Liberia: mehr Schutz vor Gewalt gegen Frauen sicherstellen

Köln, 5. März 2017

Gewalt gegen Frauen bleibt in Liberia eins der größten Probleme. Mit unseren Schutznetzwerken wollen wir lokal Frauen und Mädchen traumasensibel und nachhaltig unterstützen. Gleichzeitig wollen wir das Thema Frauenrechte langanhaltend in Politik und Gesellschaft verankern. Unsere Arbeit in Liberia steht beispielhaft für die Grundprinzipien unserer Arbeit in unseren Projekten. Das Engagement von medica mondiale in Kriegs- und Krisengebieten soll Frauen und Mädchen, die von sexualisierter oder anderer geschlechterspezifischer Gewalt betroffen sind, nachhaltig und auf Augenhöhe unterstützen.

Evaluation bestätigt: Gewalt gegen Frauen bleibt eines der größten Probleme

Das Wandbild im Büro von Medica Liberia zeigt ein modernes Rollenverständnis, bei dem Frauen am Einkommen teilhaben und auch Männer sich um Kinder und Feldarbeit kümmern. Foto: Lena Reul/medica mondiale
„Zukunft ist, wenn Frauen und Männer sich gleichberechtigt um Feldarbeit und Kinder kümmern.“ Wandgemälde im Büro von Medica Liberia.

Zwei von drei Frauen wurden während des 14-jährigen Bürgerkriegs in Liberia in manchen Regionen vergewaltigt. Diese Gewalt und die daraus resultierenden Traumata wirken bis heute nach und es fehlt an psychosozialer Betreuung und medizinischer Versorgung für Betroffene sexualisierter Gewalt.

„Gewalt gegen Frauen und Vernachlässigung von Unterhaltspflichten bleiben die größten Probleme“ fasst eine aktuelle Evaluation die Lage zusammen. Das Gutachten bewertete unser dreijähriges Projekt „Nein zu Nachkriegs-Gewalt gegen Frauen: Errichtung von Solidaritäts- und Schutznetzwerken“ in Liberia. In 50 Dorfgemeinschaften im Südosten Liberias hat medica mondiale in den letzten drei Jahren Solidargruppen gegründet, die als Anlaufstellen fungieren. Weit mehr als 100 Frauen wurden zu Dorfberaterinnen ausgebildet, die von Gewalt betroffene Frauen traumasensibel beraten und bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen. Denn für die Betroffenen ist es leichter, sich einer Frau aus ihrem vertrauten Umfeld zu öffnen.

„Wir begleiten die Frauen längerfristig. Wir lassen sie nicht im Stich und drehen ihnen nicht den Rücken zu, sondern begleiten sie so lange, bis wir sicher sind, dass sie es aus eigener Kraft schaffen.“

Nicht immer läuft alles nach Plan und ein langer Atem ist notwendig. Unerwartete Ereignisse, wirtschaftliche Schwierigkeiten und hartnäckige Gewohnheiten machen Improvisation und Verbesserungen erforderlich. So wie die Ebola-Krise 2014. Sie hat die Projekte von Medica Liberia für ein Jahr ausgebremst, doch die bis dahin geknüpften Solidarnetzwerke haben die Frauen sehr effektiv zur Ebola-Vorbeugung und -Bekämpfung genutzt.

Theresa Dunbar, psychosoziale Beraterin bei Medica Liberia. Foto: Lena Reul/medica mondiale
Theresa Dunbar, psychosoziale Beraterin bei Medica Liberia.

„Ich war eine ganz gewöhnliche Frau, als Medica Liberia in meinem Dorf mit Informations- und Aufklärungsveranstaltungen begann. Wir Frauen nahmen es bis dahin als etwas Normales hin, dass Männer uns schlagen und gewalttätig sind“, berichtet Theresa Dunbar.

Seit fast zehn Jahren arbeitet sie für Medica Liberia und kennt Hunderte Fälle von sexualisierter und familiärer Gewalt. Sie weiß um vernachlässigte Unterhaltspflichten und kennt die Nöte ehemaliger Kindersoldatinnen. Fast täglich vertrauen ihr Frauen und Mädchen ihre Alpträume, ihre Schmerzen und ihre finanziellen Probleme an.

Theresa hilft. Sie ist mittlerweile in psychosozialer Beratung ausgebildet und gibt den Gefühlen der Frauen Raum. Wenn nötig, begleiten sie und ihre Kolleginnen Betroffene zu ÄrztInnen, Polizeidienststellen und vor Gericht.

Die Mitarbeiterinnen von Medica Liberia kooperieren eng mit dem staatlichen Gesundheitssystem: Sie trainieren Gesundheitsfachkräfte zu den Themenbereichen sexualisierte Gewalt, Trauma-Folgen sowie Selbstfürsorge und beteiligen sich an Aufklärungskampagnen.

„Ich erinnere mich an eine Überlebende, die verlassen und ausgestoßen worden war. Sie war immer völlig abhängig von Männern. Inzwischen steht sie auf eigenen Füßen. Es war jemand für sie da, die ihr zur Seite gestanden hat. Das macht uns aus.“

Schutznetzwerk nun auch in Monrovia

Darstellung des Schutznetzwerks für Frauen und Mädchen (zum Vergrößern bitte klicken).

Solidargruppen,  Girls Clubs und Sensibilisierungsmaßnahmen für gesellschaftliche Schlüsselpersonen sollen ab sofort auch in Monrovia Mädchen und Frauen vor sexualisierter Gewalt schützen und Überlebende wirksam unterstützen: Medica Liberia wird dazu 60 Frauen in traumasensibler Beratung schulen, die in ihren Gemeinden Solidargruppen gründen, um Frauen mit Gewalterfahrungen zur Seite zu stehen. Außerdem betreiben die Gruppen Aufklärungsarbeit zu geschlechtsspezifischer Gewalt.

Auch Männer sind eine wichtige Zielgruppe: Etwa die Dorfältesten, die traditionell kleinere
Streitigkeiten in den Gemeinden schlichten und andere Respektspersonen. Oder die sogenannten Watch Groups, die wegen der oft mangelhaften Polizeipräsenz in ihrer Gemeinschaft für Sicherheit sorgen. Alle werden sie ermutigt, sich mit Gewalt gegen Frauen, mit Machtmissbrauch und Geschlechterrollen auseinanderzusetzen, um Übergriffen vorzubeugen und einem respektvollen und gewaltfreien Miteinander den Weg zu ebnen.

Erkenntnisse aus der Evaluation werden genutzt

Die Erkenntnisse aus dem Gutachten schlagen sich in einigen wichtigen Anpassungen nieder. So werden beispielsweise mehr feste Ansprechpartnerinnen die Solidargruppen in den Dörfern als fachliche Mentorinnen begleiten. Zudem unterstützt Medica Liberia Spargruppen, die die Frauen in den Solidargruppen finanziell absichern – zum Beispiel bei Gerichtsverfahren oder wenn ärztliche Behandlung erforderlich wird. Die Trainingsmaterialien für die Solidargruppen werden vereinfacht und durch Bildmaterial für die praktische Aufklärungsarbeit ergänzt.

Langfristige Unterstützung schafft Nachhaltigkeit

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