Armut reduzieren - Einkommen schaffen

Sind Kriege oder Konflikte überwunden, sind es oft die Frauen, die die Hauptlasten des Wiederaufbaus tragen. Sie müssen nicht nur mit den traumatischen Erfahrungen sexualisierter Kriegsgewalt leben, sondern auch mit anderen belastenden Folgen des Kriegs zu recht kommen: Tod von Familienangehörigen, Verlust von Eigentum und Arbeit, oft auch der Verlust von Heimat.

Frauen, die durch den Krieg ihre Männer verloren haben, müssen plötzlich allein für sich und ihre Kinder sorgen. Die wenigsten hatten zuvor einen Beruf erlernt. Ihre wirtschaftliche Lebensgrundlage war bislang meist durch den Ehemann oder die Großfamilie gesichert. Ohne männliches Familienoberhaupt sind sie oftmals zu einem Leben in Isolation und Armut verdammt. Unverheiratete Frauen, Witwen oder allein erziehende Mütter sehen sich in vielen patriarchalen Gesellschaften auch heute noch Diskriminierung und Anfeindung gegenüber. Ein selbst bestimmtes Leben bleibt vielen verwehrt.

Dazu kommt das Stigma der Kriegsvergewaltigung, das Frauen die Rückkehr in ein Leben ohne Gewalt und Unterdrückung zusätzlich erschwert. Vergewaltigte Frauen gelten oftmals als „Schande“ für ihre Familien und werden verstoßen. Folglich kämpfen viele Frauen nach dem Krieg mit der Armut, manche sehen sich aus purer Existenznot zur Prostitution gezwungen oder werden Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution – ein Schicksal, dass für diese Frauen die erschreckende Fortsetzung der im Krieg erlebten sexualisierten Gewalt bedeutet.

Auf eigenen Füßen stehen

 

Eine wichtige Säule in der Projektarbeit von medica mondiale ist die Schaffung von Erwerbsmöglichkeiten für Frauen. medica mondiale bietet berufliche Fortbildungen an und bindet Frauen in erwerbsfördernde Maßnahmen ein. In manchen Fällen werden Frauen auch in staatliche Ausbildungskurse vermittelt. Frauen sollen in der Lage sein, eigenständig ihren Lebensunterhalt zu sichern und selbstbestimmt ihre Zukunft zu gestalten. Einen Beruf zu erlernen und auf eigenen Beinen zu stehen, hilft der Armut zu entkommen und trägt gleichzeitig zur emotionalen und psychischen Stärkung der Frauen bei. Indem Frauen ökonomisch aktiv und unabhängig werden, können außerdem tradierte Rollenmodelle nach und nach aufgebrochen werden – auch für ihre Töchter. Die Einbindung von Frauen in berufliche Aktivitäten und Fortbildungen ist auch als präventive Maßnahme wichtig. Eine berufliche Perspektive hilft Prostitution und sexualisierter Ausbeutung zu entgehen.

 

 

Starthilfen für ein eigenständiges Leben

 

Der Anfang ist oft schwer – ohne eigenes Kapital können Frauen meist keine ökonomische Tätigkeit beginnen. Daher bietet medica mondiale Hilfe für den Start: In ländlichen Regionen wie zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo erhalten Frauen mit Unterstützung von medica mondiale Saatgut oder Ziegen, um sich und ihre Kinder versorgen zu können. In Kosova hilft medica Kosova Witwen mit Kühen, Traktoren und Bienenstöcken bei dem Aufbau einer eigenen Existenz als Bäuerin. Außerdem bildet medica Kosova die Frauen in der Qualitätssicherung und Vermarktung ihrer Produkte aus. Mit dem Verkauf von selbst hergestellten Produkten wie Honig und Käse verdienen die Bäuerinnen inzwischen einen Großteil ihres Lebensunterhaltes. In vielen Ländern ist es eine kleine Revolution, wenn Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und sich so über traditionelle Rollenmodelle hinwegsetzen. Vor allem bei Männern stößt die neue Eigenständigkeit der Frauen häufig auf Ablehnung und Widerstand. Sie akzeptieren sie oft erst dann, wenn sie selbst für sich einen Vorteil erkennen, zum Beispiel durch ein gestiegenes Familieneinkommen.

Berufskurse und Ausbildung

 

In Bosnien haben bereits über 600 Frauen an Ausbildungslehrgängen im Zentrum von Medica Zenica zur Friseurin, Schneiderin oder Möbelpolsterinnen teilgenommen und sich in Englisch- und Computerkursen zusätzliche Fähigkeiten angeeignet. In Albanien wurden 2007 rund 95 Frauen im Nähen oder im Kochen ausgebildet. Fast jede dieser Frauen hat inzwischen mit Unterstützung von medica Tirana einen Arbeitsplatz gefunden. Für Frauen, denen jegliche Bildung fehlt, werden in Liberia, in der Demokratischen Republik Kongo und in Afghanistan Alphabetisierungskurse angeboten. Die Berufs- und Weiterbildungskurse vergrößern nicht nur die Chancen der Frauen, Arbeit zu finden; sie ermöglichen und fördern auch den Kontakt und den Austausch der Frauen untereinander und wirken so ihrer Isolation und Vereinsamung entgegen.

 

 

Bildung von Kooperativen zur Selbsthilfe

 

medica mondiale fördert zudem die Selbsthilfe und die Solidarität der Frauen untereinander, damit sie sich gegenseitig helfen, ihr Überleben zu sichern. Mit viel Erfolg in Kosova: In den Dörfern rund um Gjakova haben sich über 200 Frauen in landwirtschaftlichen Selbsthilfegruppen als Genossenschaften zusammengeschlossen, sie teilen sich Traktoren und Arbeitsgeräte, betreiben gemeinsam eine Milchsammelstelle und helfen in anderen Dörfern weitere solidarische Kooperativen zu gründen. Der Erfolg dieses Konzeptes beruht auf der jahrelangen psychosozialen Beratungsarbeit mit diesen Frauen. Durch die langjährige Begleitung durch medica Kosova haben sie ihre Isolation überwunden und sich psychisch stabilisiert. Die geteilten Erfahrungen haben Vertrauen untereinander geschaffen – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sie sich heute zusammentun und gemeinsam Perspektiven für die Zukunft entwickeln.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.