Das Schweigen brechen – psychosoziale Beratung

Viele Kosovarinnen haben während des Krieges Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt erlebt. Aus Angst vor Stigmatisierung und Ausgrenzung schweigen viele Frauen jedoch über das, was ihnen angetan wurde. Denn in der stark patriarchalischen Gesellschaft des Kosovos sind Kriegsvergewaltigungen Tabu. Allgemein gilt, dass eine vergewaltigte Frau die Familienehre beschmutzt. Statt Unterstützung von ihrer Familie zu erhalten, werden die betroffenen Frauen zusehends isoliert. Das jahrelange Schweigen belastet die Frauen zusätzlich und verstärkt ihre Trauma-Symptome.

medica Kosova bietet den Frauen spezielle Beratungs- und Therapieangebote an. Einzeln und in Gruppen können die Frauen mit den Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen von medica Kosova über ihre traumatischen Erfahrungen sprechen und sich so langsam wieder stabilisieren. Außerdem erhalten die Frauen Unterstützung in lebenspraktischen Dingen wie der Suche nach einem Arbeitsplatz oder der Verbesserung ihrer Wohnsituation. Inzwischen nehmen Frauen in rund 38 Dörfern der Landkreise Gjakova, Deqan und Prizren an den psychosozialen Beratungen teil. Allein im Jahr 2007 wurden 18 Mädchen- und Frauengruppen angeleitet. So konnten rund 260 Frauen psychosoziale Einzel- und Gruppenberatung erhalten.

Trauerbegleitung

Fast alle Kosovarinnen haben durch den Krieg Familienmitglieder verloren. Häufig mussten sie der gewaltsamen Ermordung ihrer Ehemänner zusehen. Manche warten bis heute noch auf Nachrichten, ob ihre vermissten Familienangehörigen leben oder tot sind. Die Ungewissheit über das Schicksal enger Angehöriger in Verbindung mit den erschütternden Erfahrungen des Krieges erschweren den Frauen häufig den Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Oftmals kann ein wirklicher Trauerprozess erst dann beginnen, wenn die toten Körper ihrer Angehörigen identifiziert und zurückgebracht worden sind.

In der Umgebung von Gjakova unterstützt medica Kosova Frauen, die im Krieg ihre Söhne, Väter oder Ehemänner verloren haben oder deren Familienangehörige weiterhin vermisst werden. Die medica-Mitarbeiterinnen helfen den Frauen bei der Verarbeitung des Verlustes, damit sie wieder innere Stabilität und neue Lebensperspektiven entwickeln können. In einem ersten Schritt werden die Frauen dabei unterstützt, ihre vermissten Angehörigen zu finden. Viele der im Krieg getöteten Kosovaren wurden in serbischen Massengräbern begraben, was die Suche erschwert. medica Kosova begleitet die Frauen bei der Identifizierung und bei der erneuten Bestattung der Toten, wenn diese aus Massengräbern exhumiert und in ihre Heimatorte zurückgebracht werden. Viele Frauen realisieren erst nach der Bestattung ihrer Familienangehörigen den Verlust und benötigen besondere Unterstützung.

Rund 175 Frauen stand medica Kosova in 2007 in ihrer Trauer zur Seite. Etwa  60 Frauen warten noch immer auf Nachricht über vermisste Angehörige.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.

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