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04. April 2014

Ruanda: Armut, Ausgrenzung, Aids

Pressemitteilung: Köln, 4. April 2014. Zum 20. Jahrestag des Genozids in Ruanda am 7. April fordert medica mondiale mehr Unterstützung der ruandischen Regierung für vergewaltigte Frauen und ihre Kinder

Zwischen 250.000 und 500.000 Frauen und Mädchen wurden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF während des Völkermordes in Ruanda 1994 vergewaltigt. Etliche der Überlebenden brachten damals die Kinder ihrer Vergewaltiger zur Welt. Offizielle Schätzungen gehen von 2.000 bis 5.000 Kindern aus, die Dunkelziffer liegt höher. Karen Knipp-Rentrop, Referentin Projekteförderung bei medica mondiale, zieht zum 20. Jahrestag des Genozids am 7. April eine entmutigende Bilanz: "Viele Frauen sind durch die Vergewaltigung HIV positiv und leben in ihren Dörfern in großer Armut. Auch wenn Medikamente zur Behandlung von HIV und AIDS verfügbar sind, so fehlt den Frauen das Geld für den Transport ins nächste Gesundheitszentrum oder für ausreichende Nahrung. Die Kinder werden wie ihre Mütter bis heute von ihren Familien und den Dorfgemeinschaften stigmatisiert."

In einem Fonds stellt die ruandische Regierung Gelder für Überlebende des Genozids bereit. "Diese Mittel reichen bei Weitem nicht aus", erklärt Knipp-Rentrop. medica mondiale unterstützt die ruandische Organisation SEVOTA (Solidarité pour l'Epanouissement des Veuves et des Orphelins visant le Travail et l'Auto promotion) dabei, Lobbyarbeit für die Anliegen der Überlebenden und ihrer Kinder zu betreiben. Der Internationale Gerichtshof zu Ruanda erkannte Vergewaltigung als Genozidverbrechen an. Dennoch sind Kinder aus Vergewaltigungen von vielen staatlichen Leistungen für Überlebende des Genozids ausgeschlossen. SEVOTA setzt sich dafür ein, dass sich das ändert: Die Organisation stellt Kontakte her zu Behörden und unterstützt die Frauen beispielsweise bei der Beantragung von Schulgeld. "Sie wünschen sich eine gute Schulbildung für ihre Kinder", erläutert Knipp-Rentrop, "und möchten ihnen ein gutes Leben ermöglichen."

Seit 2008 engagiert sich medica mondiale in Ruanda und unterstützt die Frauenrechtsorganisation SEVOTA dabei, regelmäßige Frauenforen für Frauen mit Kindern aus Vergewaltigungen auszurichten. Dabei kommen Frauen aus verschiedenen Regionen Ruandas in der Hauptstadt Kigali zusammen. Während der zweitätigen Treffen erfahren sie, dass sie nicht allein sind - insbesondere mit der Scham und der Ablehnung gegenüber ihren Kindern. SEVOTA ermutigt die Frauen, mit ihren Kindern über das Erlebte zu sprechen und sie anzunehmen.