Für die Zukunft afghanischer Frauen

Medica Afghanistan

Seit Anfang 2002 engagiert sich medica mondiale für Frauen und Mädchen in Afghanistan mit verschiedenen Projekten. Die Mitarbeiterinnen vor Ort bieten psychosoziale, medizinische und rechtliche Unterstützung an. Ziel ist es, den afghanischen Frauen und Mädchen konkrete Hilfe bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen zu leisten. Gleichzeitig sollen die Rechte von Frauen in der afghanischen Gesellschaft gestärkt werden. Die Arbeit konzentriert sich auf die Städte Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif. Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage musste bereits Ende 2008 die Unterstützung in Kandahar eingestellt werden.

Von 2011 an setzen die afghanischen Kolleginnen die Arbeit in eigener Regie fort – dazu wurde die afghanische Nichtregierungsorganisation Medica Afghanistan - Women Support Organisation in Kabul gegründet, medica mondiale wird weiterhin eng mit Medica Afghanistan kooperieren und der neuen afghanischen Frauenorganisation finanziell und beratend zur Seite stehen.

Frauen in Afghanistan heute

Mehr als drei Jahrzehnte Krieg haben tiefe Spuren in der afghanischen Zivilgesellschaft hinterlassen. Auch Jahre nach dem Fall der Taliban im Jahr 2001 herrscht noch immer kein Frieden – für viele Frauen hat sich das Leben nach anfänglichen Verbesserungen in den letzten Jahren erneut verschlechtert. Die gestärkte Position der Aufständischen sowie der Zugewinn an Macht extrem konservativer bis fundamentalistischer Fraktionen in der Regierung wirken sich gravierend auf ihren Alltag aus. Neben einer hohen Alltagsgewalt und Rechtlosigkeit in den Familien wächst der Druck auf Frauen, die sich für ihre Rechte engagieren.

Psychosoziale Beratung und Weiterbildung

In verschiedenen Beratungsräumen in Kabul und Herat bieten die Beraterinnen von Medica Afghanistan Gruppen- und Einzelberatungen für Frauen an, die unter den psychischen und körperlichen Folgen von sexualisierter und anderer Gewalt leiden. Die Nachfrage ist groß, da es in Afghanistan kaum Anlaufstellen für traumatisierte Frauen gibt. Auch fehlt es überall an qualifiziertem Personal, das im sensiblen Umgang mit Frauen mit Gewalterfahrung geschult ist. Daher trainiert Medica Afghanistan fortlaufend afghanische Fachfrauen, die in medizinischen und psychosozialen Berufen tätig sind. Das Ziel: Ihnen sollen fundierte Kenntnisse für den Umgang mit Frauen vermittelt werden, für die Vergewaltigung und andere Formen von Gewalt eine tägliche Lebensrealität bedeuten.

Schulung medizinischer Fachfrauen

Afghanische Frauen – insbesondere Patientinnen mit Gewalterfahrung – finden oftmals keine angemessene medizinische Versorgung in den Kliniken. Noch immer ist es in der Regel der Mann, der entscheidet, ob seine Frau medizinisch behandelt wird. Viele Frauen kommen erst dann zum Arzt, wenn ihre gesundheitlichen Beschwerden in Folge von Gewalt schwerwiegende Ausmaße angenommen haben.

Medica Afghanistan setzt sich daher im afghanischen Gesundheitswesen für eine verbesserte und traumasensitive Behandlung von Frauen ein, die an den Folgen von Gewalt leiden. Seit 2002 betreibt die Organisation intensive Weiterbildung und Sensibilisierung von medizinischem Fachpersonal in afghanischen Krankenhäusern. Ein wichtiges Ergebnis dieser Arbeit ist die Einrichtung von Beratungsräumen in insgesamt drei Krankenhäusern in Kabul und Herat, in die sich Ärztinnen und Krankenschwestern mit ihren Patientinnen zu einem vertraulichen Gespräch zurückziehen können.

Rechtshilfe für afghanische Frauen und Mädchen

Die afghanische Verfassung von 2004 garantiert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Doch die praktische Rechtsprechung ist noch immer stark geprägt vom islamischen Rechtssystem einer konservativ ausgelegten Scharia und vom traditionellen Recht, besonders in ländlichen Regionen. Welches Recht zur Anwendung kommt, ist im Alltag von Willkür bestimmt. Seit 2009 gibt es zwar ein Gesetz zur Beendigung von Gewalt gegen Frauen, Richter wenden es in der Praxis aber nur selten an.

Menschenrechte – auch für Frauen!

Die zentrale politische Forderung von Medica Afghanistan lautet: Die gesetzlich verbrieften Rechte von Frauen müssen im Alltag umgesetzt werden. Denn immer noch bestimmen traditionelle und sehr konservativ ausgelegte islamische Verhaltensnormen den Status der afghanischen Frauen – und nicht die in der Verfassung verankerte Gleichstellung. In Kooperation mit nationalen und internationalen Frauen- und Menschenrechtsorganisationen will Medica Afghanistan unter anderem erreichen, dass das neue Gesetz gegen Gewalt an Frauen Anwendung findet. Ebenso setzt sich die Organisation dafür ein, dass das Familienrecht reformiert und es nicht mehr zu Zwangsehen sowie Kinderheiraten kommt.

Spendenbetrag:

Mit 50 Euro finanzieren wir einer Frau in Afghanistan eine dreimonatige psychosoziale Betreuung.

Projektinformation

Lesen Sie unsere aktuelle Projektinformation Afghanistan.

Publikationen

In verschiedenen Veröffentlichungen hat medica mondiale unter anderem die hohe Rate von Selbstverbrennungen unter afghanischen Frauen, die Zwangsverheiratungen von Kindern sowie die Auswirkungen von Gewalt auf die Gesundheit von Mädchen und Frauen in Afghanistan untersucht.

Länderinformation

Zahlen und Fakten zu Afghanistan

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