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06. März 2014

Zivilgesellschaft in Afghanistan stärken, Frauenrechte durchsetzen

Pressemitteilung: Köln, 6. März 2014. Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2014 fordert medica mondiale mehr politische Rückendeckung für die Arbeit von Menschenrechtsverteidigerinnen

Afghanische Frauenrechtsverteidigerinnen sind in den letzten Monaten zunehmend Anfeindungen und Einschüchterungsversuchen durch PolitikerInnen, RichterInnen, religiöse Führer, oft auch durch Nachbarn oder die eigene Familie ausgesetzt. Dabei spielen der bevorstehende Truppenabzug der NATO sowie die Präsidentschaftswahlen im April 2014 eine Rolle. Werden Macht und Ressourcen neu verteilt, besteht die Gefahr, dass die Interessen und Rechte von Frauen weiter zurückgestellt werden. Andererseits erhält das Engagement der internationalen Gemeinschaft zukünftig einen stärkeren zivilen Charakter. Darin steckt auch eine Chance für die Zukunft. "Für die Sicherung frauenrechtlicher Errungenschaften in Afghanistan ist es jetzt unabdingbar, dass die internationale Gemeinschaft politische Handlungsspielräume nutzt und proaktiv Frauenrechte fördert", erklärt Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale, zum Weltfrauentag. "Wir fordern die deutsche Bundesregierung auf, das Engagement von Menschenrechtsverteidigerinnen besonders in den Fokus zu nehmen. Gerade wegen des Abzugs muss die schwierige Situation von Frauen noch mehr als bisher in die öffentlichen Diskussion eingehen."

Anstieg der Gewalt gegen Frauen um 25 Prozent
2013 dokumentierte die Afghanische Unabhängige Menschenrechtskommission (AIHRC) im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Gewalt gegen Frauen und Mädchen um fast 25 Prozent. "Noch immer erleben Frauen in Afghanistan täglich sexualisierte Gewalt, Ausbeutung, Rechtlosigkeit und Erniedrigung - in der Ehe, der Familie oder durch Behörden", stellt Hauser fest. Es gibt mittlerweile hart erkämpfte Gesetze zum Schutz und zur Gleichbehandlung von Frauen. Diese finden jedoch im Alltag der patriarchalen Kultur und in der Justiz noch viel zu selten Anwendung. Hauser weiter: "Umso wichtiger ist es, dass die deutsche Bundesregierung und die Vertretung Deutschlands in Afghanistan den mutigen Frauen zur Seite stehen und sie in ihrer schwierigen und gefährlichen Arbeit unterstützen."

medica mondiale setzt sich seit 1993 ein für traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten. Dabei versteht sich die Organisation als Anwältin für die Rechte und Interessen von Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt überlebt haben. Seit über zehn Jahren engagiert sich medica mondiale für Frauen und Mädchen in Afghanistan: Mit psychosozialen, medizinischen und juristischen Beratungsprogrammen sowie Menschenrechtsarbeit hat die mittlerweile selbstständige Organisation Medica Afghanistan mehr als 7.000 von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen unterstützt. www.medicaafghanistan.org