
Vida Faizi, Leiterin Psychosoziales und Gesundheit bei Medica Afghanistan, traf sich mit ihren Kölner Kolleginnen Bele Grau und Claudia Söder zur Projektbesprechung in Kabul. © Bele Grau/medica mondiale
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Afghanistan: Psychosoziale Beratung jetzt auch in Mazar-i-Sharif
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Das Rechtshilfeangebot von Medica Afghanistan in Mazar-i-Sharif existiert inzwischen seit rund acht Jahren. Es erhielt mit der neu eingeführten psychosozialen Beratung durch zwei Fachfrauen kürzlich eine wertvolle Ergänzung. Die Leiterin für den Bereich Psychosoziales und Gesundheit, Vida Faizi, veranschaulichte die dringende Notwendigkeit der Beratungsarbeit beim Besuch Kölner Kolleginnen von medica mondiale in Kabul. Sie unterstrich dabei die stärkende Wirkung psychosozialer Beratung auf gewaltbetroffene Frauen - insbesondere im Hinblick auf bevorstehende Vermittlungsgespräche mit Familienangehörigen oder Strafverfahren.
In Kabul und Herat machen die Mitarbeiterinnen von Medica Afghanistan schon seit vielen Jahren positive Erfahrungen mit der Kombination aus Rechtshilfe und psychosozialer Beratung. "Besonders für jene Frauen, die unsere Rechtshilfe aufgrund erlebter Gewalt aufsuchen, ist eine traumasensible, psychosoziale Beratung absolut notwendig", berichtet Vida Faizi aus ihrem Arbeitsalltag. "Unsere Klientinnen leiden an unterschiedlichen psychischen Problemen, die unter anderem dazu führen, dass sie ihre Gefühle nicht mehr unter Kontrolle haben, keine klaren Entscheidungen mehr treffen können, dass sie vereinsamen und verarmen. Viele verlieren die Unterstützung ihrer Familien und so auch ihre Hoffnung."
In ihrer täglichen Arbeit seien die Rechtshelferinnen mit unterschiedlichen Schicksalen konfrontiert, erklärt Faizi. Viele Klientinnen hätten sexualisierte Gewalt in der Familie erlebt, seien gegen ihren Willen oder noch als Minderjährige verheiratet worden und litten unter permanenter körperlicher, seelischer und sexueller Misshandlung. Die Folgen seien Depressionen, Panikattacken und andere Traumareaktionen. Nach Faizis Überzeugung können Frauen, die durch sexualisierte Gewalt traumatisiert sind, ohne psychosoziale Beratung keine Gerechtigkeit erfahren: "Die Erfahrung zeigt, dass vielen Frauen durch das Verhalten der Polizei, der Richter und der Staatsanwälte geschadet wird. Diese Personen misshandeln die Frauen mit Worten, was sich negativ auf deren Selbstbewusstsein auswirkt. Viele sind emotional nicht in der Lage, einen Prozess durchzuhalten." Eine vorbereitende und begleitende Beratung kann diese Frauen stärken und für die Belastungen im Strafprozess wappnen - zukünftig auch in Mazar-i Sharif.
Pilotprojekt im Vorfeld: "Ich konnte sehen, dass die Frauen stärker geworden waren."
Die Einführung der psychosozialen Beratung in der nordafghanischen Stadt wurde sorgfältig vorbereitet. In Gesprächen mit VertreterInnen des Frauengefängnisses, der Jugend-Strafanstalt für Mädchen und des Frauenschutzhauses kristallisierte sich schnell heraus, dass die dort untergebrachten Frauen und Mädchen keinen Zugang zu psychosozialen Beratungen haben. medica mondiale Köln war den Kolleginnen in Kabul daraufhin behilflich, für das Beratungsprojekt eine stabile Finanzierung zu sichern. Im Vorfeld des neuen Vorhabens startete Medica Afghanistan ein halbjähriges Pilotprojekt in Mazar-i Sharif. Vida Faizi ist sehr glücklich darüber, wie die beratenen Frauen in den wenigen Monaten des Pilotprojektes schrittweise in das gesellschaftliche Leben zurückgefunden haben: "Ich konnte sehen, dass die Frauen stärker geworden waren, gestärkt darin, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, über ihre Probleme zu sprechen, wie zum Beispiel über sexualisierte Gewalt in der Familie. Sie fingen an, sich wieder für das Leben um sie herum zu interessieren, wollten wieder lernen und arbeiten".
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Unter dem Motto "Wir kämpfen für die Frauenrechte" informierten SOS FED und zwei weitere Organisationen am diesjährigen Weltfrauentag über Frauenrechte und die Rechte von HIV-Infizierten. © SOS FED, Burundi |
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Burundi - medica mondiale unterstützt den mutigen Kampf von "SOS Frauen in Not"
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Im ostafrikanischen Staat Burundi ist die Zahl der dokumentierten Vergewaltigungen auch nach Kriegsende im Jahr 2000 immer noch sehr hoch. Mutige lokale Frauenorganisationen stellen sich dem entgegen. Darunter SOS Femmes en Détresse (SOS FED) - "SOS Frauen in Not" - seit diesem Jahr Partnerorganisation von medica mondiale in Bujumbura, Burundi. Sie kämpft gegen frauendiskriminierende Gesellschaftsstrukturen und fordert ein Ende des Wegschauens sowie der Straflosigkeit von sexualisierter Gewalt an Frauen.
Nur wenige Frauen erhalten in dem patriarchalen Land nach Gewalterfahrung rechtliche und medizinische Unterstützung - eine grobe Missachtung ihrer Rechte. Die Täter sind Zivilisten, aber auch Militärs und Angehörige der Polizei. Vergewaltigung ist in Burundi nach dem Gesetz zwar eine Straftat. Dies gilt allerdings nur auf dem Papier. Die Straflosigkeit ist erschreckend hoch, Korruption und schlechte Ausstattung legen das burundische Justizsystem faktisch lahm. Hinzu kommt, dass Frauen per Gesetz ökonomisch benachteiligt und damit finanziell abhängig von ihren Männern sind. Das hat weitreichende Folgen, wenn es zu sexualisierter Gewalt kommt. Überlebende sexualisierter Gewalt berichteten Amnesty International, dass sie es ablehnen, Strafanzeige zu erstatten, weil sie befürchten, damit die wirtschaftliche Unterstützung des Ehegatten und der Familie zu verlieren. Ihnen wird vorgeworfen, selbst Schuld an einer erlittenen Vergewaltigung zu tragen; viele werden von ihren Gemeinden und Familien stigmatisiert und verstoßen. Darüber hinaus zwingen burundische Traditionen die vergewaltigten Frauen und Mädchen häufig dazu, die Täter zu heiraten. Das dient offiziell als eine Art der Wiedergutmachung und Wiederherstellung der Würde der Frau.
Mit Gesprächen vom Unrecht überzeugen
Um der Gewalt vorzubeugen und gegen die Straflosigkeit vorzugehen, setzt SOS FED auf die Ausbildung von Menschenrechtsbeobachterinnen und Rechtshelferinnen. 30 Fachfrauen sollen so Ansprechpartnerinnen in sogenannten Beobachtungsgruppen vor Ort sein und damit lebenswichtige Anlaufstellen für Frauen und Mädchen. Weiterhin informiert die Frauenorganisation die Öffentlichkeit, zum Beispiel durch Infostände bei Veranstaltungen, und spricht mit Militär- und PolizeivertreterInnen, um ihnen zu verdeutlichen, wie sexualisierte Gewalt die Menschenrechte verletzt. Bei den lokalen Gerichten geht die Partnerorganisation von medica mondiale ins Gespräch mit den JustizvertreterInnen. Das Ziel: die Gerichte zu überzeugen, die medizinischen Gutachten der Gemeinde-Gesundheitszentren als Beweismittel in Vergewaltigungsprozessen anzuerkennen. Für die einjährige Laufzeit des Projektes ist geplant, über 100 Überlebende sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Mindestens ebenso viele EntscheidungsträgerInnen aus Justiz, Militär, Polizei und Politik will SOS FED für die Themen sexualisierte Gewalt und Frauenrechte sensibilisieren. SOS FED wird 2012 von medica mondiale mit 8.500 Euro unterstützt.
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Monika Hauser im Gespräch mit der Präsidentin des Ludwigshafener Zonta Clubs, Dr. Lisa von Mengden © Claus Olbrecht
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Gastrede von Monika Hauser im Ludwigshafener Rathaus ließ "Feuer und Energie spüren"
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Rund 220 Gäste folgten Ende März im Stadtratssaal Ludwigshafen bewegt dem Vortrag der Gründerin von medica mondiale, Monika Hauser. Gastgeberinnen waren die Zonta Clubs der Region Rhein-Neckar. Sie hatten Hauser anlässlich der Fotoausstellung von medica mondiale "Starke Stimmen - Frauen in Afghanistan" im Ludwigshafener Rathaus um einen Einblick in die Arbeit der Frauenrechts- und Hilfsorganisation gebeten. Die Unterstützung kriegstraumatisierter Frauen und Mädchen durch medica mondiale stößt bei den Zonta Clubs auf großes Interesse. Sie setzen sich als internationaler Zusammenschluss berufstätiger Frauen weltweit für mehr Menschlichkeit, soziale Gerechtigkeit und die Frauenrechtsarbeit ein.
In ihrer kurzen, engagierten Eröffnungsrede ging die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Dr. Eva Lohse, bereits auf das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen ein. Monika Hauser hob im Anschluss unter anderem die weitreichende gesellschaftliche Bedeutung der Unterstützung kriegstraumatisierter Frauen für den nachhaltigen Erfolg von Friedensprozessen und die Wiederherstellung von Stabilität hervor. "Ihr Vortrag ließ die großartigen Erfolge dieser Arbeit sichtbar werden, und auch das Feuer und die enorme Energie spüren, die die Arbeit von medica mondiale antreiben", schwärmt die Präsidentin des Ludwigshafener Zonta Clubs, Dr. von Mengden.
Sicherheitslage für die afghanische Zivilbevölkerung erheblich verschlechtert
Für Monika Hauser bot die Veranstaltung eine gute Möglichkeit, um auf Fragen der Gäste einzugehen: "Das Publikum war sehr an der Frauensituation in Afghanistan interessiert und wollte wissen, wie es um den Schutz der Frauen und Mädchen durch die internationalen Truppen steht. Die Gäste waren offensichtlich überrascht, als ich davon berichtete, dass sich die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung in den letzten Jahren des internationalen Militäreinsatzes erheblich verschlechtert hat." In ihrer Rede hatte Hauser darauf hingewiesen, dass das Militär nicht das leisten kann, was zu nachhaltigem Frieden in der Gesellschaft führen würde: ein kontinuierlicher Aufbau von Staat und Zivilgesellschaft, zum Beispiel durch die Sicherstellung eines funktionierenden Justizsystems. Auch deshalb liege ein Schwerpunkt der Arbeit von Medica Afghanistan im Bereich Rechtshilfe. Durch Rechtsberatung, strafrechtliche Vertretung und Mediation zwischen Betroffenen und ihren Familien wolle die afghanische Organisation den auf dem Papier existierenden Rechten für Frauen zur Geltung verhelfen. Die erzielten Erfolge seien der mutigen und hartnäckigen Arbeit der afghanischen Kolleginnen zu verdanken. Viele der Fragen an Monika Hauser richteten sich auf die Arbeit von Medica Afghanistan, da die parallel ausgestellten Fotos sich afghanischen Frauen widmeten. "Es ist ein besonderer Aspekt dieser Ausstellung, dass hier die Frauen selbst zu Wort kommen, und sich ungefiltert und frei zu den heutigen Verhältnissen in Afghanistan äußern können", kommentiert die Zonta-Präsidentin das große Interesse an den ausgestellten Bildern und Zitaten.
Die Zonta Clubs der Region Rhein-Neckar ließen medica mondiale eine Spende von 5.000 Euro zukommen. Monika Hauser bedankte sich für die Unterstützung: "Wir freuen uns über das ehrliche Interesse an unserer Arbeit und das Engagement, das mit dieser großzügigen Spende zum Ausdruck kommt." Die Fotoausstellung "Starke Stimmen - Frauen in Afghanistan" von medica mondiale wird zukünftig auch in weiteren Städten präsentiert werden.
Informationen zu allen Fotoausstellungen von medica mondiale finden Sie auf unserer Internetseite. |
 
Das Benefizkonzert des Weltärzteorchesters 2009 in der Berliner Philharmonie brachte 25.000 Euro Erlös für einen guten Zweck ein. © Sabine Ziarno
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Kurz informiert: Benefizkonzerte / Brief an die Kanzlerin / Fotoausstellungen / Fortbildungen
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Benefizkonzerte des Weltärzteorchesters für medica mondiale
Im Oktober veranstaltet das Weltärzteorchester zwei Benefizkonzerte, deren Erlöse zur Hälfte medica mondiale zugutekommen: am Sonntag, 14.10., 16 Uhr in der Philharmonie Berlin und am Montag, 15.10., 20 Uhr in der Philharmonie Essen. Es werden Stücke von Bruckner, Mozart und Donizetti aufgeführt. Das Weltärzteorchester wurde 2007 gegründet und hat inzwischen über 500 Mitglieder aus mehr als 20 Ländern. Es veranstaltet zweimal jährlich Konzerte zugunsten gemeinnütziger Organisationen, die sich für notleidende Menschen einsetzen.
Weitere Informationen und das Programm finden Sie unter: www.world-doctors-orchestra.org
Brief an die Kanzlerin - im Einsatz für die Rechte afghanischer Frauen
Im März hat medica mondiale in Kooperation mit dem Afghan Women's Network (Afghanisches Frauen-Netzwerk) Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle erneut in einem Schreiben auf die äußerst brutalen Gewalttaten an afghanischen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht, die sich seit Beginn des Jahres wieder häufen. Kanzlerin und Außenminister wurden damit konfrontiert, dass der langjährige internationale Militäreinsatz in Afghanistan der Präsenz sexualisierter und sonstiger geschlechtsspezifischer Gewalt nicht entgegenwirken konnte. medica mondiale stellte ihnen unter anderem die Frage, wie sich Frauen, die täglich extremer Gewalt ausgesetzt sind, denn politisch engagieren und so ihren wichtigen Beitrag zum Friedensprozess leisten sollen. Abschließend wurden zahlreiche Möglichkeiten aufgezeigt, wie die deutsche Bundesregierung weibliche Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt sowie afghanische Frauenrechtsaktivistinnen - zum Beispiel durch die gezielte Mitwirkung in politischen Gremien - unterstützen kann.
Fotoausstellungen von medica mondiale - Frauen und Mädchen im Fokus
Woraus schöpfen Frauen Kraft, die sexualisierte Gewalt erfahren haben? Welche Hoffnungen haben diese Frauen für ihre Zukunft, welche Vorstellungen haben sie vom Frieden? Mit drei Fotoausstellungen rückt medica mondiale Frauen in Kriegs- und Konfliktgebieten in den Fokus. Einprägsam und ausdrucksstark dokumentieren die Fotos internationaler Fotografinnen Lebenswelten von Frauen und Mädchen, die in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft leben.
Wir laden Sie herzlich ein, die Ausstellungen in den Räumen Ihrer Institution oder Organisation zu präsentieren. Verleih- und Kontaktinformationen entnehmen Sie bitte unserer Internetseite.
Fortbildungsreihe zu Kriegsgewalt und Traumatisierung
Seit 2009 bietet medica mondiale ein Fortbildungsprogramm zum Thema Kriegsgewalt und Traumatisierung an. In verschiedenen Workshops möchte medica mondiale die Kompetenz all jener erweitern, die in ihrem Arbeitsfeld oder in ihrer Ausbildung mit traumatisierten Frauen und Mädchen aus Kriegs- und Krisengebieten zu tun haben. Wie erleben Frauen in anderen Kulturen sexualisierte Gewalt? Welche Möglichkeiten der Verarbeitung haben sie? Wie kann das soziale Umfeld, einschließlich der Männer, mit einbezogen werden in die Trauma-Arbeit? Diese und weitere Fragen behandeln zwei einführende Seminare am 15.-16. Juni und am 28.-29. September und setzen damit neue inhaltliche Schwerpunkte. Wie kann ich Traumasymptome erkennen? Was kann ich persönlich zur Sicherheit und Stabilisierung der Frauen beitragen? In dem praxisorientierten Seminar am 26.-27. Oktober liegt der Schwerpunkt auf dem Umgang mit den Folgen von Kriegsgewalt und Traumatisierung. Das zweite Praxis-Seminar am 25.-26. Januar 2013 ist neu im Programm. Darin beschäftigen sich die Teilnehmenden damit, wie sich die Trauma-Dynamik auf Teams oder Organisationen auswirkt und deren Widerstandskraft (Resilienz) gestärkt werden kann.
In einigen Seminaren sind noch Plätze frei - weitere Informationen und den Anmeldecoupon finden Sie auf unserer Internetseite. |
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