Therapiezentrum in Tirana
Das Therapie- und Beratungszentrum von medica Tirana hat sich zu einer wichtigen Anlaufstellen für Frauen und Mädchen in Tirana und Umgebung entwickelt. Hier finden Albanerinnen mit den unterschiedlichsten Gewalt-Erfahrungen Unterstützung.
In einem ganzheitlichen Ansatz aus medizinischer und therapeutischer Beratung kümmern sich die Ärztinnen, Krankenschwestern und Sozialarbeiterinnen von medica Tirana um jede einzelne Frau. Viele dieser Frauen haben Vergewaltigungen in und außerhalb der Ehe erlebt, wurden in die Zwangsprostitution gezwungen oder nach den patriarchalen Traditionen des „Kanun“ brutal unterdrückt. Die archaischen Traditionen des Gewohnheitsrechts „Kanun“ weisen die Frau in der Regel dem Mann als Besitz zu. Auch Frauen, die während der grausamen Diktatur von Enver Hoxha in Zwangs- und Arbeitslager gezwungen wurden, werden im Zentrum beraten und betreut. Immer häufiger suchen zudem Frauen und Mädchen, die aufgrund von Blutfehden um ihr Leben bangen müssen, Schutz und Beratung bei medica Tirana.
Offene Gesprächsangebote
Im Therapiezentrum können die Frauen an offenen Gesprächsrunden teilnehmen. Die Beraterinnen von medica Tirana informieren über Themen, die in Albanien öffentlich Tabu sind wie Gewalt gegen Frauen, Frauenhandel und Prostitution, HIV/Aids-Prävention, Familienplanung und Geschlechterrollen.
Das Schweigen zu brechen, von ihren Gewalterlebnissen in den Straflagern des kommunistischen Regimes oder innerhalb der eigenen Familie zu berichten, kostet die Frauen oft große Überwindung. Denn auch sie sind in den patriarchalen Traditionen groß geworden und kennen kaum andere Handlungsmöglichkeiten. Doch die Erfahrung zeigt: Sich mit anderen Frauen auszutauchen und sich zu solidarisieren verleiht den Frauen häufig neuen Mut und neue Lebenskraft.
Medizinische Hilfe und Beratung
Viele Frauen leiden unter psychosomatischen Störungen und haben gynäkologische Probleme – Folgen ihrer teilweise jahrelangen traumatischen Erlebnisse. Für die meisten Frauen ist es das erste Mal, dass sie aufgrund der erlebten Gewalt und der belastenden Folgen für Körper und Seele einen Arzt aufsuchen. Umso wichtiger ist es, dass das medizinische Personal eigens für die Beratung und Behandlung von traumatisierten Frauen geschult wurde – vor allem um eine Retraumatisierung der Patientinnen zu vermeiden. Im Jahr 2007 wurden rund 550 Frauen kostenlos in der gynäkologischen Praxis des Zentrums von medica Tirana medizinisch behandelt und zu Gesundheitsfragen aufgeklärt.
Trauma-Beratungsgruppen
Neben den offenen Gesprächskreisen gibt es auch feste Therapiegruppen für die Frauen. In Traumaarbeit geschulte Mitarbeiterinnen von medica Tirana helfen den Frauen mit verschiedenen Methoden – unter anderem Psychodrama oder Gestalttherapie – ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten. Drei Monate lang treffen sich zwischen zehn bis acht Frauen zur wöchentlich stattfindenden Gruppentherapie. 2007 fanden auf die Weise mehr als 250 Frauen in Trauma-Gruppenberatungen Unterstützung. Etwa 190 Frauen erhielten in insgesamt rund 960 Gesprächssitzungen eine individuelle Beratung.

