Für die Zukunft afghanischer Frauen

medica mondiale Afghanistan

Fast 25 Jahre Krieg haben Afghanistan nahezu völlig zerstört. Nach dem Fall der Taliban im Jahr 2001 setzte ein Wiederaufbauprozess ein, der Hoffnungen auf eine bessere Zukunft weckte. Doch der Weg dorthin gestaltet sich schwierig. Vor allem die Frauen und Mädchen haben unter dieser Situation zu leiden, denn die Gesellschaft ist weiterhin äußerst patriarchalisch und Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig.

Seit Anfang 2002 engagiert sich medica mondiale für Frauen und Mädchen in Afghanistan mit verschiedenen Projekten. Die Mitarbeiterinnnen vor Ort bieten psychosoziale, medizinische und  rechtliche Unterstützung an. Ziel ist es, den afghanischen Frauen und Mädchen konkrete Hilfe bei der Verarbeitung ihrer traumatischen Erfahrungen zu leisten. Gleichzeitig sollen die Rechte von Frauen in der afghanischen Gesellschaft gestärkt werden. Die Projektaktivitäten konzentrieren sich auf die Städte Kabul, Herat, Mazar-i-Sharif und Kandahar sowie auf einige angrenzende Provinzen.

Psychosoziale Beratung und Weiterbildung

In sechs Distrikten Kabuls bieten die Beraterinnen von medica mondiale Afghanistan Gruppen- und Einzelberatungen für Frauen an, die unter den psychischen und körperlichen Folgen von sexualisierter und anderer Gewalt leiden. Die Nachfrage ist groß, da es in Afghanistan kaum Anlaufstellen für traumatisierte Frauen gibt. Auch fehlt es überall an qualifiziertem Personal, die im sensiblen Umgang mit Überlebenden von Gewalt geschult sind. Daher trainiert medica mondiale Afghanistan fortlaufend afghanische Fachfrauen, die im medizinischen und psychosozialen Berufen tätig sind. Das Ziel: Ihnen sollen fundierte Beratungskenntnisse für den Umgang mit Frauen vermittelt werden, für die Vergewaltigung und andere Formen von Gewalt eine tägliche Lebensrealität darstellen.

Ausbildung und Vernetzung medizinischer Fachfrauen

Afghanische Frauen – insbesondere Patientinnen mit Gewalterfahrung – finden keine angemessene medizinische Versorgung in afghanischen Gesundheitseinrichtungen. Viele Frauen gehen erst dann zum Arzt, wenn ihre gesundheitlichen Beschwerden in Folge von Gewalterfahrungen schwerwiegende Ausmaße angenommen haben.

Seit 2002 führt medica mondiale Afghanistan daher in staatlichen afghanischen Krankenhäusern einen traumasensitiven medizinischen Ansatz ein. Seit 2006 werden afghanische Angestellte von staatlichen Krankenhäusern systematisch in trauma- und gendersensitiver Behandlung von Patientinnen fortgebildet. Teilnehmerinnen dieser Kurse haben zudem ein Netzwerk gegründet, um gemeinsam für strukturelle Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung von Frauen und Mädchen einzutreten.

Rechtshilfe für afghanische Frauen und Mädchen

Die afghanische Verfassung von 2004 garantiert die Gleichberechtigung von Männern und Frauen. Doch die praktische Rechtsprechung ist noch immer stark geprägt vom islamischen Rechtssystem der konservativ ausgelegten Scharia und vom traditionellen paschtunischen Recht, besonders auf dem Land. Welches Recht zur Anwendung kommt, ist im Alltag von Willkür bestimmt.

Seit Oktober 2003 wurden vierzehn afghanische Anwältinnen von medica mondiale Afghanistan zu Strafverteidigerinnen fortgebildet. Sie setzen sich in Kabul, Herat, Kandahar und Mazar-i-Sharif dafür ein, dass inhaftierte Frauen ein gerechtes Verfahren erhalten und beraten Frauen generell in Zivilrechtsfragen, zum Beispiel bei Scheidungen. Seit Start des Projektes wurden rund 2.250 Frauen von den AnwältInnen vor Gericht vertreten.

Menschenrechte – auch für Frauen!

Die zentrale politische Forderung von medica mondiale Afghanistan lautet: Die gesetzlich verbrieften Rechte von Frauen müssen im Alltag umgesetzt werden. Denn immer noch bestimmen traditionelle Verhaltensnormen den Status der afghanischen Frauen – und nicht die in der neuen Verfassung verankerte Gleichstellung. In Kooperation mit nationalen und internationalen Frauen- und Menschenrechtsorganisationen will medica mondiale Afghanistan erreichen, dass zum Beispiel die unrechtmäßige Inhaftierung von Frauen aufgrund so genannter moralischer Verbrechen ein Ende finden wird. Auch sollen den Selbsttötungen afghanischer Frauen durch Selbstverbrennung Einhalt geboten und Zwangsehen sowie Kinderheiraten verhindert werden.

Projektinformation

Lesen Sie unsere aktuelle Projektinformation Afghanistan.

Projektevaluierung Afghanistan

Die Projekteauswertung gibt einen Überblick über die von Januar 2006 bis Dezember 2008 geförderten Projekte in Afghanistan zur nachhaltigen Unterstützung traumatisierter Frauen und Mädchen.