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Wir unterstützen Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten.

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„Ich habe den Krieg überlebt, doch wie kann ich im Frieden überleben?“ 2014 lagen
uns die Ergebnisse einer Studie zu Langzeitfolgen von Kriegsvergewaltigungen vor, die
wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen von Medica Zenica durchgeführt haben. Die
Äußerung einer Bosnierin macht deutlich, wie sehr Überlebende auch Jahre später
noch mit den Folgen ihrer Vergewaltigung zu kämpfen haben.

Die Studie zeigt, dass wir betroffene Frauen gut in der Akutsituation und auch danach
begleiten konnten. Sie haben neuen Lebensmut geschöpft und sind ins Leben
zurück gekehrt. Aber die Studie zeigt auch: Die Vergewaltigungen und die allgemein
sehr schwierige Nachkriegssituation belasten ihr Leben bis heute. Viele Frauen fühlen
sich von der Gesellschaft und der Politik im Stich gelassen. Sie werden stigmatisiert,
ausgegrenzt und nach wie vor wird ihnen die Schuld für das Erlittene gegeben. Es fehlt
an staatlichen Strukturen, die die Frauen auf ihrem Bewältigungsweg unterstützen. So
sind weder das Personal im Gesundheitssystem oder in der Justiz darin geschult, von
sexualisierter Gewalt Betroffene fachgerecht zu begleiten. Mehr noch – es fehlt ein
Bewusstsein darüber, dass die Gewalt auch in Friedenszeiten tief in die Gesellschaft
hineinwirkt und Auswirkungen auf alle hat. Immer wieder müssen Initiativen und Kampagnen
angestoßen werden, damit die Vergewaltigungen nicht als Problem einzelner
Frauen abgetan werden. Immer wieder mahnen wir an, dass die patriarchalen Strukturen
als Ursache in den Blick genommen werden müssen. Sonst geht jeder noch so
gut gemeinte Vorstoß ins Leere.

Dies sehen wir auch heute, ein Jahr nach dem „Global Summit to End Sexual Violence
in Conflict“ in London. Wir haben den ernsthaften politischen Willen des ehemaligen
britischen Außenministers William Hague und der UN-Sonderbeauftragten Angelina
Jolie sehr begrüßt. War die Konferenz doch die erste, die auf einem hohen politischen
Level, explizit sexualisierte Gewalt in Konflikten auf die internationale Agenda gehoben
hat. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, einen weltweiten Kurswechsel in der öffentlichen
Wahrnehmung und in der Strafverfolgung der Täter einzuleiten. Doch auch diese Initiative
greift zu kurz. Wenn Kriegsvergewaltigungen weiterhin lediglich als Kriegstaktik
dargestellt und herrschende Männlichkeitsbilder – unter denen auch Männer leiden –
ausgeblendet werden, wird das Problem wieder und wieder als „Kriegsphänomen“ abgetan.
Damit bleibt ein echter Bewusstseinswandel aus und die Gewalt setzt sich fort.

Danke, dass Sie uns im letzten Jahr begleitet und unterstützt haben! Mit Ihrer Hilfe
können wir uns auch weiterhin für eine bessere, gerechtere Welt einsetzen.

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Ihre Spende ermöglicht Unterstützung, wenn Frauen und Mädchen Solidarität am nötigsten brauchen. Danke!

Seit Anfang des Jahres leitet die Aktivistin Angeles Martinez das neue Regionalbüro von medica mondiale in Burundi. Dort galt die Lage als relativ stabil. Doch wieder zeigt sich, wie trügerisch der Frieden in dieser Gegend sein kann. Das im Herzen der Region gelegene Land am großen Tanganjikasee hat sich anlässlich der Präsidentschaftswahlen sehr eindringlich in Erinnerung gerufen. Wieder sind Menschen bei Unruhen in Burundi ums Leben gekommen, erneut sind viele Frauen und Mädchen auf der Flucht. Das Misstrauen und die Furcht vor Instabilität und Chaos sitzen bei der Bevölkerung tief.

medica mondiale arbeitet mit lokalen Organisationen zusammen, um Überlebende auch in entlegenen Regionen zu erreichen und nachhaltige Hilfe zu ermöglichen. Wir fördern lokale Projekte, qualifizieren Fachkräfte und initiieren Kooperationen, die Frauen nachhaltig stärken.

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„Endlich etwas für uns“ – das waren die Anfänge, die Freude über die Entstehung des Frauenzentrums in Fishtown 2006. Seither wurde vieles erreicht: medica mondiale bildete lokale Beraterinnen aus, die Mitarbeiterinnen bauten Solidargruppen in entlegenen Dorfgemeinden auf, mehr als 30.000 Frauen und Mädchen wurden beraten, gefördert, über ihre Rechte aufgeklärt und gestärkt. Seit 2014 trägt die Frauenrechtsorganisation den Namen Medica Liberia und ging am 1.6.2015 endgültig in die Hände einheimischer Kolleginnen über. Anlass für einen Blick zurück, kommentiert von Frauen, die diese Entwicklung mit bewirkt und gestaltet haben.

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Seit 2006 engagiert sich medica mondiale in Liberia. Wie zuvor in den Projekten in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Afghanistan war es von Beginn an das Ziel, dass auch aus medica mondiale Liberia langfristig eine eigenständige Organisation wird. Nach neun Jahren war es dann soweit: Seit dem 1. Juni 2015 wird Medica Liberia offiziell von einheimischen Fachfrauen geführt.

Trotz der immer noch spürbaren Folgen der schweren Ebola-Krise, ist die Selbstständigkeit auch Grund zur Freude für uns und unsere Kolleginnen im Kosovo und Afghanistan. Mit dieser Video-Botschaft senden wir Glückwünsche nach Liberia und würdigen so die vielen großen und kleinen Schritte, die auf dem Weg zu einer liberianischen Frauenrechtsorganisation notwendig waren - und immer noch sind.

Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale: “Ich bin sehr stolz, dass ihr die Situation so stark und mutig gemeistert habt. Wir werden unseren Kampf für ein besseres Leben für Frauen und Mädchen in Liberia gemeinsam fortsetzen.“

Humaira Rasuli, Direktorin von Medica Afghanistan: „In Afghanistan sagen wir, dass es vom Wandel bis zur Veränderung ein Jahrzehnt dauert. Ihr werdet es schaffen!“

Sybille Fezer, Programm-Managerin für Liberia bei medica mondiale: „Wir wünschen euch die Flügel und die Freude eines Vogels, die Hartnäckigkeit und Ausdauer einer Schildkröte, die Beweglichkeit eines Bambus, die Schlauheit einer Maus, die Weisheit eines Eichhörnchens und die Liebe wahrer Menschlichkeit.“

Musik: www.audionautix.com

Copyright: medica mondiale

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Hintergrund


Medica Zenica und medica mondiale führten 2014 gemeinsam eine Studie mit 51 Überlebenden von Kriegsvergewaltigungen und sexueller Gewalt in Bosnien und Herzegowina durch. Die Frauen haben die Unterstützungsangebote von Medica Zenica während und nach dem Krieg in Anspruch genommen. Dies ist eine Zusammenfassung der Studie.


Vollständiger Titel der englischen Studie: "We are still alive. We have been harmed but we are brave and strong.” Second revised edition. (November 2014). © Medica Zenica & medica mondiale


Video über die wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen


Die Forschungsergebnisse dieser Studie weisen auf ein äußerst komplexes Bild hin: Die meisten Überlebenden leiden nach wie vor deutlich unter den Folgen ihrer Erfahrungen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die mittlerweile chronifizierte posttraumatische Dynamik, die Einschränkungen, die mit einer dauerhaft belasteten psychischen und physischen Gesundheit einhergehen, der wahrgenommene Mangel an sozialer Anerkennung und an Schutz, und schließlich die anhaltenden Belastungen im gegenwärtigen Leben spielen eine Rolle und interagieren miteinander. Gleichzeitig zeigen die Teilnehmerinnen unserer Studie aber auch beachtliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung. Sie versuchen, ihr Leben aktiv zu meistern und aus ihren Beziehungen Kraft zu schöpfen.


Mit Blick auf diese Komplexität formulieren wir Empfehlungen, die sowohl die Bedürfnisse der Überlebenden selbst reflektieren als auch den größeren gesellschaftlichen Kontext von Leid thematisieren, den wir in unseren Studienergebnissen aufzeigen konnten:Unsere Forschung hat deutliche Hinweise auf transgenerationale Folgen gefunden, also darauf, dass sich die Traumata der Überlebenden auch auf deren Kinder auswirken.

Deshalb müssen die folgenden Empfehlungen auch konzeptionell verbunden werden mit den internationalen Verpflichtungen, die der Staat und die Entitäten Bosnien und Herzegowinas haben und bei denen es insbesondere um den garantierten Zugang zu Gerechtigkeit und Wiedergutmachung geht; sie müssen ebenfalls im Kontext der nationalen Friedensschaffungs- und Versöhnungsagenda verstanden werden.

Forscherinnen: Sabiha Husic, M.Sc., Irma Šiljak, Emina Osmanovic, Ferida Ðekic, Lejla Heremic


Consultants: Dr. Simone Lindorfer, Dr. Elvira Durakovic-Belko, Andreja Dugandžic, Nejra Cengic

Videoproduktion: Basti Hansen und Gil Nissan

Die deutsche Zusammenfassung der Studie und die englische Originalversion finden Sie in unserer Mediathek.

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Hintergrund

Im Jahr 2014 führten Medica Zenica und medica mondiale in enger Kooperation eine Studie mit 51 Überlebenden von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt im Krieg aus Bosnien und Herzegowina durch, die die Unterstützungsangebote von Medica Zenica während des Kriegs und nach dem Krieg in Anspruch genommen hatten. Dies ist die Zusammenfassung der englischen Studie, der vollständige englische Titel lautet: "We are still alive. We have been harmed but we are brave and strong." (November 2014).

Zur Studie

Die beiden Organisationen formulierten in der Vorbereitungsphase die folgenden vier Hauptforschungsfragen:

  • Welchen Einfluss haben Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt im Krieg auf das Leben der Überlebenden, auf ihr psychisches Wohlbefinden, ihre Gesundheit, ihre Beziehungen und auf Familiensysteme?
  • Wie geht die bosnische Gesellschaft mit Überlebenden von Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt im Krieg heute um? Inwieweit sind Überlebende Teil der Gesellschaft, wenn man ihre rechtliche, soziale, gesundheitliche und psychosoziale Situation betrachtet?
  • Was hat den Überlebenden die Kraft gegeben, ihr Leben nach den Kriegsvergewaltigungen weiterzuführen? Was sind ihre Bewältigungsmechanismen, und wie haben sich diese in den zwei Jahrzehnten nach ihren traumatisierenden Erfahrungen entwickelt?
  • Welche Bedeutung hat Medica Zenicas Arbeit für die Bewältigungsprozesse der Überlebenden? Was war dabei am wichtigsten für die Frauen, und welche Hilfsangebote haben sie am meisten unterstützt?

Forscherinnen: Sabiha Husi?, M. Sc., Irma Šiljak, Emina Osmanovi?, Ferida Ðeki?, Lejla Heremi?

Consultants: Dr. Simone Lindorfer, Dr. Elvira Durakovi?-Belko, Andreja Dugandži?, Nejra ?engi?

Referenzgruppe/Redaktionsteam: Sabiha Husi?, M. Sc., Dr. Elvira Durakovi?-Belko, Irma Šiljak, Dr. Monika Hauser, Dr. Simone Lindorfer, Kirsten Wienberg, Karin Griese

Das zusammenfassende Video der Studie sowie die englische Orignialversion ist ebenfalls in der Mediathek.

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Mehr als tausend Frauen und Männer trafen sich vom 27. bis 29. April 2015 in Den Haag, um den 100. Geburtstag der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) zu würdigen. AktivistInnen aus 80 Ländern diskutierten über Geschlechtergerechtigkeit, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklungsziele – darunter Mitarbeiterinnen von medica mondiale, Medica Zenica und Medica Afghanistan. Sybille Fezer, Programm-Managerin Liberia, schildert ihre Eindrücke von der Konferenz. 

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