Logo: medica mondiale e.V.

Wir unterstützen traumatisierte
Frauen und Mädchen
in Kriegs- und Krisengebieten

-> English English Version of the main contents -> Suchen -> Sitemap -> Impressum -> AG Login

-> Klicken und helfen!
->Projekte
|->Weltkarte
|->Projektefonds
|->Afghanistan
|->Albanien
|->Bosnien
|->Demokratische
|Republik Kongo

|->Indonesien: Aceh
|->Kosova
|->Liberia
|->Sudan
|->Uganda
->Trauma-Arbeit
->Menschenrechte
->Gerechtigkeit
->Spenden+
aktiv werden

->Aktionsgruppen
->Presse/
Materialien

->Bibliothek
->Wir bei
medica mondiale

->Kontakt
->Links
->Startseite

->Navigation mit
der Tastatur

->Druckversion

Länderinformation

Demokratische Republik Kongo

Die Demokratische Republik Kongo kann als kollabierter Staat bezeichnet werden. Anfang der 90er Jahre waren aufgrund beispielloser Korruption die staatlichen Zentralstrukturen fast vollständig zusammengebrochen. Eine von Ruanda und Uganda unterstützte Rebellenallianz unter Laurent Kabila konnte 1996 innerhalb weniger Monate das Mobutu-Regime überrennen. Das dann folgende Zerwürfnis zwischen Kabila und seinen Alliierten führte zu dem Krieg, der aufgrund von fast vier Millionen Toten und der militärischen Beteilung von acht afrikanischen Staaten als „Afrikanischer Weltkrieg“ bezeichnet wird. Er begann 1998 mit der Invasion Ruandas und Ugandas in den Kongo und endete offiziell mit dem Abzug aller ausländischen Truppen und der Entwaffnung der Kriegsparteien durch die kongolesische Regierung im Jahr 2003. Während es in der Hauptstadt Kinshasa in den folgenden Jahren relativ ruhig blieb, hielten im Ostkongo die Gewalt und Vertreibung an.

Im Jahr 2006 wurden in der Demokratischen Republik Kongo die ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit 1960 abgehalten, bei der sich Joseph Kabila im zweiten Wahlgang gegen Jean Pierre Bemba durchsetzte. Trotz dieser Entwicklungen ist vor allem der destabilisierte Osten des Landes weiterhin ein Unruheherd. Sowohl die neuen nationalen Regierungstruppen als auch die verschiedenen bewaffneten Rebellengruppen töten, vergewaltigen und terrorisieren die Zivilbevölkerung. In der Region sind neben den Regierungstruppen vor allem die Milizen der Hutu-Extremisten und die Mayi-Mayi-Fraktionen, einst entstanden als lokale Verteidigungsgruppen gegen die ausländischen Invasoren, für die anhaltende Unsicherheit und massive Verletzungen der Menschenrechte verantwortlich. Allein seit Januar 2007 wurden etwa 250.000 Menschen auf Grund der andauernden Gewalt zu Flüchtlingen im eigenen Land. Über eine Million Menschen gelten weiterhin als intern Vertriebe, davon mehr als 650.000 in den Ostprovinzen des Landes.

Seit Juni 2004 ermittelt der Internationale Strafgerichtshof in der Demokratischen Republik Kongo wegen schwerer Verstöße gegen das Völkerrecht. Bei einem informellen Treffen der EU-Entwicklungsminister im September 2007 forderten die Minister in einer gemeinsamen Erklärung den Chefankläger auf, die jüngsten Fälle von Gewalt gegen Frauen in die laufenden Untersuchungen einzubeziehen.

Gewalt gegen Frauen als Kriegsstrategie

Massive sexualisierte Gewaltakte gegen Frauen und Mädchen wurden von allen Kriegsparteien in der Demokratischen Republik Kongo systematisch als Kriegsstrategie eingesetzt, um die weibliche Bevölkerung psychisch und physisch zu zerstören und ihre Familien einzuschüchtern und zu demütigen. Abertausende Frauen und Mädchen wurden von allen Seiten verschleppt, in den Militärlagern gefangen gehalten, zur Verrichtung verschiedener Arbeiten wie Kochen, Waschen, Feuerholz und Wasser holen etc. gezwungen und vor allem sexuell versklavt. Über 40.000 Frauen und Mädchen wurden von 1998 bis 2004 nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation vergewaltigt. Die Zahl liegt vermutlich weitaus höher, da ein Großteil der Gewalttaten gar nicht erfasst wird. Hinzu kommt, dass es sich gerade im Kontext von Angriffen und Überfällen häufig um Mehrfach- und Gruppenvergewaltigungen handelt. Auch Vergewaltigungen von Männern und Jungen werden zunehmend gemeldet. Zu den Gräueltaten, die an Frauen und Mädchen begangen wurden, gehören neben Mord, Versklavung und Vergewaltigungen auch Verstümmelungen, die absichtliche Übertragung von HIV sowie erzwungene Schwangerschaften.

Und auch seitdem der Kongokrieg 2002 für beendet erklärt wurde, ist ein Ende der Gewalt und der sexualisierten Übergriffe gegen Frauen nicht in Sicht. Den Meldungen medizinischer Zentren zufolge hat sie im Nordosten sogar noch zugenommen. Allein in den beiden Kivu-Provinzen wurden laut Medienberichten seit 2003 etwa 60.000 Fälle von Vergewaltigung registriert. Zu den Tätern zählen alle Armee- und Rebellengruppen.

Das Ausmaß der sexualisierten Gewalt spiegelt gleichzeitig ein enormes gesellschaftliches Dilemma wieder: die Missachtung der kongolesischen Frauen. Die Schuld für eine Vergewaltigung wird von Seiten der Gesellschaft stets den Überlebenden selbst zugewiesen. In den seltensten Fällen kommt es zur juristischen Verfolgung der Täter oder aber die erlittene Gewalt wird zwischen Familien oder auf Dorfebene zum Gegenstand von „Verhandlungen“, meist aus der Welt zu schaffen durch Zahlung eines kleineren Betrages. Aus Scham über ihre Vergewaltigung vermeiden viele Überlebende zum Arzt zu gehen oder sich psychosoziale Unterstützung zu suchen, auch wenn dies dringend notwendig wäre. Die gesundheitliche Situation der Überlebenden sexualisierter Gewalt, psychisch wie physisch, ist daher katastrophal.
 


medica mondiale
fördert hier drei Projekte:
-> Selbsthilfegruppe „Faraja“ der Frauenorganisation PAIF in Kalehe
-> Selbstständigkeit für kongolesische Frauen in Kalungu
-> Medizinische Hilfe und soziale Unterstützung für 87 Mädchen und Frauen, die Vergewaltigungen und sexualisierte Folter überlebt haben in Goma

 

Helfen Sie uns mit Ihrer -> Spende bei der Unterstützung von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten in aller Welt!

© medica mondiale e.V. ·  10.10.2007