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Langfristige Begleitung von Frauen und Mädchen – Follow up

Porträt einer RückkehrerinGewalt gegen Frauen und Mädchen ist Alltag im Nordirak. Frauen im Nordirak, dem Irakisch-Kurdistan, sind in ihren Rechten auf ein selbst bestimmtes Leben weitgehend eingeschränkt. Durch ein „Roll-Back“ gesellschaftlicher Traditionen sind sie längst vergangen geglaubten Verhaltens- und Unterdrückungsmustern ausgesetzt: verweigert ein Mädchen oder eine Frau die arrangierte Zwangsverheiratung oder versucht zu fliehen, droht ihr nach wie vor die „Ehrentötung“ durch die eigene Familie. Unter anderem treibt die Angst vor dem Tod „im Namen der Familienehre“ viele junge Frauen in den Suizid. Weit verbreitet im Nordirak ist die Genitalverstümmelung von Frauen. Eine Studie der Partnerorganisation wadi e.V. im Jahr 2004 hat ergeben, dass in der Region um die Stadt Suleymania über 900 von 1500 befragten Frauen beschnitten sind.

Die Frauen haben nur wenig Zugang zu Bildung, vor allem in den ländlichen Gebieten. Die Partnerorganisation wadi initiiert Bildungs- und Alphabethisierungskampagnen als auch zwei Schutzhäuser, wie z.B. das Nawa Zentrum in Sulimaniah für Frauen (s.u.). Angebunden an diese Zentren fahren mobile Teams, bestehend aus Sozialarbeiterinnen und einer Ärztin, in die Armenviertel der Städte und in abgelegene Dörfer. Sie bieten den Frauen oft die einzige Möglichkeit der medizinischen Behandlung, der Beratung bei familiären Problemen und Informationen zu ihren Rechten.

Durch die Arbeit in den Schutzhäusern und in den mobilen Teams wird deutlich, dass die Frauen und Mädchen langfristig begleitet werden müssen. Als Obdachlose, Binnenvertriebene oder Klägerinnen befinden sich die Betroffenen in sehr unterschiedlichen Situationen und brauchen individuelle Beratung. Dafür bedarf es Expertinnen, die diese einzelnen Fälle im nötigen Umfang bearbeiten und beispielsweise bei einem Gerichtsverfahren einen Beistand leisten können. Eine solche Expertinnengruppe kann den Frauen dabei helfen, sich ihrer Rechte bewusst zu werden und diese auch innerhalb der Familie zu verteidigen.

medica mondiale unterstützte 2005 das wadi-Projekt “Follow up the cases of violence against women and girls” durch die Finanzierung einer Rechtsanwältin und einer Sozialarbeiterin.

 

NAWA Frauenzentrum

Projektförderung in Sulimaniah, Nordirak

Der Grat der Lebensmöglichkeiten der Frauen im Irak ist nach wie vor ausgesprochen schmal, die Bedingungen ihrer Lebensrealität sind erschütternd. Gewalt gegen irakische Frauen und die Verletzung ihrer Menschenrechte bestimmen deren Alltag: Beschneidungen, sexualisierte Gewalt und Folter sind weit verbreitet. Bereits seit 2003 wurde das von der Organisation WADI e.V. gegründete Frauenzentrum „NAWA-Centre for Women in Distress“ im Nordirak durch den medica mondiale-Projektefonds unterstützt. Mit der Förderung wurden u.a. die Gehälter für Personal – Koordinatorin, Sozialarbeiterin und Nachtschwester – finanziert. 18 Frauen in akuten Notlagen erhalten mit ihren Kindern im NAWA-Zentrum gleichzeitig Schutz und Unterkunft, medizinische und psychologische Versorgung. Das Projekt bietet den Frauen zusätzlich berufliche Weiterbildung und juristischen Beistand an. Seitdem Zentren wie NAWA bekannt geworden sind, suchen viele Frauen diese Schutzräume auf, denn der Bedarf an Schutzraum für die Frauen im Irak ist groß.


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© medica mondiale e.V. ·  12.04.2007