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Demokratische Republik Kongo

Medizinische Hilfe für vergewaltigte Frauen im Süd-Kivu

Projektförderung in Kaniola, Demokratische Republik Kongo (DR Kongo)

Frauen im Osten der DR Kongo sind schockierender sexualisierter Gewalt und Brutalität ausgesetzt. Laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden allein in 2007 mehr als 6 000 Frauen in der Provinz Süd-Kivu vergewaltigt. Frauen leben in ständiger Angst vor Plünderungen, Vergewaltigungen und Zwangsprostitution. Für die meisten Verbrechen sind Rebellengruppen verantwortlich, die nach dem Völkermord in Ruanda in den neunziger Jahren in die DR Kongo geflüchtet sind. Ein Teil der registrierten Fälle geht jedoch auch auf Soldaten der Regierungstruppen und Polizisten zurück.

Seit Ende 2007 fördert medica mondiale ein Projekt von AFPDE (Association des Femmes pour la Promotion et le Développement Endogene) in Kaniola, einer Gemeinde in der Krisenprovinz Süd-Kivu. Die kongolesische Frauenorganisation bietet Opfern der brutalen Vergewaltigungen im Süd-Kivu medizinische Erstversorgung und Gesundheitsberatung an.

Erst im Mai 2007 hatten Rebellen in zwei Dörfern der Kaniola-Gemeinde ein Massaker unter der Zivilbevölkerung verübt. Nach Angaben von AFPDE töteten sie rund 30 Zivilpersonen, verschleppten und vergewaltigten zahlreiche Frauen. In der Region wurden insgesamt 1.000 Fälle sexualisierter Gewalt registriert, die tatsächliche Zahl dürfte jedoch weit höher liegen. Die meisten Opfer haben Angst, von den Übergriffen zu berichten, oder sie haben die Verbrechen nicht überlebt.

Bericht einer Überlebenden

Z. ist 35 Jahre alt. Sie lebt im Dorf Kaliba im Osten des Kongo. Am 12. August 2007 nähern sich ihr vier Männer aus dem Wald – während sie auf dem Feld arbeitet. Sie befehlen ihr, ihnen etwas zu Essen zu geben. Als sie sagt, dass sie nichts habe, fesseln sie sie, stecken ihr Cassava-Blätter in den Mund, damit sie nicht schreien kann, und vergewaltigen sie. Sie lassen sie gefesselt auf dem Boden liegen, bis Bauern von den Nachbarfeldern sie schließlich finden und sie in ein Krankenhaus bringen. Als sie das Krankenhaus, noch immer schwer krank, verlässt, weigert sich ihr Ehemann, weiter mit ihr zusammen zu leben. Er jagt sie aus dem Haus, da er Angst hat, sie habe sich mit dem HIV/AIDS-Virus angesteckt. Jetzt lebt sie allein in einem kleinen Haus mit ihren vier Kindern unter sehr schwierigen Bedingungen.

Medizinische Versorgung für 250 Frauen in Kaniola

AFPDE unterstützt rund 250 Frauen in der Gemeinde Kaniola, die besonders dringend medizinische Hilfe benötigen. Durch die Vergewaltigungen, bei denen die Täter Gegenstände wie Stöcke, heiße Plastikteile und sogar Glasscherben benutzen, haben viele der Frauen Risse in der Vagina und im Darm und können weder Harn noch Stuhl halten. Bei manchen der Frauen und jungen Mädchen sind Gebärmutter und Vagina komplett zerstört. Viele haben sich zudem mit dem HIV/AIDS-Virus infiziert.

Für viele Vergewaltigungsopfer sind Hilfsorganisationen wie AFPDE oftmals die einzige Chance, medizinisch versorgt zu werden. Um in die weit entfernt liegenden Krankenhäuser zu fahren, fehlt den Frauen meist das Geld. Zudem liegen die Dörfer unzugänglich in den Wäldern, es gibt keine Straßen, keine Telefone. AFPDE übernimmt die Kosten für Transport, Behandlung und Medikamente in den Gesundheitszentren. Besonders schwer verletze Frauen werden in die nahe gelegenen Krankenhäuser in Kaniola und in Walungu gebracht. Während ein Teil der Frauen geheilt werden kann, bräuchten andere weiterführende Behandlungen, für die den meisten jedoch das Geld fehlt.

Psychologische Betreuung dringend erforderlich

Fast alle Patientinnen sind schwer traumatisiert und bräuchten dringend psychologische Betreuung und soziale Rehabilitierung. Die Verbrechen, die an ihnen zum Teil im Beisein ihrer Familien verübt wurden, haben schwerwiegende Folgen für die Opfer. Im Kongo ist Vergewaltigung ein Tabuthema. Wird eine Frau vergewaltigt, gilt sie als beschmutzt und wird von ihren Familien und Dorfgemeinschaften verstoßen. Auf sich allein gestellt, ist sie weiterer Gewalt ausgesetzt. Ein Mädchen, das vergewaltigt wurde, hat kaum noch eine Chance, einen Ehemann zu finden. Die überlebenden Frauen und Mädchen sind daher allein gelassen und benötigen dringend weitere Unterstützung und Aufmerksamkeit.

 

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© medica mondiale e.V. ·  01.04.2008