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28. Oktober 2013

Immer noch keine Gerechtigkeit für bosnische Frauen

Köln, 28. Oktober 2013 "Das Leid der Frauen in Bosnien und Herzegowina (BuH) ist nicht vorbei, ihr Trauma wirkt weiter in der Gesellschaft." So lautet die Bilanz von Monika Hauser, Gründerin von medica mondiale, nach der zweitägigen Konferenz "Wege zu mehr Würde – 20 Jahre Kampf gegen sexualisierte Gewalt". Überlebende von Kriegsvergewaltigungen erführen jedoch nach wie vor keine Gerechtigkeit und keine adäquate Unterstützung. Hauser weiter: "Ich fordere die politisch Verantwortlichen auf, das Gesetz zum Zivilstatus von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt aus dem Jahre 2006 schnellstens und prioritär umzusetzen, die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen und eine Lösung zu finden, die sich auf ganz BuH erstreckt."

120 ExpertInnen aus 13 Ländern waren am 23. und 24. Oktober nach Zenica in BuH gekommen, um über Herausforderungen und Chancen in der Arbeit für Überlebende sexualisierter Kriegsgewalt zu diskutieren. Das Themenspektrum der Konferenz zum 20-jährigen Bestehen der Frauenrechtsorganisationen medica mondiale und Medica Zenica reichte von der politischen Verantwortung internationaler Akteure über juristische Gerechtigkeit in der Strafverfolgung bis hin zur Präsentation konkreter Angebote für Überlebende. „So viele Frauen leben nach wie vor in Armut und es gibt immer noch keine angemessene psychologische und medizinische Versorgung für sie", erklärt Sabiha Husic, Direktorin von Medica Zenica.

„Die bosnische Regierung muss endlich reagieren und den Frauen ein Leben in Würde ermöglichen. Dazu gehört nicht nur die Anerkennung als Kriegsinvalidinnen, was unter anderem eine kleine Rente einschließt. Wichtig ist ebenfalls, das Antragsverfahren für diese Rente weniger entwürdigend zu gestalten und die Frauen bei Zeuginnenaussagen vor Gericht psychologisch und juristisch zu begleiten."

Der britische Außenminister William Hague und die UNHCR-Sondergesandte Angelina Jolie lobten in einem Brief die Veranstalterinnen der Konferenz: „Seit 20 Jahren sind Medica Zenica und medica mondiale ein Rettungsanker für die Überlebenden von sexualisierter Kriegsgewalt in BuH. Wir begrüßen und unterstützen nachdrücklich Ihre Arbeit." Lange nach dem Ende von Konflikten trügen die Überlebenden von Vergewaltigungen eine schreckliche Last. Die Internationale Gemeinschaft müsse dafür sorgen, dass sie nie vergessen werden und viel mehr tun, um andere unschuldige Frauen, Kinder und Männer davor zu beschützen, die gleiche Gewalt in anderen Konfliktgebieten zu erleiden.

Über Medica Zenica und medica mondiale

Ende 1992 machte sich die Ärztin Monika Hauser, schockiert über die Massenvergewaltigungen an bosnischen Frauen, auf den Weg ins Kriegsgebiet im ehemaligen Jugoslawien. Nur kurze Zeit später, im April 1993, eröffnete sie in der Stadt Zenica mit rund 20 einheimischen Psychologinnen und Ärztinnen das bis dahin einmalige Frauentherapiezentrum Medica Zenica. Damit legte sie den Grundstein für eine Arbeit, die bis heute von Kolleginnen vor Ort erfolgreich fortgeführt wird. In Deutschland akquirierten UnterstützerInnen Spendengelder für Hausers Anliegen, organisierten Versorgungskonvois ins Kriegsgebiet und mobilisierten die Öffentlichkeit. Sie gründen im Juni 1993 in Köln den Verein medica mondiale. Die Organisation setzt sich ein für traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten. Neben gynäkologischer Versorgung, psychosozialerund rechtlicher Unterstützung bietet medica mondiale Programme zur Existenzsicherungund leistet politische Menschenrechtsarbeit.

Kontakt:

medica mondiale
Mechthild Buchholz
Pressesprecherin
Tel: +49 (0) 221 - 93 18 98 25
E-Mail: mbuchholz(at)medicamondiale.org

Medica Zenica
Sabiha Husic, Leiterin Medica Zenica
Tel: 00387 32 463 930; 00387 61 153 763
E-Mail: medica1(at)bih.net.ba

Fotos: © Mechthild Buchholz/medica mondiale