
Monika Hauser (Mitte) mit Jenny McCarthy von ENNA und Ulrich Post von VENRO auf der Bundespressekonferenz in Berlin © Jörg Farys |
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Bonner Afghanistan-Konferenz: Verantwortung für Zivilgesellschaft angemahnt
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Zehn Jahre nach der ersten Afghanistan-Konferenz im Jahr 2001 kam die internationale Gemeinschaft am 5. Dezember dieses Jahres erneut in Bonn zusammen, um über die Zukunft Afghanistans zu beraten. Im Vorfeld der Verhandlungen machte medica mondiale insbesondere auf die Situation der Frauen aufmerksam, die auch nach der Konferenz weiter für die Anerkennung ihrer fundamentalsten Rechte kämpfen müssen.
In einer Kooperations-Veranstaltung luden medica mondiale, Human Rights Watch und Amnesty International am 10. November Abgeordnete verschiedener Parteien zu einem Parlamentarischen Frühstück im Deutschen Bundestag ein. Gemeinsam mit den Abgeordneten diskutierten ReferentInnen der drei Nichtregierungsorganisationen über konkrete Maßnahmen seitens der Bundesregierung, um den Menschen- und Frauenrechten in Afghanistan mehr Geltung zu verschaffen. Eine der zentralen Forderungen: Deutschland soll sich über die Bonner Konferenz hinaus für eine langfristige Strategie einsetzen, um die afghanische Zivilbevölkerung in Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse auf nationaler und internationaler Ebene einzubeziehen.
Auch auf der anschließenden Bundespressekonferenz mahnte Monika Hauser zusammen mit dem Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO), dessen Mitglied medica mondiale ist, dem europäischen Afghanistan-Netzwerk ENNA sowie 18 internationalen Organisationen, dass der für 2014 vorgesehene Abzug des Militärs aus Afghanistan kein Rückzug aus der Verantwortung für die Menschen Afghanistans sein dürfe. Die Bedürfnisse der afghanischen Bevölkerung müssten im Vordergrund eines zukünftigen Engagements stehen, wobei die Beteiligung und Förderung von Frauen eine besonders wichtige Rolle spiele.
Wenige Tage vor der Konferenz wies medica mondiale in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die internationale Gemeinschaft sich endlich darauf konzentrieren müsse, in Afghanistan ein tragfähiges und stabiles Staatswesen aufzubauen. "Dort, wo der Staat nicht für Recht und Ordnung sorgen kann, spielt er ultrakonservativen Kräften wie den Taliban in die Hände. In vielen Regionen dringen sie in die rechtsfreien Räume ein und setzen ihre perfide Form von Ordnung durch. Das ist verhängnisvoll für Frauen", so Monika Hauser.
"Starke Stimmen - Frauen in Afghanistan" ist der Titel der aktuellen Fotoausstellung von medica mondiale, die vom 25. November bis 4. Dezember 2011 im Frauenmuseum in Bonn zu sehen war. Die Ausstellung gibt Einblicke in die Lebensperspektiven von 15 Afghaninnen. In kurzen Statements berichten sie, wie sich ihr Leben seit dem Sturz der Taliban verändert hat und erzählen von ihren Nöten und Entbehrungen, aber auch von ihren Kämpfen und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft.
Mehr zu den Forderungen von medica mondiale an die internationale Gemeinschaft und die deutsche Bundesregierung finden Sie in dem im November veröffentlichten Afghanistan-Positionspapier: „Zehn Jahre internationaler Afghanistan-Einsatz, zehn Jahre Gewalt gegen Frauen – Zeit für eine strategische Partnerschaft mit Afghanistans Frauen“.
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Fisteloperationen sind oftmals hoch kompliziert und bedürfen eines spezifischen Fachwissens. © Isis-WICCE |
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Südsudan: Für ein Leben in Normalität
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Im Südsudan leiden viele Frauen unter einer so genannten Blasen-Scheiden-Fistel: Einer Verletzung im Genitalbereich, die nicht nur Unfruchtbarkeit, permanente Entzündungen und Schmerzen verursacht, sondern auch zu Inkontinenz und damit häufig zu sozialer Ausgrenzung führt. In der südsudanesischen Region Zentral-Äquatoria hat medica mondiale eine Gruppe betroffener Frauen mit Operationen unterstützt, um ihnen eine Leben frei von Schmerz und sozialem Stigma zu ermöglichen. Außerdem wurden südsudanesische ÄrztInnen und GeburtshelferInnen geschult.
Zwei Jahre lang konnte die 17-jährige Dudu A.* ihr Wasser nicht halten. Bei jedem Schritt tropfte Urin aus ihrer Blase und lieft ihre Beine hinab. Ihr Ehemann ekelte sich und verließ sie. Auch in ihrem Dorf störten sich viele an ihrem Geruch, genau wie sie selbst. Lange wusste sie nicht, was mit ihr geschehen war, kannte den Namen ihrer Krankheit nicht. Erst als Mitte 2011 ein Team von ÄrztInnen in ihr Dorf kam und Hilfe bot, bekamen ihre Beschwerden einen Namen: Blasen-Scheiden-Fistel heißt das Leiden von Dudu A.. Folge der Geburt ihres ersten Kindes, das tot zur Welt kam. Dabei wurde ihr Unterleib so stark verletzt, dass sich Risse und Löcher zwischen Scheidenwand und Blase bildeten. Danach hieß es, Dudu A. könne nie wieder ein Kind bekommen.
An die 5.000 Fälle von so genannten Blasen- oder auch Darm-Scheiden-Fisteln werden nach Angaben der UNO jährlich im Südsudan registriert. Die tatsächliche Zahl dürfte weitaus höher liegen. Gerade in abgelegenen, ländlichen Gegenden haben Frauen und Mädchen so gut wie keine angemessene medizinische Versorgung und sind mit ihrem Problem meist ganz auf sich allein gestellt. Fisteln treten in der Regel während der Geburt auf, aufgrund von Frühschwangerschaften oder durch Fehler in der Geburtshilfe. In vielen Ländern, so auch im Südsudan, sind sie häufig auch eine Folge sexualisierter Gewalt gegen Frauen.
Seit Juni dieses Jahres hat Duda A. keine Schmerzen mehr und auch den Urin kann sie wieder halten. Gemeinsam mit 23 anderen ausgewählten Frauen wurde sie im Juni von einem Team aus erfahrenen ugandischen ÄrztInnen operiert. Die Standards im südsudanesischen Gesundheitssystem sind jedoch sehr gering. Für die komplizierten, oft mehrstündigen Eingriffe fehlt es nicht nur an Geld, medizinischer Gerätschaft und Medikamenten, sondern vor allem auch an qualifiziertem Personal. Mehr als 20 ÄrztInnen und GesundheitshelferInnen einer Klinik wurden daher gezielt in die Operationen eingebunden und dafür geschult, Fistelerkrankungen zukünftig selbst fachkundig behandeln zu können.
Nach intensiver Nachbetreuung bis Oktober konnten bis auf drei Ausnahmen alle Frauen geheilt werden. Acht von ihnen hatten bereits frühere Operationen hinter sich, die jedoch gescheitert waren.
Koordiniert wurde das Projekt von der ugandischen Frauenrechtsorganisation Isis-WICCE, die medica mondiale seit 2010 in ihrer Arbeit im Südsudan unterstützt.
* Name geändert |
 
Afghanische Mullahs werden über die Folgen von Kinder- und Zwangsheirat aufgeklärt. © Medica Afghanistan |
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Training für Mullahs: Schule statt Kinderverheiratung
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Afghaninnen leben länger und weniger Frauen sterben während der Geburt, so zwei erfreuliche Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie in Afghanistan. Ein großes Problem sind aber weiterhin Zwangsverheiratungen von Mädchen im Alter von elf, zwölf Jahren an wesentlich ältere Männer - dies obwohl das gesetzliche Mindestalter bei 16 Jahren liegt. Öffentliche Aufklärung ist dringend nötig. Seit 2009 arbeitet Medica Afghanistan daher mit dem Ministerium für islamische Angelegenheiten in der Schulung von Mullahs, geistlichen Führern, zusammen.
Bisher gab es zwei Trainings von Medica Afghanistan für afghanische Mullahs: Insgesamt wurden 61 Geistliche aus Kabul und Herat zu Kinderrechten und gesetzmäßigen Eheschließungen geschult. Die Idee: Wenn diese wichtigen Meinungsführer überzeugt werden können, wird es einfacher, Eltern dafür zu gewinnen, ihre Kinder erst im Erwachsenenalter zu verheiraten. Viele Mädchen und junge Frauen könnten so geschützt werden. Im Juni dieses Jahres fand erneut ein Training statt, dieses Mal für 35 Mullahs aus dem ländlichen und städtischen Gebiet von Mazar-i-Sharif. An drei Tagen wurden ihnen didaktische und praktische Methoden zur Reduzierung von Kinder- und Zwangsehen vermittelt.
Die Teilnehmer waren mit dem Inhalt des Trainings sehr zufrieden. Motiviert erklärte Shaikh Nasruddin: "In Zukunft müssen wir die Väter bestärken, ihre Töchter in Schulen zu schicken, anstatt sie in jungen Jahren für Hochzeiten zu verkaufen." Die einzige Schule seines Dorfes in der Nähe von Mazar-i-Sharif sei ausschließlich für Jungen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass dort auch Mädchen zumindest für einige Stunden Unterricht bekommen, denn zurzeit würden nur wenige Eltern ihre Töchter in die Provinzhauptstadt schicken; viele könnten sich das auch finanziell nicht leisten. Das Training von Mullahs habe sich laut Mawalwi Abdul Hanan, Vizedirektor des Ministeriums für islamische Angelegenheiten der Provinz, als zentrale Strategie zur Verringerung von Gewalt in der Familie herausgestellt. Die Mullahs verstünden nun mehr und mehr, dass Kinderheiraten oftmals die Ursache für die weit verbreitete Gewalt in afghanischen Familien sei, die auch in ihrer Vorstellung nicht tolerierbar sei, so Hanan.
Doch im Vorfeld der Schulung gab es auch Kritik seitens des Ministers: So war er unglücklich mit dem inhaltlichen Schwerpunkt der Schulung - er läge zu stark auf Gewalt gegen Frauen, Geschlechterrollen und dem Nutzen von Eheregistrierungen für Frauen. Vielmehr war er der Ansicht, Medica Afghanistan solle damit aufhören, Frauen aufgrund von Gewalt in der Ehe in Scheidungsfragen zu beraten. Seine Auffassung: Die Aufgabe der Organisation sei es, zwischen Familienmitgliedern und EhepartnerInnen zu vermitteln und eine friedliche Lösung zu finden. Humaira Rasuli, Leiterin von Medica Afghanistan, stellte in einem Gespräch mit dem Minister ihre Sicht hinsichtlich der Rolle der Frauenrechtsorganisation klar: Sie biete Mediationen an, um Konflikte zu klären, und agiere keinesfalls als Gegnerin der nationalen Gesetze oder der islamischen Vorschriften. Davon ließ sich der Minister schließlich überzeugen und gab seine Zusage für die Unterstützung der Trainings von Medica Afghanistan.
Lesen Sie hier über die Arbeit von Medica Afghanistan |
 
„Der Preis gibt uns Kraft und Mut“ – Godeliève Mukasarasi mit der marmornen Preisskulptur © Daniela Gierschmann/medica mondiale |
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Ruanda: Menschenrechtspreis für eine kraftvolle Kämpferin gegen Gewalt
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Führende Frauenrechtsaktivistin des Landes, Gründerin der Organisation SEVOTA, mutige und kraftvolle Kämpferin gegen Ignoranz - so stellte das geschäftsführende Vorstandsmitglied von medica mondiale, Monika Hauser, die Ruanderin Godeliève Mukasarasi in ihrer Laudatio vor. Anlass war die Verleihung des Human Rights International Preises 2011 im Rahmen der Tagung "Ohne Frauen kein Frieden und keine Entwicklung" am 9. Dezember in Bozen.
Godeliève Mukasarasi engagiert sich seit dem Völkermord 1994 in Ruanda für diskriminierte Frauen, die in besonderer Weise unter dem Genozid gelitten haben. Gemeint sind zumeist Frauen, die infolge von Vergewaltigungen schwanger wurden und heute mit den Kindern der Täter leben. Hauser hob in ihrer Rede hervor: "Mir ist besonders wichtig, wie sich Frauen wie Godeliève Mukasarasi mit unendlich viel Kraft und Empathie immer wieder auf den Schmerz der Überlebenden einlassen. Sie leistet diese Arbeit unter großen persönlichen Einsatz - auch sie und ihre Familie erlitten während des Genozids und in der Nachkriegszeit eine Reihe von schweren Schicksalsschlägen." Rund 100 Gäste verfolgten die Feier, bei der Mukasarasi eine Preisskulptur aus Marmor überreicht bekam - drei zusammenstehende Frauen, die Solidarität verkörpern. Mukasarasi erklärte, dass dieser Preis für sie eine Ermutigung bedeute, ihr Engagement gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen von SEVOTA fortzusetzen - er ermögliche es vor allem, die Arbeit und die Erfolge der Organisation bekannter zu machen. Mit dem Preis, der mit einer Spende über rund 5.000 Euro einherging, will die Südtiroler Organisation die Solidarität mit MenschenrechtsaktivistInnen zeigen, die ihre Arbeit oft im Verborgenen tun, und sie dafür finanziell stärken. Geehrt wurde an diesem Abend auch Monika Hauser selbst. Sie erhielt von Landeshauptmann Luis Durnwalder den Preis der Südtiroler Entwicklungszusammenarbeit als "Anerkennung für ihren großen Einsatz in Entwicklungsländern".
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Auch die Kleinsten wirken mit beim traditionellen Kunstmarkt der Gemeinde Gladbeck-Mitte. © Uwe Hildebrandt |
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Kirchengemeinde solidarisch mit Frauen in Kriegs- und Krisengebieten
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Die Unterstützung der Arbeit von medica mondiale bedeutet der Kirchengemeinde Gladbeck-Mitte sehr viel. Neben anderen Aktionen veranstaltet sie alljährlich einen vorweihnachtlichen Kunstmarkt, dessen Erlös zur Hälfte medica mondiale zufließt. Das Geld wird über den Verkauf von Getränken und internationalen Speisen erwirtschaftet. Die Kunstschaffenden steuern noch einmal 20 Prozent ihres Verkaufserlöses bei. Auch in diesem Jahr erwartet die Gemeinde wieder eine Summe, die sich sehen lassen kann: 2010 kamen beim Kunstmarkt rund 700 Euro für medica mondiale zusammen.
Für das langjährige Engagement der Gladbecker Kirchengemeinde gibt es einen guten Grund: "Seit über zwanzig Jahren kommen Flüchtlinge in unser Gemeindehaus, und wir beraten sie. Von ihnen kennen wir viele Lebensgeschichten. Gewalt, Folter, Vergewaltigung und Vertreibung spielen darin eine Rolle", erklärt Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, Pfarrerin in Gladbeck-Mitte. "Unserer Gemeinde ist es deshalb ein großes Anliegen, dass besonders die Frauen, denen eine Flucht nicht möglich ist, einen Ort haben, an dem sie über ihre Erfahrungen sprechen können. Und dafür sorgt medica mondiale."
Das Team von medica mondiale freut sich sehr über die Solidarität der Gemeinde mit Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten. Ihr Beispiel steht stellvertretend für die vielen Unterstützungsaktionen, die alljährlich zugunsten von medica mondiale durchgeführt werden. Genau wie die persönlichen, direkten Spenden symbolisieren sie eine besondere Form der Verbundenheit und bestärken uns in dieser Arbeit. Dafür sind wir unseren UnterstützerInnen und SpenderInnen sehr dankbar!
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