Frauen in Liberia

Auch nach dem Bürgerkrieg sind Frauen nicht sicher vor Gewalt und Ausbeutung.

Der Bürgerkrieg hat Liberia an den Rand des wirtschaftlichen Abgrunds geführt. Obwohl das Land reich an natürlichen Ressourcen ist, leben über drei Viertel der LiberianerInnen in Armut: Die Infrastruktur ist zerstört, die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 Prozent und ein Gesundheitssystem existiert so gut wie nicht. Etwa 46 Prozent der Bevölkerung gelten als unterernährt. Die Kindersterblichkeit ist mit fast 15 Prozent extrem hoch. Der Krieg hat zum Verfall gesellschaftlicher Normen und Werte geführt und die Gewaltbereitschaft ist enorm gestiegen. Die Bilanz für die Menschen ist verheerend: Etwa 50.000 Menschen wurden getötet, zeitweise waren bis zu ein Drittel der Bevölkerung auf der Flucht. 50-70 Prozent der Liberianerinnen wurden in dieser Zeit vergewaltigt und sexuell missbraucht. Eine ebenso große Zahl von Frauen wurde verstümmelt, gefoltert und als Soldatinnen in den Krieg gezwungen.

Armut macht Frauen besonders verwundbar

Die Lebensbedingungen in der Nachkriegszeit sind für Frauen besonders hart. Die meisten müssen sich und ihre Kinder alleine ernähren. Zusätzlich werden sie wirtschaftlich ausge-beutet: Sie sind zu schwersten körperlichen Arbeiten auf dem Feld gezwungen, während die Männer sich ihrer Verantwortung für den Unterhalt der Familie entziehen. Viele sehen einen Ausweg aus der Armut nur, indem sie sich prostituieren. Oder sie lassen sich in ihrer Not von den so genannten „Sugar Daddys“ aushalten, ältere Männer, die sie wie Leibeigene behandeln.

Normalisierung sexualisierter Gewalt nach dem Krieg

Auch nach dem Krieg gehen die Vergewaltigungen weiter, sind Frauen – vom Kleinkind bis zur alten Frau – Opfer alltäglicher sexueller Nötigung. Frauen werden von den Männern ihrer Dörfer vergewaltigt, Mädchen in Schulen und auf den Straßen permanent angegriffen. Die täglichen Übergriffe in den Dörfern sind die grausame Fortsetzung des Bürgerkriegs, in denen Vergewaltigung zur Kriegsstrategie gehörte. Auch die Gewalt in den Familien ist nach dem Ende des Bürgerkriegs deutlich angestiegen. Auf psychosoziale Betreuung oder medizinische Versorgung können die Frauen jedoch selten zurückgreifen. Dies ist besonders schlimm, da sich viele Frauen durch die Vergewaltigungen mit HIV/Aids infizieren.
Aus Angst und Scham sprechen viele Frauen nicht über die Übergriffe. Denn in den Augen der Männer ist eine Frau immer selbst Schuld an ihrer Vergewaltigung. Auch Familien und Dorfgemeinschaften reagieren mit der sozialen Ächtung der Frau.

Unterdrückung gehört zum Alltag

Neben wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung sind liberianische Frauen auch anderen Formen der Gewalt ausgesetzt: Beim geringsten Verdacht des Ehebruchs werden sie an Körperteilen und Gliedmaßen verstümmelt oder mit Säure verbrannt. Auch kann es passie-ren, dass Frauen und Mädchen für Rituale willkürlich umgebracht werden. Denn es heißt, die Seele einer Frau, vor allem einer Jungfrau, sei das beste rituelle Opfer. Viele Männer glauben zudem, dass sie ihre Potenz steigern, wenn sie mit einer Jungfrau schlafen. Darüber hinaus ist es üblich, Mädchen bereits als Minderjährige zu verheiraten, was eine erschreckend hohe Anzahl an Schwangerschaften im Teenageralter zur Folge hat.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.

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