medica mondiale berichtet von Vergewaltigungen im Tsunami-Katastrophengebiet
Köln, 12.1.2005. Die Hilfs- und Frauenrechtsorganisation medica mondiale prangert Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen in den Tsunami-Katastrophengebieten Südostasiens an. Die Flutwelle in Sri Lanka war kaum verebbt, so meldet die Organisation mit Sitz in Köln heute [12. Januar 2005], als Frauen, die gerade noch sich und ihre Kinder retten konnten, von einzelnen oder mehreren Männern angegriffen und vergewaltigt wurden. medica mondiale verweist auf Berichte von Frauenorganisationen aus Sri Lanka, die sexualisierte Übergriffe und Gruppenvergewaltigungen in Flüchtlingslagern schildern.

© dpa
Wo die öffentliche Ordnung zusammengebrochen ist, so medica mondiale, hätten die Täter freie Bahn und würden ihre Taten nicht geahndet. Es sei zu befürchten, dass die Berichte aus Sri Lanka stellvertretend für die Lage auch in anderen von der Katastrophe betroffenen Gebieten stehen. Dies zeigt, dass Frauen nicht nur im Krieg, sondern auch bei Naturkatastrophen, im Chaos der Verwüstungen und erster Hilfsmaßnahmen verstärkt sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind.
Problematische Rolle der Armee in Aceh
medica mondiale verweist in diesem Zusammenhang auch auf die
problematische Rolle der indonesischen Armee bei der Koordination der
Hilfsmaßnahmen in Aceh/Indonesien: Gerade die Armee hat jahrzehntelang
Vergewaltigungen als Mittel der Einschüchterung und Terrorisierung der
Bevölkerung in Aceh eingesetzt. Nun hat die Regierung ihre Truppen für
Rettungsmaßnahmen verstärkt. Gleichzeitig setzt sie die Soldaten für erneute
Militäroperationen gegen die Unabhängigkeitsbewegung Acehs ein.
medica mondiale fordert:
- Die Internationale Gemeinschaft muss sofort auf die Einhaltung des Waffenstillstandes in Aceh drängen.
- Sämtliche sexualisierten Straftaten im Zusammenhang mit den Hilfsaktionen in allen betroffenen Ländern müssen strafrechtlich verfolgt werden, Beschwerdestellen eingerichtet werden.
- Die zuständigen nationalen Ministerien der betroffenen Länder sowie internationale zivile und militärische Organisationen müssen endlich gemeinsame Richtlinien im Hinblick auf die Sicherheit von Frauen und Mädchen erstellen - analog zur UN-Resolution 1325.
- Die MitarbeiterInnen sämtlicher vor Ort tätiger Hilfsorganisationen müssen über die traumatisierenden Folgen sexualisierter Gewalt gegen Frauen informiert werden und diese als Menschenrechtsverletzung erkennen.
- Die MitarbeiterInnen müssen vertraglich verpflichtet werden, alles zu tun, um derartige Übergriffe innerhalb ihres Verantwortungsbereiches zu verhindern bzw. aufzudecken und zu melden.
- Fachlich fundierte Hilfsangebote für traumatisierte Frauen müssen dringend vor Ort umgesetzt werden.
70.000 Euro für Unterstützung des Frauenzentrums „Flower Aceh“
Mit einem Soforthilfeprogramm in Höhe von 70.000 Euro unterstützt medica
mondiale den Wiederaufbau des Frauenzentrums „Flower Aceh“ in
Aceh/Indonesien. Flower
Aceh leistete seit 1989 medizinische, psychologische und materielle Unterstützung
für Frauen, die im Zuge der militärischen Aufstandsbekämpfung unter der
Regierung Suharto vergewaltigt und sexuell gefoltert wurden. Das ungeheure
Ausmaß der sexualisierten Militärgewalt in Aceh wurde in der kurzen Atempause
1998 nach dem Sturz Suhartos weltweit bekannt. Danach folgten erneut Kämpfe
und Vergewaltigungen bei Militäroperationen oder im Polizeigewahrsam.
Die Arbeit von Flower Aceh wurde 2001 mit der Verleihung des Yap Thiam
Hien-Menschenrechtspreises an die Gründerin der Organisation, Suraiya
Kammaruzzaman international anerkannt.
Mit dem Geld will medica mondiale in einem ersten Schritt die Renovierung
des Hauses und die Anschaffung von Möbeln, Computern und anderen Kommunikationsmitteln
ermöglichen. Außerdem sollen Klientinnen und Mitarbeiterinnen des Zentrums
mit dem Notwendigsten an Nahrung, Kleidung und Medizin versorgt werden.
„Viele Aktivistinnen arbeiten bis zum Umfallen", berichtete Suraiya
Kamaruzzaman medica mondiale in einem Telefongespräch, „obwohl sie selbst
alles verloren haben."
medica mondiale bittet hierfür dringend
um
Spenden.
Ab sofort steht Ihnen unsere Asien-Referentin Gabriela Mischkowski für
Interviews zur Verfügung: 0221-696 357 oder 0172-2459460,
gmischkowski@medicamondiale.org
Hintergrundinformationen
zum Projekt „Flower Aceh".
Weitere
Informationen über die Unruheregion in Aceh aus der Zeitschrift „Indonesien-Information"
von „Watch Indonesia!" (Arbeitsgruppe für Demokratie, Menschenrechte
und Umweltschutz in Indonesien und Osttimor e.V.)
Abdruck kostenfrei – Belegexemplar erbeten. Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung.
Weitergehende Anfragen und Interviewvermittlung:
medica mondiale e.V.
Britta Amorin
(Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
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© medica mondiale e.V. · 11.10.2006



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