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Pressemitteilungen

Dr. Monika Hauser zum 60ten Jahrestag des Kriegsendes

„Es ist Zeit zu sprechen“

medica mondiale kündigt politische Menschenrechtsarbeit zur Situation der Frauen an, die im zweiten Weltkrieg vergewaltigt wurden. Hauser: “Unser Ziel ist es, das Schweigen zu brechen.“

Zum 60ten Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges erklärte die Gründerin und Geschäftsführerin von medica mondiale, Monika Hauser, in Köln folgendes:

„60 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges erhalten wir vermehrt Zuschriften von Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt in dieser Zeit überlebt haben. Offenbar brechen die Erinnerungen nun erneut auf – wie dies häufig bei traumatisierten Menschen im Alter der Fall ist, Jahrzehnte nach der Tat. „Heute ist wie gestern, wenn es um das Tabu geht“, schrieb uns eine 80jährige Überlebende einer Vergewaltigung in Berlin.

medica mondiale erinnert deshalb mit verschiedenen Aktionen in diesem Jahr an die Verbrechen gegen Frauen vor rund 60 Jahren und schlägt die Brücke zur heutigen Situation von Frauen im Krieg.

Blick durch den Stacheldrahtzaun des früheren KZ Auschwitz-BirkenauDas Bewusstsein über die Gräueltaten der Nationalsozialisten ist groß in diesem Jahr, die Berichte der Medien zahlreich und vielfältig. Doch auch 60 Jahre nach Kriegsende ist sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen in der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit immer noch ein Thema, über das geschwiegen wird. Sehr viele Frauen sind im Zweiten Weltkrieg sexualisierter Gewalt ausgesetzt gewesen. Die Liste ist lang: Frauen und Mädchen in den von den Nationalsozialisten/der Wehrmacht besetzten Ländern, jüdische und Roma-Frauen während ihrer Verfolgung und in den Konzentrationslagern, Frauen im Widerstand und deutsche Frauen, die von alliierten Soldaten vergewaltigt worden sind.

So wie die meisten Überlebenden von sexualisierter Gewalt haben auch die betroffenen Frauen in Deutschland jahrzehntelang geschwiegen. Oft genug werden Frauen, wenn sie dennoch das gesellschaftliche Schweigegebot übertreten, bedroht, isoliert und ausgegrenzt. Daher bleiben viele ihrer traumatischen Erlebnisse unbearbeitet und beeinflussen das Leben der Frauen nachhaltig – bis ins hohe Alter hinein. Leider ist das Wissen um die Zusammenhänge von Traumatisierung und gesundheitlichen (Spät­) Folgen bei medizinischem Fachpersonal und in der Pflege immer noch sehr gering, so dass in Kliniken und Altersheimen viele vermeidbare Retraumatisierungen verursacht werden. Wenn sich eine alte Frau schreiend mit den Worten „Macht es nicht schon wieder!“ dagegen wehrt, dass ihr ein Katheter gelegt wird und sie daraufhin als psychisch krank behandelt und mit Medikamenten ruhig gestellt wird, dann wird ihr hier neuerlich Gewalt angetan.

Auf diesem Hintergrund setzt medica mondiale dieses Jahr seine Schwerpunkte in der politischen Menschenrechtsarbeit. Das Ziel besteht darin, auf das Schicksal der unterschiedlichen Frauen und auf dieses tabuisierte Kapitel deutscher Geschichte aufmerksam zu machen – und damit einen Brückenschlag zu der aktuellen Situation von Frauen in Kriegsgebieten herzustellen.

Neben der Erstellung einer Broschüre zum Thema stehen verschiedene Veranstaltungen wie eine (Fach­)Diskussion in Kooperation mit der Friedrich Ebert-Stiftung in Bonn am zweiten Juni auf dem Programm.

Des Weiteren ist ein Diskussionsabend im NS-Dokumentationszentrum „EL­DE Haus“ in Köln am 20. Oktober geplant. Wir wollen Frauen auch Angebote machen, wenn sie mit uns über ihre Geschichte reden wollen: Sowohl eine Telefon-Hotline als auch Chat/Telefon-Aktionen stehen auf unserem Aktionsplan.

Eine besondere Aktion stellt unsere Denkmal-Initiative dar: medica mondiale wird zunächst ein virtuelles interaktives Denkmal (im Internet) schaffen, welches allen Frauen und Mädchen gewidmet ist, die Opfer sexualisierter Kriegsgewalt weltweit wurden. Aus dem virtuellen soll später ein reales Denkmal entstehen. Ein bundesweiter, dezentraler Aktionstag mit den mm-Aktionsgruppen soll die Denkmal-Initiative im weiteren Verlauf umsetzen.“

Über unsere Aktivitäten informieren wir Sie fortlaufend unter
-> www.zeit-zu-sprechen.de


 

 

Abdruck kostenfrei – Belegexemplar erbeten. Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung.

Weitergehende Anfragen und Interviewvermittlung:
medica mondiale e.V.
E-Mail Britta Amorin
(Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Hülchrather Straße 4
50670 Köln/Cologne (Germany)
Tel.: +49/221-93 18 98-0/-25
Fax: +49/221-93 18 98-1

Spendenkonto: Sparkasse KölnBonn · Konto 45 000 163 · BLZ 370 501 98
IBAN / BIC: DE92 3705 0198 0045 0001 63 / COLSDE33

 

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© medica mondiale e.V. ·  11.10.2006