Trauma-Arbeit

Wenn der Krieg vorbei ist: Kriegstrauma und die Folgen

Gewalt und Grausamkeit kriegerischer Konflikte überschreiten oft das, was Menschen individuell oder als Gemeinschaft psychisch und sozial verarbeiten können. So werden Vergewaltigungen – aber auch massive häusliche Gewalt – meist als traumatische Erfahrungen erlebt, die existentielle Bedrohung und Todesangst auslösen. Ein psychisches Trauma zerstört das Gefühl von Sicherheit, es greift das Urvertrauen an, persönliche Grenzen werden weit überschritten, die eigene Selbstachtung ausgehöhlt und ein überwältigendes Gefühl von Hilflosigkeit erzeugt. In der Folge können Panikattacken, Depressionen, Schlafstörungen, chronische Schmerzen oder eine Posttraumatische Belastungsstörung ("PTBS") das Leben der Betroffenen über Jahre hinweg massiv beeinträchtigen.

Im Krieg haben die Frauen oft ungeheure Kraft aufgebracht, um sich, ihre Kinder und Familienangehörigen am Leben zu erhalten. Nach Kriegsende werden die Frauen dann plötzlich von schrecklichen Bildern überflutet, verspüren Schmerzen, für die keine körperliche Ursache zu finden ist. Viele verlieren ihren Lebensmut. Es ist wichtig, um diese möglichen gesundheitlichen Folgen von Gewalt gegen Frauen zu wissen. Genauso wichtig ist es, die Frauen nicht zu pathologisieren und damit erneut zum Opfer zu machen. Eine Traumatisierung ist zunächst eine „normale“ körperliche und psychische Reaktion auf ein Erlebnis, das jenseits „normaler“ menschlicher Erfahrungen liegt. Mit guter sozialer Anbindung, sicherem Umfeld und ggf. medizinischer Versorgung schaffen es viele Menschen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten, ohne schwer zu erkranken.

Schwierige Lebensbedingungen und fehlende Unterstützung

Die Lebensbedingungen in Kriegs- und Konfliktgebieten und auch in Nachkriegszeiten sind meist von existentieller Not und weiterer Gefährdung von Frauen geprägt. Dorfgemeinschaften sind auseinander gerissen, Frauen trauern um ihre Familienangehörigen und müssen ihre Kinder vielfach unter großen Schwierigkeiten alleine großziehen. Die wenigsten Frauen schaffen es, der Armut zu entgehen. In Flüchtlingslagern sind sie oft erneuter Gewalt ausgesetzt.

Traumasensible Beratung und Begleitung

In den Frauenberatungszentren von medica mondiale steht traumatisierten Frauen ein breites Unterstützungsangebot zur Verfügung. Es reicht von offenen Gesprächsgruppen und traumatherapeutischen Therapiesitzungen über materielle Absicherung bis hin zu Hilfe bei der Wohnungs- und Jobsuche. Manche finden auch vorübergehende Unterbringung in den Schutzräumen von medica mondiale. Die Mitarbeiterinnen der medica mondiale Projekte gehen auf den individuellen Unterstützungsbedarf jeder einzelnen Frau ein.

Psychosoziale Traumaarbeit bei medica mondiale

Je nach Land sind das Ausmaß und die Folgen von Gewalt gegen Frauen anders und damit die Formen psychosozialer Beratung und Begleitung. medica mondiale arbeitet in den Projekten vor Ort ausschließlich mit einheimischen psychosozialen Beraterinnen. Sie kennen und verstehen die Sorgen und Nöte der Frauen sowie die Tabus der Gesellschaft.

Psychosoziale Arbeit in Beratungsgruppen

Ein sehr erfolgreicher Ansatz ist die psychosoziale Gruppenarbeit. Sie ist gerade dadurch so erfolgreich, dass die Teilnehmerinnen sich über ihre Probleme in der vertrauten Gruppe – und damit im geschützten Rahmen – austauschen und sich gegenseitig unterstützen können.

Individuelle psychosoziale Beratung und therapeutische Arbeit

Begleitend zu den Gruppen werden immer auch individuelle Beratungsgespräche angeboten. Für viele Frauen ist es nur in diesem Rahmen möglich, über ihre belastenden Erfahrungen zu sprechen. Bei Frauen, die von akuter Gewalt betroffen sind, geht es dabei zunächst einmal um Kriseninterventionen und psychologische Ersthilfe, im weiteren Verlauf der Beratung um die Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilisierung.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.

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