Kompetenzen erweitern

Intensive Fortbildungen für Mitarbeiterinnen in den Projekten von medica mondiale

medica mondiale arbeitet in ihren Projekten vor Ort fast ausschließlich mit einheimischen Mitarbeiterinnen zusammen. In vielen Ländern sind traumaspezifische Arbeitsansätze in der Beratung und Unterstützung von Frauen mit Gewalterfahrungen jedoch weitgehend unbekannt. Geeignete Fachkräfte müssen oftmals erst ausgebildet werden. Daher werden die Mitarbeiterinnen in den Projekten von medica mondiale intensiv in frauenspezifischer Beratung und in fundierter Trauma-Arbeit geschult. In Fortbildungen erwerben sie Wissen über die zerstörerischen Auswirkungen sexualisierter Kriegsgewalt auf Gesundheit und Psyche der betroffenen Frauen sowie über die Entstehung von Traumata und ihren Symptomen. Sie lernen, wie die Arbeit mit Frauen trauma- und geschlechtssensibel gestaltet und vor allem wie eine Retraumatisierung der Klientin im Beratungsprozess verhindert werden kann.

Da wir die Verantwortung für die Projekte langfristig in die Hände der lokalen Projektmitarbeiterinnen übergeben wollen, bieten wir für unsere Mitarbeiterinnen vor Ort zudem kontinuierlich Kurse in Projektmanagement, in der Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung sowie zu Frauen- und Menschenrechte, ziviler Konfliktbearbeitung und in der Dokumentation und (juristischen) Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen an Frauen an. Dabei hat sich insbesondere der Erfahrungsaustausch zwischen den medica mondiale-Projekten aus verschiedenen Ländern als sehr wertvoll erwiesen.

Fortbildung für Polizei, Krankenhäuser und Humanitäre Helfer

In Kriegs- und Konfliktregionen sind die psychischen und gesundheitlichen Folgen von Kriegstraumatisierungen meist unbekannt, von den Auswirkungen sexualisierter Gewalt ganz zu schweigen Um eine angemessenen Unterstützung von gewaltbetroffenen und traumatisierten Frauen auch außerhalb der eigenen Projekte zu fördern, bietet medica mondiale – teilweise mehrjährige – Fortbildungsprogramme und Trainings für medizinische, psychosoziale und andere Fachkräfte in Konflikt- und Nachkriegsregionen an. Darüber hinaus wird die Vernetzung unter den verschiedenen Einrichtungen und Berufsgruppen gefördert.

Um diese Fortbildungen auch längerfristig vor Ort anbieten zu können, werden die einheimischen Mitarbeiterinnen der medica mondiale Projekte selbst zu Trainerinnen ausgebildet. Zunehmend steigt die Nachfrage nach Trainingsangeboten auch seitens internationaler humanitärer Hilfs- und Nicht-Regierungsorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie von Friedenskräften und der Fachöffentlichkeit.

Beispiel Afghanistan

Zur langfristigen Verankerung frauenorienterter Behandlungsansätze im afghanischen Gesundheitswesen führt medica mondiale seit 2006 Trauma-Fachseminare für weibliches Krankenhauspersonal durch. Zunächst in Kabul, seit 2008 auch in Herat. Über drei Jahre hinweg erwerben 40 afghanische Ärztinnen, Krankenschwestern und Hebammen in fortlaufenden Fortbildungseinheiten Kenntnisse zum Umgang mit Gewalt gegen Frauen, Psychosomatik und traumasensitiven Untersuchungs- und Behandlungsmethoden. Dabei spielen auch Methoden zur Selbstfürsorge eine wichtige Rolle. Sie helfen dabei, zusätzlichen eigenen seelischen Belastungen durch die Arbeit mit traumatisierten Patientinnen vorzubeugen. Darüber hinaus werden in den Krankenhäusern Vorträge und Fachgespräche angeboten, die der Sensibilisierung des männlichen Personals dienen.

 

Hilfe für die HelferInnen

In Kriegs-, Konflikt- und Nachkriegsgebieten stehen Menschen, die in helfenden Berufen arbeiten, vor großen Herausforderungen. Sie selbst haben kaum Möglichkeiten, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten und eigene Verluste zu betrauern. Der Umgang mit gewaltbetroffenen und traumatisierten Frauen kann zu großen Verunsicherungen führen. Helferinnen fühlen sich überfordert und können keine angemessene Hilfestellung mehr bieten – oft überschreiten sie ihre persönlichen Grenzen, um den Bedürfnissen der Klientinnen gerecht zu werden. Für die Mitarbeiterinnen der Partnerprojekte vor Ort und auch für anderes Fachpersonal bietet medica mondiale daher Kurse an, in denen die Auswirkungen des Umgangs mit Psychotrauma und Gewalt auf die eigene Person und Strategien zur Vorbeugung von Burnout und Stellvertretender Traumatisierung vermittelt werden.

Internationaler Fachfrauenpool

medica mondiale arbeitet kontinuierlich am Aufbau eines weltweiten und fachübergreifenden Netzes von Fachfrauen für die Arbeit mit gewaltbetroffenen und kriegstraumatisierten Frauen. Ziel ist es, ein Netzwerk von Fachfrauen wie Therapeutinnen, Gynäkologinnen, Hebammen, Projektmanagerinnen, Juristinnen zu bilden, die mit dem frauenspezifischen Arbeitsansatz von medica mondiale vertraut sind, Möglichkeiten zum fachlichen Austausch haben und für Trainings oder Projektarbeit im In- und Ausland zur Verfügung stehen.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.