort vorstellen und praxisrelevante Hinweise geben zu Fortbildung und Vernetzung. Sie finden Antworten auf Fragen wie diese:
- Was ist eine
traumatische Erfahrung, wie sie Frauen und Mädchen in Bosnien, in Kosova, in Afghanistan und täglich anderen neuen Kriegsgebieten erleben müssen? Wie verändert ein Psychotrauma das persönliche Bewußtsein und den Lebensalltag? - Was sind die psychischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen eines Psychotraumas? Wie können Frauen mit
therapeutischen Möglichkeiten und anderen Formen der Unterstützung Wege aus Schweigen und Isolation finden? - Welche Qualitätskriterien lassen sich für die Unterstützung betroffener Frauen in der Therapie, Gynäkologie und Rechtsberatung ableiten?
- Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit es für Überlebende sexualisierter Gewalt in den Herkunftsländern und im Exil nicht zu erneuten Traumatisierungen kommt und Chancen auf die Entwicklung einer neuen Lebensperspektive bestehen?
- Welche Unterstützungsangebote gibt es für betroffene Frauen in Zufluchtländern wie Deutschland und in den Krisenregionen selbst?
- Wie können sich diejenigen miteinander
vernetzen, die sich für kriegstraumatisierte Frauen und Mädchen einsetzen, Deutschland- und weltweit? - Welche
Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten gibt im In- und Ausland zur Psychotrauma-Therapie allgemein und zu frauenspezifischen Ansätzen? Welche geeigneten
Publikationen bringen die Diskussion und Erkenntnisse um die Trauma-Arbeit weiter?
An diesen und weiteren Fragen arbeiten wir. Für diese Themen setzen wir uns ein. Sie sind als BesucherInnen, Interessierte und ExpertInnen eingeladen, diesen Prozess mit uns weiter zu entwickeln!
Dieser Themenkomplex und unsere Qualitätsentwicklungsarbeit zum Thema "Psychotrauma" wurden mit maßgeblicher Unterstützung des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt. Dafür danken wir im Namen der betroffenen Frauen und Mädchen!
Helfen Sie uns mit Ihrer
Spende bei der Unterstützung von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt!
© medica mondiale e.V. · 11.10.2006



Krieg und Trauma