Afghanistan: „Das bescheidene Wunder eines normalen Lebens“
"Von Transition zur Transformation“, so lautete der vielversprechende Titel der Afghanistan-Konferenz, die am 5. Dezember genau zehn Jahre nach der Petersberger-Konferenz zu Afghanistan in Bonn stattgefunden hat. Viel wurde im Vorfeld über die rund 1000 Delegierte zählende Zusammenkunft spekuliert: Würden Vertreter der Taliban anwesend sein? Würde Pakistan, dessen Rolle doch als so wesentlich für die Befriedung der gesamten Region angesehen wird, teilnehmen? Welches Mitspracherecht würde diesmal der afghanischen Zivilgesellschaft eingeräumt werden?
Die ersten beiden Fragen können schnell mit Nein beantwortet werden, die Gründe sind bekannt. Wer also auf einen Durchbruch im Friedensprozess oder zumindest auf ein Fortschreiten der Friedensverhandlungen gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die dritte Frage muss hingegen eindeutig positiv beantwortet werden, wenn auch verhalten: Erstmals hat die afghanische Zivilgesellschaft im Vorfeld der Konferenz und auf der Konferenz selbst eine größere Rolle gespielt als dies bei allen Afghanistankonferenzen der letzten Jahre der Fall war. Zwei VertrerterInnen der afghanischen Zivilgesellschaft, der Geschlechter-Parität entsprechend ein Mann und eine Frau, wurde die Möglichkeit gegeben, ihre Anliegen und Forderungen an die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft vorzutragen. Zuvor hatte sich im Rahmen des Zivilgesellschaftlichen Forums Afghanistan eine Delegation von 34 AfghanInnen in Bonn mit VertreterInnen deutscher Nichtregierungsorganisationen und politischer Stiftungen über ihre Anliegen ausgetaucht.