
Israel: Juristische Begleitung von Opfern sexualisierter Gewalt
Projektförderung in Nazareth
Seit 1992 unterstützt die israelische Frauenorganisation Women Against Violence (WAV) – Frauen gegen Gewalt – arabisch-palästinensische Frauen, die in Israel leben und von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Women against Violence ermutigt diese Frauen dazu, vor Gericht zu gehen und sich gegen das Unrecht zu wehren. medica mondiale fördert das engagierte Projekt seit 2005 mit bislang rund 10.000 Euro.
Rechtshilfe und Unterstützung von Klägerinnen und Zeuginnen
Gerade einmal zehn Prozent der Opfer von sexualisierter Gewalt erstatten Anzeige bei der Polizei. Denn Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt unterliegen in der arabisch-palästinensischen Gesellschaft einem Tabu. Scham und die Angst vor der Reaktion der Familie lassen einen öffentlichen Umgang mit den Gewaltfällen oft nicht zu. Häufig droht den betroffenen Frauen der Ausschluss aus der Familie – in extremen Fällen sogar der Tod im Namen der Familienehre. Dazu kommt, dass sie als Minderheit im Staat Israel von Seiten der israelischen Behörden in der Regel keine Unterstützung erfahren, sondern vielfach diskriminiert werden.
Umso wichtiger ist es, die wenigen Frauen, die den Mut finden, die Täter anzuzeigen und vor Gericht auszusagen. Die Mitarbeiterinnen von WAV leisten diesen Frauen wichtigen Beistand, sie vermitteln ihnen juristische Beratung und helfen mit Übersetzungen, da die Palästinenserinnen oftmals kein Hebräisch sprechen. Sie begleiten sie während des gesamten Verfahrens und achten darauf, dass der Fall schnell und fair verhandelt wird, um die seelische Belastung der Frauen möglicht gering zu halten. Außerdem sieht die Prozessbegleitung eine professionelle therapeutische Begleitung der Klägerinnen vor. Psychologinnen helfen den Klägerinnen, sich emotional auf den Prozess vorzubereiten und ihn durchzustehen.
Sensibilisierung von Polizei und Justiz
Palästinenserinnen werden bei fast allen Institutionen in Israel schlechter behandelt als israelische Frauen. Vor Gericht gibt es oft keine Übersetzung, obwohl das vorgeschrieben ist; in den Polizeistationen der arabischen Kommunen fehlen häufig weibliche Polizeibeamte, so unter anderem für die Durchführung körperlicher Untersuchungen. Über 300 Workshops hat WAV daher unter anderem bei der Polizei, bei der Justiz, bei Lehrern, Eltern und Rechtsanwälten durchgeführt. Immer geht es darum, Verständnis für die Gewaltopfer zu vermitteln und die Folgen einer möglichen Straflosigkeit zu verdeutlichen.
Erste Erfolge zeigen sich darin, dass inzwischen im gesamten Norden Israels immer mehr Frauen über Krisenzentren, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen – vielfach auch direkt von der Polizei – an Women against Violence verwiesen werden. Insgesamt ist die Anzahl der Frauen, die sich in Folge der Beratung mit einer Anzeige an die Polizei wenden, in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Dass es gelingt, in Einzelfällen die Opfer dazu zu bewegen, vor Gericht zu gehen, ist ein wichtiges Signal an die Gesellschaft, dass derartige Verbrechen auch juristische Konsequenzen haben.
Women Against Violence (WAV)
Seit 1992 setzt sich die in Nazareth gegründete Organisation für die Verbesserung der Situation arabischer Frauen in Israel ein. WAV gründete das erste Frauenhaus für arabische Frauen in Israel, richtete einen 24-Stunden-Notruf ein und leistet Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit im Kampf gegen innerfamiliäre Gewalt, Ehrenmorde und sexuellen Missbrauch. Inzwischen gehört Women Against Violence zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für arabische Frauen in Israel. Seit einigen Jahren stehen die Unterstützungsangebote auch israelischen Frauen offen.
Darüber hinaus engagiert sich WAV im Bündnis mit verschiedenen anderen Organisationen für Frieden in der Region, indem sie unter anderem den Austausch und Dialog zwischen arabisch-palästinensischen und israelischen Frauen fördert. In Anerkennung dieser wichtigen friedenspolitischen Arbeit wurde Aida Touma-Suliman, die Direktorin von WAV als eine der 1.000 Friedensfrauen für den Friedensnobelpreis 2005 nominiert.


