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28. Juli 2010

Aktionstag von medica mondiale – Kampagne „Im Einsatz“ in Münster

Pressemitteilung: Mit der Kampagne „Im Einsatz“ macht die Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale auf die Not von Frauen in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam. Am 28. Juli ist die Kampagne mit einer großen Installation in Münster zu Gast. Monika Hauser, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2008, ruft zu Unterstützung auf.

Vergewaltigt, verstümmelt, versklavt. Tausende Frauen werden Tag für Tag  Opfer von brutaler Gewalt in Kriegen und bewaffneten Konflikten. Sie brauchen Unterstützung, Sicherheit und Gerechtigkeit. Die Kampagne von medica mondiale „Im Einsatz“ stellt die betroffenen Frauen in den Mittelpunkt und ruft zu einem verstärkten Engagement auf.

Diese Aufforderung richtet sich sowohl an die nationale und internationale Politik wie auch an jede und jeden Einzelne/n. Zentrales Element der Kampagne ist die Installation „Frauen(auf)Marsch“, die heute auf dem Lambertiplatz in Münster noch bis 17 Uhr zu sehen sein wird.

Die Installation besteht aus 36 Schaufensterfiguren. Sie stehen symbolisch für die ungezählten Frauen, die in jedem Krieg sexualisierte Gewalt erleiden müssen. Bekleidet sind sie mit T-Shirts, die die Aufschrift Kriegsbeute tragen sowie Zitate von vergewaltigten Frauen, so unter anderem: 

  • Der Schmerz in der Seele raubt mir meine Zunge“,  P. ,19 Jahre, Liberia
  • "Sieben Soldaten haben mich vergewaltigt und dabei schwer verletzt. Jetzt läuft wegen eines Risses zwischen Blase und Vagina ständig Urin aus meinem Körper“, N., 39 Jahre, Demokratische Republik Kongo
  • Beim neunten habe ich aufgehört zu zählen“, A., 31 Jahre, Bosnien

Während eines Pressetermins von medica mondiale, der Kampagnenpartnerin Deutscher Ärztinnenbund und des Bürgermeisters Holger Wigger wies die Gründerin von medica mondiale und heutiges geschäftsführendes Vorstandsmitglied Monika Hauser darauf hin, dass „Vergewaltigung gesellschaftlich immer noch nicht als schwere Menschenrechtsverletzung anerkannt“ werde und dass damit auch immer eine „erneut verletzende soziale Ausgrenzung betroffener Frauen“ einher gehe. Nur die konsequente Umsetzung von Frauenrechten könne daran etwas ändern, allerdings läge das wohl meist nicht im Interesse von Politik und Gesellschaft, so Hauser. Aktuelles Beispiel sei die Politik in Afghanistan. Mühsam hätten dort die Frauen um ihre Rechte gekämpft, doch heute – vor dem Hintergrund der verfehlten internationalen Militärpolitik – sei die noch immer katastrophale Menschenrechtslage vieler afghanischer Frauen bei der internationalen Gemeinschaft längst in Vergessenheit geraten, da es um andere Interessen ginge.

Die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Regine Rapp-Engels, erklärte die Verbundenheit ihres Verbandes mit der Kampagne: „Das Engagement von Ärztinnen gegen furchtbare Kriegesereignisse und deren Folgen hat Tradition: Als Reaktion auf den Ersten Weltkrieg wurde 1919 in den USA der Weltärztinnenbund gegründet. Wir Ärztinnen aus aller Welt erklären uns in der Friedensstadt Münster solidarisch mit den in Kriegen vergewaltigen Frauen und Mädchen. Zusammen mit medica mondiale fordern wir: Kriegsvergewaltigungen müssen von der Politik als Kriegsverbrechen geahndet werden.“

Der Schirmherr der Veranstaltung, Oberbürgermeister Markus Lewe, unterstrich in einem Grußwort: „Überall auf der Welt müssen Freiheit, Demokratie und Menschenrechte jeden Tag aufs Neue verteidigt und geschützt werden. Ich bewundere den unermüdlichen Einsatz von Frau Dr. Hauser gegen sexualisierte Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten. Gerade weil es uns hier so gut geht, muss unsere Aufmerksamkeit immer wieder der ganz konkreten und nachhaltigen Friedensarbeit gelten."