Psychosoziale Begleitung und Ausbildung

Die ganzheitliche Betreuung und Beratung von Frauen steht im Mittelpunkt des Unterstützungsangebotes im Frauenzentrum. In Traumabewältigung ausgebildete Fachkräfte helfen den Frauen dabei, ihre Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Ziel der Beratungsarbeit ist es, dass die Frauen wieder Vertrauen in sich, ihre Umwelt und in eine lebenswerte Zukunft aufbauen. Zukunftspläne zu schmieden ist für die meisten Frauen im Zentrum eine ganz neue Erfahrung, denn bisher bedeutete Zukunft für sie nur, den nächsten Tag zu erleben.

Die Verarbeitung der erlebten Gewalt ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt einen Neuanfang starten zu können. In Einzelgesprächen oder bei den Frauentreffen erzählen die Frauen von Alpträumen, von Frauen, die nur noch vor sich hinstarren, Gewicht verlieren, mit niemandem mehr sprechen, den ganzen Tag Alkohol trinken, unentwegt zittern. Sie erzählen vom Tod  ihrer Ehemänner und Kinder, von Häusern, die niedergebrannt oder von Rebellen besetzt wurden, von  Feldern, die über Nacht zerstört wurden und von ihrem Leben, das während des 14jährigen Bürgerkriegs fast nur aus einem bestand: Die Kinder schnappen und „rennen, rennen, rennen“. Sie berichten auch davon, wie sie in dieser Zeit vergewaltigt wurden, meist mehrmals und von vielen Männern gleichzeitig, manchmal vor den Augen ihrer Familie. Sie wurden mit Gegenständen oder Gewehren verstümmelt und mussten den Übergriffen an ihren minderjährigen Töchtern zusehen, die zum Teil noch Kleinkinder waren.

In Liberia ist es Tabu, über Vergewaltigungen zu sprechen. Der geschützte Raum des Frauenzentrums macht den Frauen jedoch Mut, sich zu öffnen, statt ihre Erfahrungen ungeteilt im Innern aufzubewahren. Wichtig ist, bei den Frauen ein Bewusstsein für das Unrecht zu schaffen, das ihnen angetan wurde: Dass nicht sie Schuld sind an dem, was ihnen täglich widerfährt, und dass Vergewaltigungen schwere Menschenrechtsverletzungen sind.

Ausbildung und Alphabetisierung

Das Zentrum bietet den Frauen auch die Möglichkeit, ein Handwerk sowie Lesen und Schreiben zu lernen. Fast 60 Prozent der liberianischen Frauen sind Analphabetinnen. Ein festes Einkommen ist für viele der einzige Weg, um der wirtschaftlichen Ausbeutung zu entkommen und um erstmals ein selbst bestimmtes Leben führen zu können. Am liebsten wollen die Frauen nähen und Frisuren legen lernen. Auch wollen die Frauen im Zentrum einen Backofen einrichten, damit sie Brot backen können; und ein kleines Restaurant für Durchreisende. Manche von ihnen sind aus dem zerstörten Fish Town nie wirklich  herausgekommen – außer auf der Flucht während des Krieges. Daher veranstalten die Mitarbeiterinnen von medica mondiale Video- und Filmabende, damit die Frauen mehr von der Welt kennen lernen.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.

Projektinformation

Lesen Sie unsere aktuelle Projektinformation Liberia.

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